Verkehr Ordnungsdienst Düsseldorf: Weniger Temposünder, deutlich mehr Drittanzeigen durch Bürger

Düsseldorf · Der städtische Ordnungsdienst bilanziert 2019: Auch die Zahl der Falschparker ist zurückgegangen. Auch die Temposünder sind weniger geworden.

 Wenn die Feuerwehr nicht durchkommt, werden Knollen verteilt oder Autos abgeschleppt. Immer wieder werden die Straßen von Falschparkern versperrt.

Wenn die Feuerwehr nicht durchkommt, werden Knollen verteilt oder Autos abgeschleppt. Immer wieder werden die Straßen von Falschparkern versperrt.

Foto: Stadt Düsseldorf / Uwe Schaffmeister

Die Zahl ertappter Verkehrssünder hat in Düsseldorf 2019 im Vergleich zum Vorjahr in allen Bereichen leicht abgenommen. 459 178 Falschparker und 233 478 Temposünder wurden im Jahr 2019 ertappt – zum Vergleich: 2018 waren es 478 775 Falschparker und 243 415 Temposünder. So lautet die Bilanz des Ordnungsamtes der Landeshauptstadt.

Fließender Verkehr Geschwindigkeitsüberwachung Insgesamt 233 478 Autofahrer haben im vergangenen Jahr Post von der Stadt erhalten, weil sie im Düsseldorfer Stadtgebiet zu schnell gefahren waren (2018 = Vorjahr: 243 415). Im Rheinufertunnel wurden die meisten Verstöße registriert, nämlich 100 075 (Vorjahr 84 407). Die zulässige Höchstgeschwindigkeit wurde dort im September von 70 auf 60 Stundenkilometer reduziert. Trauriger Spitzenreiter war laut Ordnungsamt ein Autofahrer, der im März mit 150 Stundenkilometern statt der erlaubten 70 Stundenkilometer durch den Tunnel raste.

Die Überwachungsanlage auf der Autobahn 44 wurde nur bis zum 19. März 2019 betrieben, da der Landesbetrieb Straßen NRW anschließend zwischen Ratingen und der Düsseldorfer Messe umfangreiche Bauarbeiten ausführte. Bis dahin waren 9666 Autofahrer zu schnell unterwegs. Die höchste gemessene Geschwindigkeit betrug dort im März 181 Stundenkilometer anstatt der erlaubten 100 Stundenkilometer.

 Im Rheinufer-Tunnel wurden die meisten Autos geblitzt – im September wurde dort auch die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 70 auf 60 Stundenkilometer reduziert.

Im Rheinufer-Tunnel wurden die meisten Autos geblitzt – im September wurde dort auch die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 70 auf 60 Stundenkilometer reduziert.

Foto: dpa/Carsten Rehder

An den zehn sonstigen stationären Überwachungsanlagen im Stadtgebiet – inklusive der im Juni in Betrieb genommenen Überwachungsanlage am Nordstern – waren 48 231 Verkehrsteilnehmer zu schnell unterwegs (2018: 60 994). Der Rückgang der Fallzahlen ist ein Erfolg für die Unfallvermeidung gerade an relativ neuen Standorten, denn er ist hauptsächlich darauf zurückzuführen, dass an den Überwachungsanlagen der Kreuzung Grashofstraße/Münsterstraße („Mörsenbroicher Ei“) die Geschwindigkeitsüberschreitungen um 27 Prozent, an der Kreuzung Münchener Straße/Itterstraße sogar um 45 Prozent, zurückgegangen sind.

Die Einhaltung der Tempolimits wird außerdem mit mobilen Messgeräten kontrolliert. An mehr als 700 möglichen Standorten in der Stadt geht es vor allem um den Schutz von Schulwegen, die Sicherheit vor Senioreneinrichtungen und Krankenhäusern oder allgemein um Unfallhäufungsstellen. Dabei wurden 2019 insgesamt 75 506 Verkehrssünder ertappt, die zu schnell unterwegs waren (Vorjahr: 50 172). In die Zahlen fließen nun auch erstmals die Fälle mit ein, die mit dem Geschwindigkeitsüberwachungsanhänger erfasst wurden. Dieser Anhänger schließt die Lücke zwischen mobilen Kontrollen mittels Radarwagen und stationären Überwachungsanlagen. Er misst an wechselnden Standorten jeweils mehrere Tage rund um die Uhr. Diese Messtechnik stößt auch bei Anwohnern und Bezirksvertretern auf ein positives Echo. Schon jetzt gibt es diverse Vormerkungen von Gefahrenstellen, an denen der Anhänger eingesetzt werden soll.

Rotlichtüberwachung Wegen Missachtens einer roten Ampel wurden im vergangenen Jahr 9125 Bußgeldverfahren eingeleitet (Vorjahreswert nicht verfügbar). Die meisten Verstöße wurden am „Nordstern“ festgestellt, wo 7540 Autofahrer das Rotlicht missachteten.

Ruhender Verkehr Im Jahr 2019 wurden vom Ordnungsamt insgesamt 459 178 Halt- und Parkverstöße mit Verwarn- oder Bußgeldern geahndet (2018: 478 775). Der Löwenanteil der Fälle entfiel auch 2019 auf Verstöße gegen die Regelungen für die Benutzung legaler Parkplätze, wie zum Beispiel Höchstparkdauern oder Parkscheinpflichten. Dort setzten sich 185 386 (2018: 205 591) Menschen über Vorschriften hinweg und bildeten damit einen typischen „Anlass“ dafür, dass sich nachfolgende Verkehrsteilnehmer auf Geh- und Radwegen illegale Parkplätze suchten (73 164 Fälle, 2018: 72 307). Die Bevorrechtigungen für Menschen mit Behinderungen wurden 6163 Mal missachtet (2018: 6339 Mal).

