Die etwas anderen Eiscracks

Die etwas anderen Eiscracks

Der Curling Club Düsseldorf feiert sein 50-jähriges Bestehen und gewinnt das Jubiläumsturnier.

Düsseldorf. Im Stadion an der Brehmstraße wird es wieder laut. „Wischen“, brüllt der ältere Herr sein mit Schrubbern bewaffnetes Team an. Und die beiden jungen Männer putzen den Boden, als ob es um ihr Leben ginge. Ganz so schlimm ist es nicht, beim Curling geht es nur um Punkte. Eissport in Düsseldorf, das ist eben nicht nur Eishockey, das ist auch Curling. Dass es diesen Sport hier schon seit Jahrzehnten gibt, wissen die wenigsten.

Der Curling Club Düsseldorf (CCD) hat am Wochenende seinen fünfzigsten Geburtstag standesgemäß mit einem internationalen Turnier gefeiert. Teams aus den Niederlanden und aus Schottland gaben sich die Ehre, die weiteste Anreise hatte die Frauenmannschaft Neva Moskva aus der russischen Hauptstadt.

Curling, das hieß doch früher Eisstockschießen, denkt der interessierte Laie vielleicht und begeht damit gleich den ersten Kardinalfehler. „Eisstockschießen, das machen Bayern auf zugefrorenen Seen. Davon habe ich keine Ahnung“, sagt Felix Laumen vom CCD. Sein Sport habe damit nichts zu tun, weist er jede Verwandtschaft zurück. Was für Außenstehende aussieht, als würden die Teams sich heiße Teekessel über das Eis hin und herschieben, ist in Wirklichkeit eine von Taktik geprägte Präzisionssportart.

„Schach auf dem Eis“ nennt Felix Laumen seinen Sport. Ziel ist es, möglichst viele eigene Steine im über 40 Meter entfernten Ziel unterzubringen. Damit die so weit wie nötig und so exakt wie möglich über das Eis gleiten, müssen die Wischer alles geben. „Das Fegen ist extrem anstrengend“, sagt Carsten Neumann, „man ist sofort im anaeroben Bereich. Im Fernsehen sehe Curling so einfach aus, aber „es ist extrem anspruchsvoll“.

Vor dreißig Jahren hat Richard Dörrenberg durch einen Artikel in der WZ vom CCD erfahren, heute ist er Präsident des Vereins. „Früher wurde Curling immer in eine Schublade mit Golf gesteckt. Das ist heute nicht mehr so“, sagt er und freut sich über den Wandel zum Breitensport. Die Entwicklung seines Vereins freut ihn noch mehr, denn Curling ist kein Altherrensport mehr. „Uns ist es gelungen, den Nachwuchs an Bord zu holen“, sagt sich Dörrenberg. Der jüngste Neuzugang des Vereins ist 13 Jahre alt. Und den Turniersieg durfte Richard Dörrenberg gestern auch noch bejubeln.