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Die Baumpaten vom Georg-Schulhoff-Platz in Düsseldorf

Stadtgrün : Die Baumpaten vom Bilker Georg-Schulhoff-Platz

Bilk Das Ehepaar Thiel kümmert sich um die jungen Magnolien, die nach Sturm Ela gepflanzt wurden.

Nach den schlimmen Zerstörungen der Bäume durch Pfingststurm Ela im Juni 2014 fühlen sich viele Düsseldorfer dem städtischen Grün enger verbunden. Das trifft auch auf Heike und Thomas Thiel zu. Sie mussten zusehen, wie vor ihrer Haustüre am Georg-Schulhoff-Platz die wenigen Bäume gefällt werden mussten, weil sie nicht mehr standsicher waren. Plötzlich war der Blick vom Balkon und Wohnzimmerfenster aus auf die stark befahrene Kreuzung Volmerswerther Straße/Fähr-/Germaniastraße frei — und trist. Die Stadt ließ in der Folge dort laut Heike Thiel Ginkos pflanzen. Doch deren Wurzeln hatten wohl zu wenig Nährstoffe im Boden, vermutet ihr Ehemann Thomas Thiel. Die Ginkos wurden durch junge Magnolien ersetzt. Und für die Thiels stand fest, dass sie sich fortan um die Pflanzen und ihr Umfeld kümmern wollten.

Sie sind Baumpaten, wie viele Düsseldorfer, die die Straßenbäume gießen und sich um die Baumscheiben kümmern. Und weil Heike Thiel Blüten liebt, pflanzte sie Wildblüten, um den Insekten, die sie vermisste, einen Lebensraum zu geben. Die 56-Jährige mag ihr Ehrenamt. Sie kann dabei entspannen und sagt: „Es ist aber auch kommunikativ.“ Denn seit sie die Aufgabe übernommen hat, wird sie auf dem Platz oft von Nachbarn angesprochen. Manche bringen auch mal Blumen mit auf den Platz, auf dem noch eine schöne dreiarmige alte Gaslaterne steht. Sie ist den Thiels ebenfalls wichtig. „Wir sind stolz, dass sie hier steht und sie muss unbedingt bleiben“, sagt Thomas Thiel.

Die Pflege schreckt wohl vor Vandalismus ab

Der 59-Jährige hilft seiner Frau, insbesondere an heißen Tagen im Sommer. Dann übernimmt er das Gießen der Magnolien schon in den frühen Morgenstunden. Dazu hat er einen langen Gartenschlauch gekauft. Der Anschluss befindet sich auf seinem Balkon, damit nicht andere im Mehrfamilienhaus mit den Wasserkosten belastet werden.

Heike Thiel kümmert sich nach Feierabend und am Wochenende um die Beete auf den Baumscheiben. Seitdem sie diese pflegt, hat sie keinen Vandalismus erlebt. „Es gibt eine Akzeptanz, hier reißt keiner eine Blume raus.“ Fast keiner, einmal sei die Verlockung wohl zu groß gewesen, als die riesigen Sonnenblumen in voller Blüte standen. Auch mit den Hundebesitzern gebe es kaum Probleme. Wenn es schön und sauber ist, gebe es wohl größere Hemmungen den Platz zu verschmutzen.

Dennoch würde Heike Thiel die Baumscheiben gerne einzäunen. Doch das ist laut Gartenamt verboten, wegen der Verletzungs- und Stolpergefahr im öffentlichen Straßenraum. Mit dem für den Bezirk zuständigen Mitarbeiter des Gartenamtes haben die Thiels guten Kontakt. So hilft er, wenn die Pflanzen verblüht sind und beim Reinigen der sechs Baumscheiben Müll anfällt, die Säcke zu entsorgen.

Für das Gesamtbild ihres Platzes hat das Ehepaar noch Wünsche. So gibt es da einen Taxistand, für die Fahrer aber keine Toilette. Das sei bei langen Wartezeiten schlecht. Vielleicht könnte hier die Stadt im Rahmen des Projektes „Nette Toilette“ einen Gastronomen finden, der seine Toilette bereitstellt und dafür eine Aufwandsentschädigung erhält.

Zudem stehen auf dem Platz Wertstoffcontainer. Hier hoffen die Thiels, dass diese unterirdisch platziert werden können. Schließlich hat die Stadt im Rahmen der Kampagne zur Stadtsauberkeit das Ziel, bis zu 30 dieser Unterfluranlagen in den nächsten fünf Jahren einzurichten. Zurzeit wird geprüft, wo das baulich aufgrund der vorhandenen verlegten Leitungen möglich ist.

Das Ehepaar wird sich derweil weiter um die Magnolien kümmern. Wenn die beiden in Urlaub sind, haben sie bislang keine „Vertretung“, da in ihrem Hause fast nur ältere Menschen leben. Die Baumpaten würden sich freuen, wenn mehr Düsseldorfer sich um die Bäume vor der Haustüre kümmern. Es mache Spaß, etwas für die Umwelt zu tun. Und es sei kein großer materieller Aufwand, sagt Thomas Thiel. Aber eben ein gutes Projekt: für die Pflege der Pflanzen genauso wie für die Pflege der guten Nachbarschaft.