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Die Hochstapler von Düsseldorf

Die Hochstapler von Düsseldorf

Sie sind intelligent und redegewandt, halten alle zum Narren und ergaunern so tausende Euro.

Düsseldorf. Der Bäckergeselle als Investment-Banker, der Realschüler der sich eine Chirurgenstelle erschwindelte oder der ehemalige Henkel-PR-Chef Kai von Bargen, der in Millionenbetrügereien verwickelt sein soll - Hochstapler verstehen etwas davon, wichtiger aufzutreten, als sie eigentlich sind und so Menschen an der Nase herumzuführen. Sie beflügeln die Phantasie von Literaten und Filmemachern wie Dieter Wedel, dessen TV-Zweiteiler "Gier" das Hochstapeln zum Thema hat und der im Januar in der ARD zu sehen sein wird. Solche Gauner beschäftigen aber auch die Gerichte, wenn sie betrügen oder Urkunden fälschen.

Wenzel Strapinski, Hochstapler in der Novelle "Kleider machen Leute"

Das Elend, das sie anrichten, ist zuweilen groß, sagt Dirk Kruse (58), seit 30 Jahren Richter am Amtsgericht Düsseldorf. Er berichtet von einer Rentnerin, die ein Heiratssschwindler um ihr Vermögen, 200 000 Euro, gebracht hat. "Oftmals erleben wir Richter, dass mutmaßliche Betrüger sich vor Gericht gut verkaufen. Sie sind intelligent und redegewandt", erklärt Kruse. Mitunter gelinge es ihnen, trotz erdrückender Beweise, beim Richter kurzzeitig Zweifel an ihrer Schuld zu wecken.

"Einmal Hochstapler, immer Hochstapler - das trifft auf viele zu", sagt Kruse. Mancher ist Dauergast vor Gericht, wie der 38-jährigen Rübenbauer aus Willich, der Ende 2007 die Düsseldorfer Finanzwelt monatelang narrte, während er unter Bewährung stand. Er hatte zwei Bankangestellten haarsträubende Lügen aufgetischt: Er sei der Erbe des Spreewaldgurken-Imperiums, er besitze Einfamilienhäuser in besten Lagen und er suche Verwalter für sein Millionen-Vermögen. Der Schwindel flog auf, als er versuchte, bei der Deutschen Bundesbank an der Berliner Allee eine Überweisung von 325 Millionen Euro zu tätigen. Statt Millionen-Segen gab es wegen versuchten Betrugs zweieinhalb Jahre Haft.

Nicht jeder Kriminelle eignet sich zum Hochstapler. Wie Thomas Manns "Felix Krull" muss er seine Mitmenschen becircen können. "Er braucht ein gewinnendes Auftreten. Das fängt beim Outfit an, reicht über gute Manieren bis zu einer großen Portion Charme. Denn im Gegensatz zum Einbrecher muss der Hochstapler selten körperliche Arbeit verrichten", erklärt Kruse. Stattdessen bauen die Schwindler Lügengebilde um sich herum, legen sich Adels- oder Doktortitel zu. So wickelte ein gelernter Frisör als angeblicher Alexander Graf von Hardenberg die Frauen reihenweise um den kleinen Finger - bis er eine Frau vergewaltigte.

Ein anderer notorischer Heiratsschwindler hatte es bis in eine Adelsfamilie geschafft. Das angeheiratete Blaublut gab sich indess munter als CIA-Agent, Arzt oder Kriminalbeamter aus, um Frauen um die 60 auszunehmen wie Weihnachtsgänse.

Viele Hochstapler verstricken sich in ihren Lügengeschichten, können kaum noch zwischen eigener und angenommener Identität unterscheiden. Nicht alle sind kriminell, manche sind einfach nur labil. Wie der 17-Jährigem, der sich mit roter Mütze und sicherem Auftreten als Schaffner ausgab und Fahrkarten entwertete.