Die Jazz Rally als Entdeckungsreise

Die Jazz Rally als Entdeckungsreise

Wegen der Pfingstferien kamen etwas weniger Besucher als im Vorjahr zum Festival in der Düsseldorfer Innenstadt. Das Wochenende zum Nachlesen gibt es in unserem Liveticker.

Düsseldorf. Wenn die Destination Düsseldorf Ausschau nach neuen Sponsoren für ihre „Schauinsland Reisen Jazz Rally“ hält, sollte sie es vielleicht mal mit einem Sportschuh-Hersteller versuchen. Denn wer an drei Tagen alle Höhepunkte des Festivals erleben wollte, musste etliche Kilometer zurücklegen. Zumal mit der neuen Bühne am Martin-Luther-Platz noch ein weiterer Spielort dazu kam, auf dem die Jazz-Fans tolle Bands sehen konnten. Trotzdem waren wegen der Pfingstferien etwas weniger Zuschauer als in den vergangenen Jahren unterwegs. 250 000 Besucher nannte Boris Neisser, Geschäftsführer des Veranstalters, und zeigte sich trotzdem hochzufrieden: „Das war an allen drei Tagen eine tolle Festival-Atmosphäre.“

Das lag nicht zuletzt am grandiosen Wetter. „Wir haben den Sonnenschein mitgebracht“, erklärten die Supremes am Samstagabend auf der Hauptbühne und machten damit klar, wem das zu verdanken war. Die drei Damen, von denen zwei noch mit Diana Ross um die Welt getourt sind, starteten mit Anlaufschwierigkeiten, bis sie das Publikum im Griff hatten. Aber zum Finale mit einer Maxi-Version von „Stop! In the name of love“ bebte das Zelt. Sängerin Joyce Vincent verausgabte sich dabei so, dass die Zugabe ausfiel. Bis um ein 1 Uhr nachts waren die drei Damen, die alle schon über 70 sind, aber wieder so fit, dass sie bei der Session im Breidenbacher Hof „Happy“ singen konnten. Tatsächlich waren die Supremes so glücklich, dass sie im nächsten Jahr wieder zur Rally kommen möchten.

Aber es gab nicht nur die Stars wie Supremes oder Candy Dulfer und Klaus Doldinger zu sehen. Bei dem Festival kann jeder auf Entdeckungsreise gehen. Das Derendorfer Salonorchester oder Slik Tiger, zwei Bands mit Studenten der Musikhochschule, lieferten Top-Konzerte ab und brauchen sich vor der Konkurrenz nicht zu verstecken. Die achtköpfige Truppe Wanabulé, die Gewinner des Sparda Jazz Awards, legte eine so überzeugende Leistung hin, dass es einen 500-Euro-Zuschuss der Destination für die CD-Produktion gab. Und wer den Namen Pimpy Panda noch nie gehört hat, sollte sich ihn merken. Das war Party-Soul vom Feinsten. Die Band hat jede Menge neue Fans auf der Rally gewonnen.

Exoten gab es auch: zum Beispiel das Rheinbahnorchester, das vor dem Carsch-Haus seinen Glenn-Miller-Sound präsentierte. Für Rheinbahner im Takt gab es jede Menge Applaus. Echopreisträger Martell Beigang brachte mit seinem Jazz-Rock-Trio die Carmina Burana in der Johanneskirche auf die Bühne. Da fehlte nichts.

Schade war, dass es bei vielen Konzerten keine Ansage gab. Wenn mit Christoph Spendel im Palais Wittgenstein eine international bekannte Größe auf der Bühne steht, hätte man dies den Zuschauern durchaus nahebringen können. Auch Sängerin Kareyce Botso aus Kamerun hätte sich sicher sehr gefreut, wenn ihr Konzert ein bisschen liebevoller präsentiert worden wäre.

Wen solche Misstöne störten, der konnte sich am Uerige unters Volk mischen. Da gab es drei Tage lang Jazz zum Bier. Wer auf der Bühne stand, war ziemlich egal. Sehen konnte man die Bands bei dem Gedränge ohnehin kaum. Die andere Art der Harmonie.

Das Wochenende der Jazz Rally zum Nachlesen gibt es in unserem Liveticker.

Mehr von Westdeutsche Zeitung