Düsseldorf Die ersten Schützen ohne Uniform

Schon 25 Mitglieder hat das vor sechs Wochen gegründete Corps à la Suite, die sich für den Verein engagieren.

Düsseldorf: Die ersten Schützen ohne Uniform
Foto: M. Zanin

Düsseldorf. Der Heerdter Schützenverein hat nicht nur einen neuen, jungen Vorstand, sondern auch jede Menge neuer Ideen. Das wurde beim Fest auf dem Simon-Gatzweiler-Platz und bei der Parade am Rhein deutlich. Erstmals reihten sich nämlich unter die Uniformierten auch Zivilisten, an denen Schützenchef Andreas Bahners und sein Team vorüberzog. Corps à la Suite nennt sich die neue Gesellschaft. Der Name kommt aus dem Militär, wo er Mitglieder bezeichnet, die keine dienstlichen Aufgaben haben. Die Idee ist so zündend, dass innerhalb der vergangenen sechs Wochen 25 Männer und Frauen gewonnen wurden, die den Beitrag von jeweils 7,50 Euro im Monat zahlen.

Julia Stetter ist eine dieser Neulinge. „Kein Mitglied meiner Familie gehört den Schützen an, aber ich bin bei den Schützen groß geworden und habe ihre Feste begleitet“, sagt sie. Was sie dazu bewogen hat, Mitglied zu werden, sei der gesellschaftliche Zusammenhalt. Das sei heute besonders wichtig.

Nun ist das Heerdter Regiment mit 400 Mitgliedern auch ohne die Neuen bestens aufgestellt. Dennoch wollte Schützenchef Bahners auf Nummer sicher gehen, wenn er sagt: „Wir möchten das Brauchtum stärken und unterstützen. Das können wir nur, wenn wir nicht unter uns bleiben, sondern die Bevölkerung mit einbeziehen.“

Das neue Corps hat weniger Pflichten als die übrigen Mitglieder. Es marschiert nicht mit im Zug, denn das Zeremoniell gehört nicht zu seinen Aufgaben. Aber das soziale Engagement schweißt die Mitglieder zusammen. Von den 90 Euro Jahresmitgliedschaft werden 90 Prozent für soziale Zwecke abgezweigt. Das Corps kann Vorschläge machen, wohin das Geld fließt. Dass es dabei auch den Gefängnispfarrer unterstützt, dürfte selbstverständlich sein, denn er gehört zum Verein.

Nun sollen die Neulinge nicht ganz ohne die sonst übliche Routine zusammenfinden, deshalb gibt es eine Managerin. Das ist Maren Gläser, Ehefrau des zweiten Vorsitzenden Lothar Gläser und Rittmeisterin des Amazonencorps. Auch Freddy Kadagies von der Gesellschaft Wildschütz steht zur Seite.

Nun fragt sich natürlich, ob die Heerdter Schützen möglicherweise eines Tages ganz ohne einheitliches Habit auskommen. Hier aber springt Schützenchef Bahners ein und betont: „Die Uniform ist total toll. Wir wollen nicht am Ende mehr Zivilisten als Uniformierte haben. Schwerpunkt sind die Uniformierten. Das Corps à la Suite setzt sich aus Menschen zusammen, die dem Corps zugeneigt sind. Sie sollen in Ruhe überlegen, ob sie sich binden wollen und welche Kompanie sie wählen.“

Der Trend zu einem engeren Kontakt zu dem, was Bahners die Zivilisten nennt, wird jedoch bleiben. Schon vor einigen Wochen gab es ein Hoffest, um mit der Heerdter Bevölkerung ins Gespräch zu kommen. Auf dem Schützenplatz standen Foodtrucks, um auch mit dem Essen die Außenstehenden auf den Festplatz zu locken. Und am Montag gibt es statt eines Biwaks auf dem Nikolaus-Knopp-Platz ein Spiel ohne Grenzen auf dem Simon-Gatzweiler-Platz nach dem Vorbild aus der Fernseh-Serie.

Dieser Verein lässt nichts anbrennen, selbst beim Königsschuss nicht. Jörg Bessert (56) stand nach sieben Minuten fest, als die Platte fiel, schließlich feiert seine Gesellschaft Alte Freunde das 90-Jährige. Bessert war schon mehrfach Kompaniekönig.

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