„Spice Girls“: Die Gewürzhaus-Damen ziehen um

„Spice Girls“: Die Gewürzhaus-Damen ziehen um

Die „Spice Girls“ hören nach 54 Jahren im kultigen Mini-Laden auf. Am 16. Januar eröffnen Mutter und Tochter Seegers an der Kapuzinergasse.

Düsseldorf. Wenn man das Gewürzhaus in der Düsseldorfer Altstadt besucht, hat man das Gefühl, der gerade mal 16 Quadratmeter kleine Laden sei niemals leer. Drei bis vier Kunden finden auf der einen Seite der Theke Platz, während auf der anderen Marie-Luise Seegers und ihre Tochter Kerstin-Miriam die vom Kunden gewünschten Gewürze zusammensuchen, als würden sie einen Zaubertrank brauen. Draußen vor dem Geschäft bildet sich öfter eine Schlange mit Kunden — und Passanten fragen neugierig: „Was gibt’s denn hier?“

Wenn es um Gewürze geht, dann lässt der urige Laden keinen Wunsch unerfüllt. Deshalb kommen viele Kunden seit Jahrzehnten hierher, um Koriander, Oregano, Zimt, Salze, Pfeffer oder Rosmarin zu kaufen. Und natürlich den berühmten Mostert, der frisch aus dem Keramiktopf abgefüllt wird.

Seit 1726 wird der Senf nun schon hergestellt. Sogar van Gogh hat ihn auf einem Bild verewigt. Vielen Kunden des Gewürzhauses kommt kein anderer Senf auf den Tisch. Auch bei Reisenden ist er äußerst beliebt, denn die Kunden der Seegers kommen aus aller Welt: „Unsere Kräuter und unser Mostert landen überall in der Welt. Wir haben sogar viele Kunden aus Neuseeland, die hier vor ihrer Abreise ihre Vorräte kaufen“, sagt Marie-Luise Seegers.

Die 75-Jährige betreibt das Geschäft inzwischen seit 54 Jahren. Nach über einem halben Jahrhundert geht in der Mertensgasse nun eine Ära zu Ende, denn ab dem 16. Januar findet man das Mutter-Tochter-Gespann in der Kapuzinergasse. Dort haben die beiden nach langer Suche ein kleines Ladengeschäft gefunden, das sich dem Traditionshaus würdig erweist.

„Wir wollten schon vor einer Weile umziehen, aber wir mussten zunächst ein Geschäft finden, das unseren Vorstellungen entspricht: Es sollte alten Charme haben, klein sein und nicht allzu weit weg“, sagt Seegers. Sie erklärt, warum es Zeit für eine Veränderung ist: „Uns reicht es hier einfach. Über die Jahre hat sich viel verändert. Wir wollten natürlich nicht aufhören, deshalb haben wir uns für den Umzug entschieden.“

Die Altstadt, so Seegers, habe sich nicht unbedingt nur zum positiven gewandelt: „Früher hat die Altstadt sehr viel Charme ausgestrahlt, alles war sehr bodenständig und nicht so kommerziell wie heute.“ Während vor 30 Jahren noch zahlreiche kleine Geschäfte und Familienbetriebe die Gassen schmückten, sind es heute vor allem Boutiquen, Kioske, Restaurants und Bars. Letztere haben den Seegers in den vergangenen Jahren oft das Leben schwer gemacht: „Die Altstadt hat sich nun mal zu einer Partymeile entwickelt. Heute sind wir umgeben von Gastronomie. Dadurch hat sich auch das Publikum geändert.“

Besonders die vielen Junggesellenabschiede hätten das Niveau immer mehr nach unten gedrückt. „Wenn die Leute betrunken aus den Bars kommen und die Kontrolle verlieren, sich prügeln oder pöbeln, dann finde ich das mehr als unangebracht.“

Auch wenn es in den vergangenen Jahren immer öfter zu gefährlichen Situationen gekommen ist, Angst haben die beiden Frauen dennoch nicht: „Wenn jemand Ärger macht, können wir uns durchaus verteidigen“, sagt Marie-Luise Seegers und zeigt auf einen langen Stab, an dessen Ende ein spitzer Haken sitzt. Bisher habe es niemand mit ihnen aufnehmen können.

Dass viele kleine Geschäften, die man früher in den Gassen der Altstadt fand, heute durch Kioske und Kneipen ersetzt wurden, findet die Geschäftsinhaberin bedauerlich: „Wir haben viele kommen und gehen sehen. Leider ist es gerade für kleine Ladengeschäfte immer schwerer geworden.“ Die Konkurrenz sei immer größer geworden und die Passanten habe es irgendwann mehr in die Boutiquen und Ladenketten gezogen, als zu den Düsseldorfer Originalen.

Deshalb war es den beiden wichtig, dass ihr neues Geschäft nicht einer Boutique gleicht. Ein Großteil der Einrichtung wird daher bestehen bleiben. Das neue Geschäft, das nur etwa 100 Meter vom alten entfernt ist, bietet für Mutter und Tochter einen entscheidenden Vorteil: Künftig sind sie nicht mehr von Gastronomie umgeben. So wird es für die beiden und ihre Kunden von nun an vor allen Dingen ruhiger.

Nun freuen sich die beiden auf den Umzug und das nächste Jahr, denn ans Aufhören denkt keine von ihnen: „Es macht immer noch viel Spaß, sonst würden wir das nicht mehr machen. Durch unsere vielen unterschiedlichen Kunden kommen wir jeden Tag mit tollen Menschen in Kontakt.“ Tatsächlich sorgt die lockere Art der beiden bei ihren Kunden stets für gute Laune. Für Marie-Luise Seegers ist die Arbeit mit ihrer Tochter auch nach vielen Jahren noch genauso harmonisch wie am ersten Tag.