Gericht: Die knallharten Geschäfte mit der Einsamkeit

Gericht: Die knallharten Geschäfte mit der Einsamkeit

Dubiose Partner-Agenturen ziehen Senioren über den Leisten. Die Klagen häufen sich. Ein Opfer erzählt.

Düsseldorf. Elisabeth R. (Name geändert) ist 71 Jahre alt, schick gekleidet, gepflegt und sieht für ihr Alter blendend aus. Als sie durch Zufall in einem Anzeigenblatt blätterte, fiel ihr das Inserat einer Partnerschafts-Vermittlung auf: „Da war ein Ingenieur abgebildet, der einen sehr sympathischen Eindruck machte.“

Die ehemalige Sekretärin wählt die Kontaktnummer — und hatte ein paar Tage später Riesenschulden. Genau 7999 Euro kassierte die dubiose Firma, ihre große Liebe für den Herbst des Lebens hat Elisabeth R. immer noch nicht gefunden. Der Westdeutschen Zeitung erzählte sie ihre Geschichte.

Schon einen Tag nach dem ersten Anruf erschien eine Dame der Agentur: „Die hat mir das Blaue vom Himmel versprochen. Sie werde ganz sicher den passenden Partner für mich finden. Das erschien mir wie ein Wink des Schicksals.“ Die 71-Jährige unterzeichnete den Vertrag, hatte aber kein gutes Gefühl dabei.

Das verstärkte sich noch, als einen Tag später ein Kollege der Dame erschien, um die Finanzen abzuwickeln: „Der war sehr unfreundlich und hat Druck ausgeübt. Ich hatte richtig Angst.“ Obwohl sie die 7999 Euro nicht hatte, stimmte die Rentnerin der Finanzierung zu. Der Mann ließ nicht locker, bis Elisabeth R. ihm ihre Kreditkarte gab: „Damit hob er 5000 Euro von meinem Konto ab. Ich musste dafür einen Kredit aufnehmen.“

Da das Geld einmal bezahlt war, kamen auch erste Partnerschaftsvorschläge von der Agentur. Sogar mit Telefonnummern der Herren. „Mir wurde aber gesagt, dass Frauen die Männer nicht selbst anrufen, sondern warten sollten.“

Den sympathischen Ingenieur bekam die 71-Jährige nie zu sehen. Dafür meldete sich ein passionierter Taubenzüchter.

„Der war nett, aber mehr auch nicht“, schilderte die 71-Jährige ihr erstes Date., „in meinem Profil hatte ich außerdem angegeben, dass ich Kultur und Konzerte mag. Der Mann hatte wegen seiner Tauben an den Wochenenden gar keine Zeit.“ Auf der Adressenliste stand auch ein Pilot. Entgegen der Anweisung der Agentur versuchte Elisabeth R., selbst Kontakt mit ihm aufzunehmen: „Aber der ging nie ans Telefon.“

Schließlich hatte die Frau genug und fühlte sich über den Leisten gezogen. Doch sie hatte sich von dem unfreundlichen Herrn dazu überreden lassen, im Vertrag auf ihren Kündigungsschutz zu verzichten, um auch nach Ende des Vertrages noch Partnervorschläge zu bekommen.. Trotzdem kündigte Elisabeth R. den Vertrag, es kam zu einem Prozess vor dem Landgericht. Da konnte die Frau immerhin einen Teilerfolg: „2000 Euro muss ich nicht zahlen.“

Doch ansonsten bewegen sich die Partnerschafts-Agenturen in einer Grau-Zone. Vor einigen Tagen hat das Landgericht entschieden, dass der Verzicht auf den Kündigungsschutz rechtswidrig ist.

Elisabeth R. ist inzwischen froh, dass die Angelegenheit beendet ist. Ihre große Liebe hat die 71-Jährige immer noch nicht gefunden. Aber sie geht regelmäßig mit ihren Freundinnen aus: „Das ist auch sehr schön.“

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