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Die Kapelle der Ulmer Höh’ in Düsseldorf soll ein Mahnmal werden

Stadtplanung : Die Kapelle der Ulmer Höh’ soll ein Mahnmal werden

Horst Wackerbarth hofft, nach Ausschreibung und Bieterverfahren die Kirche der JVA in Derendorf mit seinem Verein kaufen zu können.

Horst Wackerbarth ist aus Afrika zurückgekehrt, wo er mit dem roten Sofa im Gepäck fünf Länder besuchte und über hundert Menschen abgelichtet und interviewt hat. Nun steht die Kapelle der Ulmer Höh‘ im Fokus. Seit 2012, als der Knast frei wurde, möchte er die Immobilie mit seinem Kunstverein Ulmer Höh‘ kaufen. Die Ausschreibung läuft bis Ende September. Dann kommt das Bieterverwahren. Wackerbarth ist hoffnungsvoll, den Zuschlag mit der Gruppe „Leben Kunst Ulmer Höh‘“ zu bekommen. Sein Ziel ist es, aus der Kapelle ein Mahnmal und einen Treffpunkt für alle Bürger zu machen.

Die Projektgesellschaft Ulmenstraße, ein Joint Venture aus Interboden und Hamburg Team, kaufte vor einem Jahr vom BLB, der Immobilientochter des Landes, das ehemalige JVA-Gelände in Derendorf mitsamt Kapelle. Sie muss die Kapelle jedoch weiterverkaufen, nicht etwa meistbietend, sondern unter Marktwert, und zwar an den Bieter mit dem besten Konzept. Darüber entscheidet sie nicht allein, sondern zusammen mit dem Landesministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung. Wackerbarth ist zuversichtlich, dass er sich schon bald mit seinem Verein als Sieger feiern kann.

Im WZ-Gespräch sprudelt es geradezu aus ihm heraus: „Die Kirche wird zum Gedenkort. Schon im Mittelalter standen hier die Galgen. Das war immer ein Exekutionsort. Das Gefängnis von 1893 ist deutsche Geschichte pur. Nach den jeweiligen politischen Verhältnissen wurden Menschen inhaftiert, gefoltert und hingerichtet. Der Massenmörder Peter Kürten hatte seinen Prozess in der Kirche, die Gestapo folterte Schwule, Juden, Roma, Sinti, Kommunisten, Gewerkschaftler und Christen. Hier fand der Majdanek-Prozess statt, saßen die führenden Köpfe der RAF und die Geiselnehmer von Gladbeck ein. Dieses Gebäude muss eine baukulturelle Würde erhalten.“

Ein Haus für bedürftige Künstler, Eigentümer und Idealisten

Zehn Jahre lang darf die Kapelle keinen Profit abwerfen. Wackerbarth denkt an eine multifunktional nutzbare Kirche und in den unteren Etagen an Neues Wohnen. Er rechnet vor: „Das Projekt kostet sechs Millionen Euro. Für drei Millionen planen wir auf den ersten drei Etagen Wohnungen. Ein Teil der Fläche ist für kleinere Sozialwohnungen gedacht. Hier sollen bedürftige Leute, vorzugsweise bedürftige Künstler einziehen. Fünf Wohnungen werden als Eigentum verkauft. Der Käufer muss dort allerdings selbst wohnen, so dass Spekulanten ausgeschlossen sind. Der eigentliche Kirchenraum in der vierten Etage wird öffentlicher Raum. Dafür sind circa drei Millionen Euro notwendig. Ich habe Partner, die diese Summe langfristig einzahlen und so dem Verein unter kulanten Bedingungen helfen.“

Für Wackerbarth ist es ein Pilotprojekt, und für das Bauministerium auch. Sofern der Kunstverein Ulmer Höh‘ den Zuschlag bekommt, wird die Kirche auf 500 Quadratmetern für lokale Bürgerveranstaltungen, für Feiern, regionale und globale Kunst und Kultur geöffnet. Wackerbarth erklärt: „Wir bieten Dienstleistungen und Service im Norden Düsseldorfs an. Wir funktionieren die Kirche in einen Gemeinschaftstrakt um, wo menschliche Begegnungen stattfinden. Dafür verlangen wir nur ein Kaffeegeld und die Reinigungskosten.“

Der Verein denkt an Ausstellungen, Lesungen, Performances, Theater und Musik, aber auch an Vorträge zur Geschichte, Gegenwart und Zukunft. Dazu gehören nach Wackerbarths Worten „die Geschichte, die Zukunft, das Alter Ego, die biochemische Revolution und natürlich auch Avatare und künstliche Intelligenz. Es passiert viel mit der Menschheit, aber unser Weltbild ist humanistisch geprägt. Und das soll auch so bleiben.“

25 Prozent der Kirche können profitabel vermietet werden

Um Geld in die Kasse zu bekommen, soll der Kirchenraum zu 25 Prozent auch vermietet werden. Professionelle Veranstaltungen sorgen dafür, dass keine Verluste entstehen. Beratend tätig sind erfahrene Kulturmanager. Eingeplant sind aber auch Zuschüsse durch die Städtebauförderung für die Sanierung und durch Stadt und Land für den laufenden Betrieb. Wackerbarth hofft: „Wir sind fünf Minuten vor dem Ziel. Sofern wir im Oktober oder November den Zuschlag erhalten, könnten wir das Grundstück kaufen, 2020 mit dem Umbau beginnen und 2021 einziehen.“