Die Anne-Frank-Realschule bewirbt sich um den WZ-Schulpreis

Schulserie : Wie zwei Schulleiterinnen die Anne-Frank-Realschule modernisieren

In unserer Serie stellen wir die Schulen der Stadt vor. Dieses Mal: die Anne-Frank-Realschule. Am Ende des Jahres wählt eine Jury die Träger des WZ-Schulpreises, den WZ und Stadtwerke vergeben.

Uta Bonmann hat es schon genau vor Augen: Über der Glasfront, die das Schulgelände von der Bummelmeile Ackerstraße trennt, soll bald in großen Lettern der Name stehen: Anne-Frank-Realschule. Der gelbe Anstrich links neben dem Eingangstor passe so gar nicht mehr zum modernen Logo der Schule, das mittlerweile in Aubergine, Grau und Schwarz überall auf dem Schulhof und in den Gebäuden wiederzufinden ist. „Das wird auch so schnell wie möglich angegangen“, sagt die Schulleiterin und wirft noch einen kritischen Blick auf den rostigen Briefkasten – ein Überbleibsel aus alten Zeiten.

Seit zwei Jahren weht durch die Realschule ein frischer Wind. Uta Bonmann und Martina Erdl übernahmen die Schulleitung und verständigten sich schnell auf das gemeinsame Ziel, die Schule grundlegend zu modernisieren. Beide kamen neu an die Schule und begriffen sich als Team, das mit dem Blick von außen „einiges an dieser Schule auf die Beine stellen kann“.

„Das Kollegium war sehr offen für unsere Ideen“, sagt Martina Erdl. Und so wurden Logo und Farbkonzept in Eigenregie entworfen, Homepage und Wände dementsprechend designt, neue Wegweiser in und am Gebäude aufgehängt und das Außengelände so umgestaltet, dass den rund 500 Schülern im überschaubaren Hinterhof der Ackerstraße zwischen Tischtennisplatten und Volleyballfeld genügend Platz für Bewegung bleibt. Das Geld dafür sammelte die Schule ebenfalls in Eigenregie, beispielsweise beim Spendenlauf.

Auch inhaltlich galt es, Versäumtes nachzuholen: „In Sachen Digitalisierung gab es großen Nachholbedarf, als wir an die Schule kamen“, erinnert sich Erdl. Also kümmerte sich die Schulleitung um die nötige Ausstattung. Laptops, iPads und Beamer wurden angeschafft. „Seit diesem Jahr haben wir nun auch Wlan“, sagt Uta Bonmann. Um aber auch guten Unterricht machen zu können, mussten in erster Linie die Lehrer angeleitet werden, die Medien sinnvoll einzusetzen. „Es gab Fortbildungen, aber auch ganz viel gegenseitige kollegiale Unterstützung“, lobt die Schulleiterin. Das Fach „Informationstechnische Grundlagen“ ab Klasse 5 und Informatik ab Klasse 7 wurden eingeführt.

Miguel ist in der neunten Klasse und hat die PC-Grundlagen schon drauf. Gerade erstellt er ein Bewerbungsschreiben am PC. „Ich möchte mein Praktikum in einer Tierarztpraxis machen“, sagt er und zeigt auf den Monitor. Das Anschreiben muss heute fertig werden, weil er es spätestens morgen abschicken will. Auch seine Mitschüler sind konzentriert dabei, ihre Unterlagen fertigzustellen. Lehrerin Liz Ketzer ist von dem Engagement ihrer Schüler beeindruckt: „Sie wissen, wofür sie es machen. Sie arbeiten nicht für den Mülleimer, sondern für ihren Praktikumsplatz.“

Lebensnaher Unterricht, das sei das große Plus der Realschule, betont auch die Schulleiterin. Den Schülern nahezubringen, wofür sie das Wissen aus dem Unterricht brauchen, sei ganz entscheidend für ihre Motivation. Permanent werde ein Bezug zur Berufswelt hergestellt. Berufsorientierung ab Klasse 7, Praktika ab Klasse 8, dazu Berufsberatung und Bewerbungstraining, eine Jobrallye mit bis zu 14 eingeladenen Firmen auf dem Schulgelände – all das führe dazu, dass am Ende der Klasse 10 jeder Schüler eine konkrete Vorstellung davon hat, wie es für ihn weitergeht. „Die Realschule ist zudem ein kleines System. Lehrer und Schüler kennen sich“, sagt Bonmann.

Besonderen Wert legt die Realschule auch darauf, dass die Schüler die Geschichte ihrer Namensgeberin kennen. Alle achten Klassen lesen das Tagebuch der Anne Frank, die Schüler der siebten Klassen erhalten in einem Workshop einen tieferen Einblick in Franks Leben. Dazu werden verschiedene Stationen aufgebaut. Auf dem Dachboden der Schule bekommen die Schüler beispielsweise einen Eindruck vom versteckten Leben im Hinterhaus: „Wir sollten uns ganz ruhig verhalten und einen Tisch mit Gläsern eindecken“, erinnert sich Ben. Im Flur können die Schüler noch heute jederzeit ihr Wissen auffrischen: An den Wänden hängen QR-Codes, die die Schüler mit ihren iPads einscannen und damit alle Informationen zu den verschiedenen Themenfeldern abrufen können.

Seit zwei Jahren gibt es an der Anne-Frank-Realschule sogenannte Profilklassen in den Jahrgangsstufen 5 und 6. Grundschüler können entscheiden, ob sie an der Realschule in eine Klasse mit einem naturwissenschaftlichen, einem sprachlichen (Englisch) oder einem künstlerisch-kreativen Schwerpunkt gehen möchten. Die Profilklassen sollen bei einem sanften Übergang von Grund- zu weiterführenden Schule helfen. „Wenn die Schüler nach ihren Interessen und Talenten entscheiden können, gibt es ihnen ein sicheres Gefühl“, erläutert Erdl.

Bei allen Veränderungen an der Schule wollen Uta Bonmann und Martina Erdl unbedingt eines beibehalten. „Es gab immer einen vertrauensvollen und herzlichen Umgang zwischen Schülern und Lehrern“, sagt Erdl. Das sei die Grundlage ohne die Neuerungen gar nicht möglich gewesen wären. Dagegen scheint die Auszeichnung „Digitale Schule 2019“, von der sie erst vor knapp zwei Wochen erfuhren, zweitrangig zu sein. Obwohl sie als Bestätigung der Mühen in den vergangenen zwei Jahren schon sehr gut tue.

Mehr von Westdeutsche Zeitung