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Die Modestadt Düsseldorf braucht mehr Aufmerksamkeit

Die Modestadt Düsseldorf braucht mehr Aufmerksamkeit

Die Konkurrenz durch Berlin, München und das Internet wächst und wächst. Deshalb soll Düsseldorf mehr experimentieren und einen Nachfolger für die Vogue-Fashion-Night finden.

Düsseldorf. Die Verbindung war zu selbstverständlich. Mode und Düsseldorf — das gehörte dank Kö, dank Eickhoff, dank Igedo ganz fest zusammen und hatte eine entsprechende Wirkung in Deutschland und Europa. Doch was lange galt, steht heute vor großen Herausforderungen und hat nun eine Strategie für die nächsten drei Jahre erhalten. Wirtschaftsförderer Uwe Kerkmann hat sie im Fachausschuss vorgestellt.

Weniger Modehändler Die Zahl der Einzelhandelsgeschäfte ist rückläufig. Das liegt zum Teil daran, dass keine geeigneten Nachfolger gefunden worden, aber vor allem am Druck durch die großen Anbieter und das Internet. Die Experten erwarten, dass sich diese Situation weiter verschärft. Damit gehen Anziehungspunkte und Protagonisten, die sich für den Standort einsetzen, verloren.

Wenig Alleinstellungsmerkmale Die Zeit der Konkurrenzlosigkeit ist vorbei. Berlin und München haben sich zu starken Modestandorten entwickelt. In der Bundeshauptstadt gibt es zwei Wochen vor den hiesigen Ordertagen die Fashion Week mit großen Messen, kleinen Präsentationen und vor allem jede Menge Modenschauen. Die Messen präsentieren Marken, die es zu 70 Prozent auch in Düsseldorf zu kaufen gibt. Zwei Wochen nach Düsseldorf eröffnet München seine Messen, die für den süddeutschen Raum und die ihn umgebenden Nachbarländer von großer Bedeutung sind. Düsseldorf muss sich davon unterschieden und hoffen, dass die anderen die Herausforderungen nicht so gut meistern.

Wenig Prominente Unter Experten hat Düsseldorf einen sehr guten Ruf, aber die Wirtschaftsförderung nennt die Wahrnehmung des Standortes „unzureichend“. Berlin genießt als Hauptstadt und dank der höheren „Promi-Dichte“ eine viel höhere Aufmerksamkeit in Fach- und Publikumsmedien. Auch in Düsseldorf selbst sei Mode nicht präsent genug, bemängeln Händler, es fehlten Werbemaßnahmen und Ereignisse.

Mehr Spielflächen Beim „Fashion und Design Festival“ im niederländischen Arnheim haben sich vier hiesige Labels unter dem Motto „We love Design from Düsseldorf“präsentiert. Es braucht mehr solcher Zusammenschlüsse und auch hier Flächen und Formate für temporäre Präsentationen. Das gilt gleichermaßen für etablierte Unternehmen und für Start-ups.

Mehr Experimente Der Internethandel genießt unter anderem einen Vorteil, weil dort mehr ausprobiert wird und sich bei Erfolg die Innovation quasi von selbst ergibt. Folglich muss der stationäre Einzelhandel mehr Risikobereitschaft entwickeln, mehr kurzfristige und neue Ladenkonzepte versuchen. Der Experience Store von Karstadt ist ein Beispiel dafür. Erlebnisse braucht es zudem noch in Form von großen Mode-Abenden. Die „Vogue Fashion Night“ gibt es nicht mehr, ein Nachfolger sollte dringend entwickelt werden. Dazu braucht es entweder einen großen Partner, der nicht unmittelbar in Sicht ist, oder Leute, die vorausgehen.

Mehr Werbung Düsseldorf Tourismus bietet nun eine Stadtführung zur jungen Modeszene an. In diese Richtung sollte es laut Wirtschaftsförderung weiter gehen. Hiesige Werbeflächen sollten für Kampagnen des Modestandorts genutzt werden und internationale Presse gezielt eingeladen werden. Und ein paar Plakate in Berlin oder München würden auch nicht schaden.