 Zum ersten Mal tauchen auch E-Scooter in der Bilanz des OSD auf. Vor allem über das Abstellen überall in der Stadt beschwerten sich Bürger.

Zum ersten Mal tauchen auch E-Scooter in der Bilanz des OSD auf. Vor allem über das Abstellen überall in der Stadt beschwerten sich Bürger.

Foto: dpa/Martin Gerten

Der Rückgang gegenüber dem Vorjahr ist wesentlich darauf zurückzuführen, dass aufgrund der Arbeitsmarktlage auch 2019 nicht alle freien Außendienststellen mit Mitarbeitern wiederbesetzt werden konnten. „Mit höchster Priorität wird die personelle Verstärkung unserer Einsatzkräfte verfolgt. Ausschreibungen für die offenen Stellen sind bereits veröffentlicht. Gleichzeitig arbeiten wir daran, den Beruf der Verkehrsüberwachungskraft attraktiver zu gestalten“, erklärt dazu Christian Zaum als zuständiger Beigeordneter.

Radwege Kölner Straße und Friedrichstraße Die neuen Radwege auf der Kölner Straße und Friedrichstraße wurden aufgrund massiver Beschwerden auch 2019 mit viel Personaleinsatz überwacht.

Auf der schon 2018 umgebauten Friedrichstraße zeigte der erhöhte Überwachungsdruck Wirkung, dort konnten die Verwarnzahlen auf dem Radweg auf 276 gesenkt werden (Vorjahr: 404). Auf der erst 2019 zwischen Worringer Platz und Am Wehrhahn umgestalteten Kölner Straße entfielen von den insgesamt 5207 (2018 5875) festgestellten Ordnungswidrigkeiten im ruhenden Verkehr 1026 (2018 684) auf das ordnungswidrige Halten/Parken auf dem Radweg.

E-Scooter Neu im Verkehrsgeschehen des vergangenen Jahres waren die E-Scooter, welche von mehreren Unternehmen zur jederzeitigen Anmietung im Stadtgebiet verteilt wurden. Das Abstellen der Fahrzeuge führte zu vielen Beschwerden, diverse Passanten und Anwohner fühlten sich von herumstehenden oder -liegenden Rollern gestört. Im Zeitraum Juni bis Dezember wurden 348 Verstöße geahndet. Die weitere Entwicklung im laufenden Jahr wird sehr genau verfolgt.

Drittanzeigen Von den gesamten Verfahren wurden 29 683 (6,5 Prozent) auf Anzeigen von Bürgern hin eingeleitet. Der Rekordwert des Vorjahres – 2018 gab es 17 887 sogenannte Dritt-Anzeigen – wurde damit ein weiteres Mal deutlich übertroffen. Hauptärgernis aus Bürgersicht ist das Parken auf Geh- und Radwegen, das 12 209 Mal Anlass zu Drittanzeigen bot. Auf „Platz 2“ folgen bei den Drittanzeigen die absoluten Haltverbote mit 5715 Fällen. Das ordnungswidrige Parken vor Ein- und Ausfahrten wurde 1264 Mal angezeigt. Dazu erklärt Ordnungsdezernent Christian Zaum: „Den gewaltigen Anstieg bei den Drittanzeigen nehmen wir sehr ernst. Diese Informationen aus der Bürgerschaft helfen uns bei der Einsatzplanung unserer Außendienstkräfte.“ Im ruhenden Verkehr wurden 48 Prozent der Verstöße von Fahrzeugenhaltern mit Düsseldorfer Kennzeichen begangen, weitere 6,8 beziehungsweise 6,3 Prozent entfallen auf die Kennzeichen NE und ME.

In 9930 Fällen (2018: 9645) wurden die Kraftfahrzeuge so abgestellt, dass sogar das Abschleppen eingeleitet werden musste. Wie in den Vorjahren waren die Gründe in den meisten Fällen missbräuchlich genutzte Schwerbehindertenparkplätze und die Nichtbeachtung mobiler Haltverbotszonen, wie sie etwa anlässlich von Bauarbeiten, Umzügen oder Veranstaltungen angeordnet werden.

Einnahmen Nach aktuellen Schätzungen wird sich die Gesamtsumme der Geldbußen für 2019 auf rund 15,8 Millionen Euro belaufen (2018: 16,4 Millionen Euro) – noch sind allerdings nicht alle Verfahren abgeschlossen. Dem stehen im Haushaltsplan Ausgaben für Personal und Material in einer Höhe von rund 13,5 Millionen Euro gegenüber. Hintergrund: Außendienste des Ordnungsamtes. Die städtische Verkehrsüberwachung ist mit derzeit 107 Dienstkräften der größere der beiden Außendienste des Ordnungsamtes. Ihr obliegt die Überwachung des ruhenden Straßenverkehrs sowie die Geschwindigkeits- und Rotlichtüberwachung. Die Mitarbeiter gehen ihrer Arbeit zu Fuß, per Fahrrad, Motorroller oder Auto nach. In diesem Jahr wurden elf neue Mitarbeiter eingestellt. Weitere Auswahl- und Einstellungsverfahren finden derzeit statt. Bewerbungen sind weiterhin möglich, weitere Informationen dazu gibt es im Internet unter

Der Ordnungs- und Servicedienst (OSD) als zweiter Außendienst mit weiteren 104 Mitarbeitenden achtet neben dem Bürgerservice auf die Einhaltung sonstiger Vorschriften wie zum Beispiel der Düsseldorfer Straßenordnung, der Sondernutzungssatzung, des Landeshundegesetzes oder des Landesimmissionsschutzgesetzes.