Der Zirkus Flic Flac ist überhaupt nichts für schwache Nerven

Zirkus : Der Zirkus Flic Flac ist nichts für schwache Nerven

Die Artisten liefern im Zelt auf den Rheinwiesen eine tolle Show. Doch manche Nummern sind so gefährlich, dass den Zuschauern der Atem stockt.

Denkt man an einen Zirkus, dann hat man normalerweise automatisch den Geruch von Sägespänen und Tieren in der Nase. Doch nicht so beim Zirkus Flic Flac. Hier riecht es eher nach den Abgasen von Motorrädern. Zirkusromantik ist hier Fehlanzeige. Hier traben keine Pferdchen gemütlich durch die Manege. Flic Flac ist größtenteils Action pur, also genau das Richtige für Adrenalinjunkies. Die übliche schöne und beruhigende Begeleitmusik wird hier ersetzt durch knallharte Rockmusik. Da darf es dann auch mal ein Stück von Motörhead (Ace of Spades) sein. Das Einzige was Flic Flac mit einem normalen Zirkus gemeinsam hat, ist, dass im Vorraum Bier, Popcorn und Currywurst verkauft werden. „Punxxx“ heißt das neue Programm, mit dem der Zirkus bis zum 28. April auf den Rheinwiesen gastiert. Und zum 30. Geburtstag hat sich das Unternehmen eine Menge einfallen lassen, um die Zuschauer zu begeistern.

Zu Einstimmung sollten die Besucher lieber auf ihren Sitzen bleiben. Zumindest die, die am Aufgang sitzen. Denn es wird laut und es fliegen Motorräder über den Köpfen der Zuschauer durch die Manege. Das sieht spektakulär aus und ist es auch. Tricks wie Backflip, Shaolin, Superman seat grab, Tsunami oder Rock solid sorgen für viel Applaus. Und die Pulsfrequenz ist in diesem Augenblick nicht nur bei den Artisten erhöht.

Ohne Sicherung turnt Alex Michael an der Zeltkuppel

Zum Entspannen zeigt Jongleur Zdenek Polách, dass man mit ganz vielen großen Bällen gleichzeitig spielen kann. Der 22-Jährige hält sechs Weltrekorde der Jonglage. Er ist Preisträger des Golden Trick of Kobzov und des Israeli International Circus Festivals. Er siegte beim European Youth Festival 2018 in Wiesbaden und gewann Gold in der Altersgruppe 18 bis 25 Jahre.

 Doch schon bald wird es wieder richtig gefährlich. Und manch ein Zuschauer fragt sich, ob es denn wirklich sein muss, dass der Brasilianer Alex Michael seine waghalsige Trapeznummer unter der Zirkuskuppel in luftiger Höhe vorführen muss. Ausgangs- und Endpunkt seiner Darbietung sind zwei schwingende Trapeze, die er miteinander verbindet. Kopfunter läuft er über Schlaufen von einer Seite zur anderen. Dabei hat der Zirkus mit schweren Unfällen bereits leidlich Erfahrung gesammelt. Vor Jahren stürzte ein kolumbianischer Artist aus neun Metern bei einem Gastspiel in Dortmund ab und erlag zwei Wochen später seinen schweren Verletzungen.

Besonders häufig kommt es zu Unfällen in der sogenannten Todeskugel, die auch in Düsseldorf zu sehen ist. Es passiert nichts, doch ein mulmiges Gefühl bleibt. Bei dieser Nummer rasen bis zu acht Motorradfahrer gleichzeitig durch eine Stahlkugel mit einem Durchmesser von etwa fünf Metern. Es braucht nur einen kleinen Fahrfehler und schon stürzen die Fahrer zu Boden. In diesem Jahr fährt erstmals eine Frau mit.

Trotzdem macht der Zirkus viel Spaß. Das liegt aber auch an den Comedy-Nummern von David Eriksson und Dustin Nicolodi. Ein Besuch lohnt sich sicherlich.

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