Deshalb gibt es keine Marktschwärmerei mehr

Nachhaltigkeit : Aus für den digitalen Bauernmarkt

Zu wenige Kunden und zu wenige verlässliche Erzeuger: Nach zwei Jahren ist das Konzept „Marktschwärmerei“ in Düsseldorf gescheitert.

Wenn Jana Lang an den Abend denkt, wird ihr ganz flau im Magen. „Es wird emotional“, sagt sie und lässt sich ihrer Stimme anmerken, dass die Gedanken an den Abschied ihr schwer zu schaffen machen. Am Mittwoch beerdigt sie ihr Projekt Marktschwärmerei. Schweren Herzens. Denn das Konzept, bei dem Düsseldorfer über eine Online-Plattform regionale Produkte direkt beim Erzeuger bestellen und dann auf dem Markt abholen können, nennt sie „eine absolute Herzensangelegenheit“. „Der Abschied fällt mir deshalb wahnsinnig schwer. Aber ich weiß auch, dass ich alles gegeben habe“, sagt sie.

Ein letztes Mal können sich die Düsseldorfer ihre online bestellten Lebensmittel – frisches Obst und Gemüse, Geflügel und Wein in Bio- und Demeter-Qualität – an der Rather Straße in Derendorf abholen.

Der letzte Abend soll ein Zusammentreffen von Erzeugern und Kunden werden, mit netten Gesprächen über Höfe und Produkte und mit kleinen Verkostungen. Es soll werden, wie es nach dem Konzept der Marktschwärmerei eigentlich jede Woche hätte laufen sollen. Doch genau diese Marktatmosphäre fehlte in den vergangenen Monaten. Die meisten Erzeuger waren nicht selbst vor Ort und übergaben dementsprechend ihre Produkte den Kunden nicht persönlich. „Jede zweite Woche stand ich allein da und habe die Produkte verteilt, die Erzeuger vorher angeliefert haben“, bedauert Lang. Besonders Neukunden hätte das nicht gefallen, sieht das Konzept doch gerade das Händeschütteln von Erzeuger und Kunden vor.

Immer wieder hat Lang die Erzeuger angesprochen und motiviert, vor Ort zu bleiben, andere bat sie, wieder einzusteigen und das Konzept doch noch mal auszuprobieren. Neue potenzielle Höfe versuchte sie zu akquirieren und für die Marktschwärmerei zu gewinnen. „Aber gerade für Bauern und Manufakturen, die nicht direkt aus Düsseldorf kommen, sondern 20 bis 30 Kilometer Fahrt auf sich nehmen, lohnt es sich erst ab 150 Euro Umsatz, bei der Schwärmerei mitzumachen“, sagt die 30-Jährige. Zu oft hätten die Erzeuger diesen Umsatz bei den 20 bis 25 Kunden pro Woche aber nicht erreicht. Hinzu kommt, dass die Bestellabwicklung über das Online-Portal Ressourcen in Form von Zeit und technischen Voraussetzungen erforderte und der Weg zum Wochenmarkt besonders für kleine Höfe und Manufakturen mit gekühlter Ware eine logistische Herausforderung war.

Seit August war der Markt mittwochs zwischen 17.30 und 19 Uhr an der Rather Straße 25 in Derendorf zu finden – die Zeiten waren so gewählt, dass vor allem Berufstätige eine Chance hatten, ihre Produkte zu bekommen. Davor fand der Wochenmarkt auf dem Factory Campus in Lierenfeld statt.

Doch schon der erste Geburtstag im Sommer vergangenen Jahres weckte bei Jana Lang böse Vorahnungen. „Es fühlte sich eher an wie eine Beerdigung“, sagt sie. Lange hatte sie daran zu knabbern, dass zu der lang geplanten Geburtstagsparty kaum Gäste und Kunden kamen. „In den nächsten Wochen wäre der erste Geburtstag in Rath gewesen. Ich wollte nicht schon wieder eine so negative Erfahrung verkraften müssen.“

Und schließlich kam noch ein Faktor dazu, der zur Entscheidung führte, die Schwärmerei aufzugeben: Der größte Obst- und Gemüseerzeuger konnte keine Planungssicherheit mehr geben. „Erst zwei, drei Tage vor der Lebensmittelverteilung war klar, welches frische Obst und Gemüse bestellt werden kann. Das ist den meisten Kunden zu kurzfristig“, sagt Lang. Die 30-Jährige fürchtete, auch aus diesem Grund Kunden zu verlieren.

Schon im März sprach sie davon, dass 25 bis 30 Bestellungen in der Woche für die kalten Wintermonate nur „in Ordnung“ seien. Sie kündigte an, die Zahlen müssten sich erholen, der Aufschwung müsste kommen, damit es sich für die Erzeuger lohne und die Marktschwärmerei in Düsseldorf weiterbestehen könne.

Doch der Negativ-Trend habe sich trotz größter Anstrengungen nicht umgekehrt. „Ich habe immer an das Konzept geglaubt und glaube auch weiter daran“, sagt sie. Und genau deshalb hat sie so viele Stunden ehrenamtliche Arbeit hineingesteckt.

Umsonst sei diese Arbeit nicht gewesen. „Ich habe es in den zwei Jahren viele tolle Erfahrungen gemacht“, sagt sie.

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