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Die Düsseldorfer Tierschützerin Monika Piasetzky über ihre Arbeit

Porträt : Düsseldorfer Tierschützerin: „Ich will keinen Aktionismus, ich will Ergebnisse“

Monika Piasetzky packt an, anstatt zu reden. Neben dem Tierheim gibt es noch weit mehr Projekte, die der Tierschutzverein im Blick hat. Er pflegt Kontakte zu Bauern in der Region, will die Population von Stadttauben regulieren und eine Wildtierstation ins Leben rufen.

Lee kann das hintere Bein nicht belasten. Ein Auto hat sie in ihrer Heimat angefahren, die Verletzung wurde nie richtig behandelt. Seit einem Jahr ist die sechsjährige Mischlingshündin nun schon im Rather Tierheim. Und sie hat einen richtigen Fanclub, der hinter ihr steht. An einen Besitzer konnte sie dennoch bisher nicht vermittelt werden. „Warum bist du wohl immer noch bei uns?“, murmelt Monika Piasetzky und streichelt der kleinen Rumänin über den Kopf. Es sind solche Momente, die der Vorsitzenden des Tierschutzvereins wortwörtlich vor Augen führen, wie wichtig ihr Einsatz ist.

Seit Juli 2012 ist Monika Piasetzky Vorsitzende des Düsseldorfer Tierschutzvereins. „Ich wollte den Tierschutz in die eigene Hand nehmen. Das war mir vorher einfach alles zu wenig. Ich wollte etwas bewegen“, sagt sie. Und das tat sie dann auch. Das Büro sowie die Katzen- und Kleintierhäuser wurden entkernt und umgebaut, Kaninchen und Meerschweinchen bekamen doppelt bis dreimal so viel Platz, das Vogelhaus wurde erweitert. „Ich bin kein Freund von großen Reden. Ich will dann auch machen“, sagt sie. Und so wurde das Personal verdoppelt, ein Team aus Tierpflegern und Tierärzten zusammengestellt. Auch eine Tiertrainerin arbeitet heute regelmäßig mit den Hunden, hilft Mensch und Tier dabei, eine Beziehung aufzubauen. „Wir vermitteln nicht um jeden Preis“, sagt Piasetzky. „Es muss passen. Und wenn es dann doch nicht passt, sollen die Menschen keine Angst haben, uns das zu sagen. Mit uns kann man reden.“

Die Tierschützerin engagierte sich auch für die Stadttauben

Monika Piasetzky liegt es fern, zu belehren oder gar zu missionieren. Sie versteht ihre Aufgabe im Tierschutz ganz nüchtern. „Ich muss nicht jedes Tier lieben, um mich für sein Wohlbefinden verantwortlich zu fühlen“, sagt sie. „Ich respektiere jedes Tier und ich will, dass es ihm gut geht.“ Und so setzt sie sich seit Jahren auch für Stadttauben ein. Indem sie Methoden fand, die Population einzudämmen. Etwa durch den Austausch von Eiern durch Gipseier. Nach dem Bau von acht Taubenschlägen im Stadtgebiet und einem Taubenhaus auf dem Gelände des Tierheims wurden innerhalb von elf Jahren insgesamt 450 000 Eier durch Attrappen ersetzt. „Wir schaffen es nicht, die Population zu verringern, aber wir haben dafür gesorgt, dass sie sich nicht weiter erhöht“, erläutert Piasetzky. Aktuell verfolgt sie mit ihrem Team einen weiteren Ansatz: Die Kastration von männlichen Tauben durch eine speziell dafür ausgebildete Tierärztin. Im Taubenhaus des Tierheims ist die Testphase gestartet. „Wir beobachten genau, wie sich die Tiere verhalten“, betont sie. Acht Vögel seien bereits kastriert worden und allen gehe es gut. „Das ist ein Projekt, das noch Jahre dauern wird“, sagt sie. Und es ist ein Projekt, das zu ihrem Unverständnis die Tierschutzorganisation Peta auf den Plan gerufen hat. Die hält nämlich gar nichts von der Methode, sind der Meinung, dass sie gegen das Tierschutzgesetz verstößt. „Die tun so, als würden wir die Tauben aus der Luft fangen und ohne Betäubung aufschneiden“, ärgert sich Piasetzky.

Ein weiteres Projekt betrifft Wildtiere. Zurzeit laufen die Verhandlungen mit Politikern, dem Veterinäramt, aber auch Tierheimen in der Umgebung, um eine Wildtierstation aufzubauen. „Es gibt in Düsseldorf zum Glück einige engagierte Personen, die sich um verletzte und hilfsbedürftige Wildtiere, Enten, Schwäne kümmern“, sagt Piasetzky. Die Kapazitäten seien allerdings längst erschöpft, der Bedarf viel größer. „Die Damen, die bisher die Pflege übernehmen, sind teilweise über 70. Wir müssen jetzt darüber nachdenken, was passiert, wenn sie sich nicht mehr kümmern können.“

Mit Bauern wurde eine unblutige Ferkelkastration erarbeitet

Monika Piasetzky lebt seit Jahren vegan. Im Auftrag des Tierschutzes besuchte sie zuletzt einen Schlachtbetrieb. „Man muss wissen, wovon man spricht“, sagt sie. Vor allem, wenn man Haltungsbedingungen von Schweinen verbessern wolle. So geht der Düsseldorfer Tierschutzverein auch gegen die Kastration von Ferkeln ohne Betäubung vor. „Als der Bundestag entschied, dass die betäubungslose Kastration von Ferkeln weitergehen darf, stand für mich fest, dass wir Alternativlösungen erarbeiten müssen“, sagt sie. Und sie folgte erneut ihrem Grundsatz: „Ich brauche keinen Aktionismus, ich will Ergebnisse.“ In einem Jahr klapperte der Düsseldorfer Tierschutzverein Bauern- und Schlachthöfe in der Region ab, gewann das Vertrauen der Landwirte und überzeugte sie von einer schmerzlosen Alternative: dem Einsatz des Impfstoffes Improvac, laut Tierschutzverein frei von Hormonen und unbedenklich für den Menschen. Die Arznei bewirkt eine Täuschung des Hormonsystems des Ebers, er verhält sich wie ein Kastrat. Die erste Kontaktaufnahme aber gestaltete sich schwierig. „Als wir die ersten Bauern anriefen und uns am Telefon vorstellten, legten sie auf. Der Bauernverband warnte uns. Man hatte Angst, dass wir uns nachts in die Ställe schleichen. Eine absurde Vorstellung“, sagt Piasetzky und muss bei dem Gedanken daran lachen. Die Tierschützerin ließ jedoch nicht locker. „Es stellte sich heraus, dass die meisten Bauern für eine unblutige Alternative mehr als dankbar waren“, sagt sie.

Mittlerweile nehmen die Bauern den Tierschutzverein nicht mehr als Gegner wahr. „Wir werden sogar zu Fachtagungen eingeladen, unsere Meinung ist gefragt. Auch bei der Frage, wie die Bauern die Bedingungen für ihre Tiere verbessern können“, sagt Piasetzky. „Weil wir den Bauern zuhören und sie nicht anschuldigen.“ 1500 Ferkel konnte der Tierschutzverein dank der Impfung vor der betäubungslosen Kastration bewahren, bei weiteren knapp 6000 Ferkeln wurde die Methode von den Bauern selbst weiterverfolgt. „Wir sind auf einem guten Weg. Und wir bleiben dran.“