Die ehrenamtlichen Helfer in der JVA Düsseldorf

Gefängnis : Die Stammgäste der Gefangenen

Helfen, zuhören, da sein — seit 125 Jahren die Aufgaben des katholischen Gefängnisvereins. 

In den Gefängnissen hat sich viel verändert. Zu Dutzenden in kahlen Sälen waren die Insassen früher eingesperrt, heute sitzen sie auf engstem Raum, teils bis zu 23 Stunden allein. Die Aufgaben für den katholischen Gefängnisverein, der jetzt 125 Jahre alt geworden ist, sind jedoch ähnlich geblieben: helfen, da sein, zuhören. Jemand haben, mit dem man reden kann, das wünschen sich Inhaftierte damals wie heute, wenn die Ehrenamtlichen zu Besuch kommen. Ein Gefühl von Alltag mitbringen, den Kontakt zur Außenwelt herstellen, Ansprechpartner sein: Mit diesem Ziel gehen derzeit rund 60 Männer und Frauen in ihrer Freizeit ins Gefängnis.

850 Männer sind in der JVA Düsseldorf inhaftiert, sie dürfen maximal für zwei Stunden pro Monat Besuch empfangen. Der Verein bietet eine Ergänzung, die Mitarbeiter können öfter vor Ort sein. Jeder Ehrenamtliche wird einem, einige wenige werden zwei oder drei Gefangenen zugeteilt. Sie begleiten sie während der Haft, manchmal aber auch Jahre darüber hinaus. Ein- bis zweimal im Monat kommen sie für ein- bis eineinhalb Stunden zu Besuch in die Justizvollzugsanstalt, in Ausnahmen einmal in der Woche. Das soll dabei helfen, bei der Haftentlassung den Übergang leichter zu bewältigen.

Brigitte Fey als hauptamtliche Mitarbeiterin und Koordinatorin vermittelt die Kontakte, spricht vorab mit den Gefangenen. Die Helfer und die Insassen lernen sich kennen, probieren aus, ob sie gut zurecht kommen. Glaubensfragen oder Religionszugehörigkeiten spielen dabei keine Rolle, wie Vereinsvorsitzender Martin Laufen betont.

Eine wichtige Voraussetzung ist vielmehr die Ausbildung. Wer mitarbeiten möchte, wird auf seine Tätigkeit vorbereitet, sowohl psychologisch als auch in Sicherheitsaspekten. Grund zur Angst hat es für Sabrina Küpper bislang jedoch noch nie gegeben. „Die Menschen sind so froh, jemand zu haben, der zuhört“, sagt sie. Sie hat bereits mehrere Insassen begleitet, vor kurzem einen Gefangenen, der nur Spanisch sprach. „Ich war froh, mit meinen Sprachkenntnissen weiterhelfen zu können – und habe mich dabei nebenbei noch selbst verbessert.“ Dirk Meyer haben die Kontakte teils tief bewegt. „Die Gespräche gehen teils sehr tief, manche Menschen zeigen ganz deutlich, was in ihnen vorgeht, welche Trauer in ihnen steckt.“

Die beiden haben ein Team an Fachleuten, Sozialarbeitern und Sozialpädagogen hinter sich, die sich auch um konkrete Fragen wie Wohnungssuche, Finanzierung, Arbeit nach der Haftentlassung kümmern. Für die Inhaftierten gibt es Seelsorger wie Pater Wolfgang Sieffert und Reiner Spiegel und den Katholischen Sozialdienst. Es gibt jede Menge Infomaterial, das „Ulmer Echo“ als Zeitung, die von Gefangenen gestaltet wird, und es gibt eine Beratungsstelle, die auch für Familien und Kinder da ist. Die Aufgabe: Helfen, ein Leben ohne Rückfall in die Kriminalität zu starten. Mehr Infos gibt es im Netz:

Mehr von Westdeutsche Zeitung