Stadt-teilchen: Die Lösung auf dem Wohnungsmarkt ist gefunden

Stadt-teilchen : Die Lösung auf dem Wohnungsmarkt ist gefunden

Gerade noch irgendwie beunruhigt von der Titelgeschichte im Spiegel über den Pflegenotstand im Lande, sehe ich jetzt Licht für mich am Horizont der Altersversorgung. Ich weiß jetzt, wo ich bleibe wenn ich mal alt bin - aber noch nicht alt genug für ein „sozialverträgliches Ableben“, das sich meine private Krankenkasse insgeheim von mir wünscht.

Die Lösung: Ich zieh ins Aldi-Heim.

Foto: Sergej Lepke

Das hat hoffentlich noch Zeit. Aldi ist auch noch nicht ganz so weit mit seinem Billigheimstättenwerk. Aber auf bestem Wege. Vorstufe Berlin: Dort will der Discounter bis zu 2000 Wohnungen bauen und vermieten, mitten in der Stadt, direkt über seinen Märkten. Nahversorgung schon mal garantiert, Sozialwohnungsanteil 30 Prozent, in denen die Quadratmetermiete bei 6,50 Euro liegt. Die übrigen Wohnungen sollen auch nicht mehr als 10 Euro pro Quadratmeter kosten.

Um die Nachfrage nach Wohnraum zu decken, sei die Verdichtung der Wohnbebauung in Innenstädten eine Möglichkeit, erklärte Jörg Michalek, Geschäftsführer der Aldi-Immobilienverwaltung bei der Vorstellung seiner Berliner Pilotprojekte. Und: Aldi schließe nicht aus, auch in anderen Ballungszentren der Republik Wohnungen zu bauen.

Ja, bitte! Sollen sie! Und längerfristig nicht nur Flachbauten auf aldieigenen Grundstücken erreicht, sondern gleich auch noch die mehrstöckigen Gebäude kaufen, in deren Erdgeschossen sie ihre Läden haben. Ich hab ohnehin insgeheim den Verdacht, dass die da schon dran sind. In Düsseldorf.

Wie ich darauf komme? In „meinem“ Aldi an der Kö (wo sonst?) waren in dieser Woche die Regale halbleer. Die bauen um! Vielleicht schon mit dem Gedanken an Wohnungen drüber? Hach, ich seh’ uns schon mit Aldi-Champagner anstoßen mit geringschätzigem Blick auf den Teil der Prachtmeile, die mit Laden-Leerständen zu kämpfen hat. In welchem Stadt-Teilchen wohnst Du? Aldi-Süd?

Wirtschaft geht so einfach, wenn sie keine kommunale ist. Der (Aldi-)Markt wird’s richten. Ein Discounter fängt an, die anderen ziehen erfahrungsgemäß nach. Klar, woran ich gerade denke: Lidl! Zieht ja bald in die ehemalige Tankstelle am Carlsplatz. Und ich dann vielleicht weiter oben in mein neues Loft im großzügig umgebauten Parkhaus. Und dafür zahle dann im Monat weniger, als wenn mein Auto dort stände.

Nicht nur Lidl lohnt sich. Bald darauf entsteht ein Penny-Penthouse in Unterbilk, eine Siedlung von Kaufland-Häusern am City-Rand, Metro-Maisonette-Wohnungen am Waldesrand.

Wenn das mit den Wohnungen dann gut läuft, woran ich bei den Bauherren nicht den geringsten Zweifel hege (was, bitteschön, sollen die auch sonst mit ihrer Kohle machen?), kommt der nächste Schritt: Aldi-Heime.

Logische Folge. Ich wüsste auch schon wo: Köbogen II. Hoch über Aldi im Ingenhoven-Tal. Im Alter ins Grüne ziehen mitten in der Stadt und mit Blick auf den Hofgarten barrierefreie Breichen löffeln - (m)ein Traum!

Mehr von Westdeutsche Zeitung