Die Firmen müssen viel stärker um den Nachwuchs kämpfen

Die Firmen müssen viel stärker um den Nachwuchs kämpfen

Rund 2700 Ausbildungsstellen sind noch offen. Doch 1800 Jugendliche zögern – weil sie nicht die erstbeste Stelle annehmen wollen.

Düsseldorf. Auszubildende sind in der Region (Stadt Düsseldorf mit Teilen des Kreises Mettmann) gefragter denn je. Auf 150Lehrstellen kommen gerade mal 100 Bewerber. Die absolute Zahl: 1800 suchenden Jugendlichen stehen 2700 offene Ausbildungsstellen gegenüber. Viele junge Menschen zögern. Sie pokern um die besten Plätze. Oder ihnen steckt noch die Angst nach der Wirtschaftskrise in den Knochen, vermuten Arbeitsmarktexperten.

Der "Luxus" der potenziellen Anwärter, bei der Wahl des Platzes zur Berufsausbildung zocken zu können, ist zurzeit ein Dilemma der Firmen. "Wir hatten am Freitag eine überraschende Absage einer jungen Dame, die im September bei uns anfangen wollte. Sie hat wohl etwas Besseres gefunden, womöglich bei einem bekannteren Unternehmen", erklärt Yvonne Boeckstegers, Personalleiterin bei Compass Transport System nahe des Domes in Rath.

Der Zeitpunkt des Absprungs sei ungewöhnlich für das Unternehmen. Normalerweise habe der Betrieb Ende Mai den Nachwuchs für den beliebten Job des Kaufmanns für Spedition und Logistik unter Dach und Fach. Jetzt ist es anderthalb Monate später - und die Zeit wird wegen der anstehenden Ferien knapp: "Wenn wir bis zum 31. August keinen qualifizierten Bewerber gefunden haben, werden wir die Stelle streichen."

Zwar hätten sich 300 junge Frauen und Männer auf die Lehrstelle beworben, doch seien sogar bei Gymnasiasten die notwendigen Basis-Kenntnisse Mangelware. "Es ist nicht so einfach, qualifizierte Abiturienten zu finden", sagt Boeckstegers, die große Mängel bei den Englischkenntnissen, Mathe und Deutsch ausgemacht habe.

Das bestätigt Petra Alfes, Personalleiterin im Van der Falk Airporthotel. Dennoch habe das neue Haus an der A44 alle neun Auszubildenden im Hotel- und Restaurantbereich sowie in der Küche für das kommende Lehrjahr gefunden - nicht aber, ohne sich kräftig vorher nach ihnen gestreckt zu haben. "Wir haben festgestellt, dass wir in Düsseldorf um Auszubildende werben müssen." Dies sei mit einer stärkeren Präsentation des Hotels, Angeboten zu einem Praktikum sowie dem Besuch in einem niederländischen Hotel geschehen.

"Das wird der Trend von morgen sein", erklärt Peter Wege, Sprecher der Düsseldorfer Arbeitsagentur. "Die Unternehmen konkurrieren immer stärker um qualifizierte Auszubildende." Größere Firmen hätten dies erkannt, auch mittleren empfiehlt er deshalb Schulpatenschaften und Schülerpraktika, um näher am Nachwuchs dran zu sein.

Negative Folgen für Firmen bei der Besetzung ihrer Lehrstellen hat auch noch die Finanzkrise, sagt Wege. "Aber die Krise haben wir ja nicht mehr." Doch viele junge Menschen, die einen Beruf erlernen wollten, drückten aus Angst weiter die Schulbank (siehe Kasten). Aber Wege warnt: Der Düsseldorfer Ausbildungsmarkt mit 200 verschiedenen Berufsfeldern sei beliebt bei Auswärtigen. Einer von drei Lehrlingen werde schon "importiert".

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