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Die Kripo in Düsseldorf und Region und der Nationalsozialismus

Geschichte : Die Kripo als Komplize der Nationalsozialisten

Das Buch „Die Kommissare“ arbeitet die unrühmliche Geschichte der Düsseldorfer Kripo unter Hitler auf.

Um das Denken und Handeln der Kriminalpolizei im Dritten Reich in Düsseldorf und der Region verstehen zu können, muss man früher – in den 20er Jahren – ansetzen und bis in die fünfziger Jahre zurückblicken. Dies tut die neue – sehr umfassende – Publikation unter dem Titel „Die Kommissare“ unter Herausgeberschaft Bastian Fleermanns, dem Leiter der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf, erschienen beim Droste Verlag (knapp 500 Seiten Hardcover).

„Die NS-Behörden haben im Frühling 1945 ihre Akten verbrannt. In Düsseldorf hat das die Gestapo nicht mehr geschafft. Das ist der Grund dafür, dass wir in Düsseldorf bis heute 75 000 Akten der Geheimen Staatspolizei zur Verfügung haben. Die Gestapo ist sehr gut erforscht“, erläutert Fleerman. Bei Forschungen habe man immer mehr gesehen, dass es ganz viel Personalaustausch mit der „kleinen Schwester“ der Gestapo, der Kripo, gab. Dabei sei aufgefallen, dass man über die Kriminalpolizei in der NS-Zeit „wirklich nichts weiß“. 2014 entschied man sich, dieses Thema aufzuarbeiten. Auf die Frage, wie es sein kann, dass eine geschichtliche Aufarbeitung der Kripo in Düsseldorf noch nicht stattgefunden habe, weiß Fleermann Antwort: „Die Interpretations- und Deutungshoheit über die Geschichte der Kripo lag nie in den Händen von Historikern, sondern sie lag in den Händen pensionierten Kriminalbeamter.“ Einer dieser Figuren war Bernhard Wehner – er war von 1954 bis 1970 Chef der Düsseldorfer Kriminalpolizei. Wehner sei, sagt Fleermann, der „Geschichtsbildmaler“, ein Geschichtenerzähler der Kripo. Die Verbechen, die die Kripo begangen hat, wurden von ihm kaum dargestellt. Der 1909 in Gera geborene Wehner war schon früh 1931 der NSDAP beigetreten, arbeitete zunächst ab 1935 bei der Kripo Essen, hatte – und das ist bemerkenswert – ab 1941 den Dienstrang eines SS-Sturmbandführers und wurde 1943 zum Kirminalrat befördert. Er ermittelte unter anderem 1942 nach dem Heydrich-Attentat. „Die Geschichte, die Wehner und viele andere überliefert haben, lautete immer, sie (die Kripo) seien eine vollkommen unpolitische, vom Regime unberührte, Polizeitsparte gewesen“, sagt Fleermann. Diesen Irrtum kann „Die Kommissare“ eindringlich korrigieren. Die gesamte Führungsriege der Kripo gehörte der SS an, waren überzeugte Antisemiten und wurden zum Teil Täter des Holocaust, bekräftigt Fleermann die Erkenntnisse des Buches, das viele Lebensgeschichten nachzeichnet.

Nach einer rasanten Effizienzsteigerung der kriminalistischen Arbeit in den 20er Jahren war die Kripo in einer Art „Modernisierungsrausch“, so Fleermann. Doch unter anderem der prominente Fall des Massenmörders Peter Kürten zeigte die Fehlbarkeit auf. „Demütigungen sitzen tief“, erläutert Fleermann. Durch die Nazis wurden rechststaatliche Prinzipien rasant abgebaut. „Die Männer hier haben die Machtübernahme frenetisch gefeiert“, führt er weiter aus. Die Polizei habe sich „gefreut“, in dem neuen Regime aufgewertet zu werden. Viele rechtliche Möglichkeiten, die von den Nazis geschaffen wurden, um Menschen zu deportieren und in Vorbeugehaft nehmen zu können, sind auf Drängen der Kriminalpolizisten geschaffen worden. Hauptgegenstand des Buches ist diese Transformation. Vorbeugende Verbrechensbekämpfung wurde möglich. Verschiedene Randgruppen wurden massenhaft durch die Kripo verhaftet, verschleppt und in KZs deportiert. Die Zusammenarbeit mit der Gestapo war intensiv. Massenmorde an den Sinti und Roma waren ein Produkt der Kriminalpolizei.