Der Tradition verhaftet oder der Zukunft zugewandt?

Der Tradition verhaftet oder der Zukunft zugewandt?

Prominent besetzte Podiumsdiskussion über die Zukunft der „Kunststadt“ Düsseldorf im Hotel de Medici.

Der kunstsinnige Kurfürst Jan Wellem, die Kunstakademie, die avantgardistische ZERO-Bewegung nach dem Zweiten Weltkrieg, Joseph Beuys oder die „Photoschule“ um Bernd und Hilla Becher - Düsseldorf zählt schon seit Jahrhunderten zu den gefragtesten Kunstmetropolen in Deutschland. Dementsprechend nennt sich Düsseldorf auch stolz „Kunststadt“. Doch basiert dieses Label nur auf der renommierten Kunst-Tradition? Die Kunstakademie etwa sträubt sich, Professuren für digitale Medien zu etablieren. Ein Beispiel, das eine grundsätzliche Frage aufwirft: „Kunststadt Düsseldorf - wohin?“ So lautete denn auch das Motto, unter dem die CDU-Ratsfraktion am Mittwoch zu einer Podiumsdiskussion ins Hotel de Medici eingeladen hatte. Geladen waren Künstler, Galeristen, Kunstsammler und Kuratoren. Die Diskutanten kamen zu unterschiedlichen Einschätzungen und Zukunftsplänen.

Der Kunstsammler Gil Bronner — Initiator der Sammlung Philara —, blickt mit rosaroter Brille auf die „Kunststadt“: „ Es gibt keinen anderen Ort in der Welt, der mit Düsseldorf konkurrieren kann“. Das einzige Problem bestehe darin, dass die Stadt „sich selber kleinredet und nach außen hin nicht so stark auftritt, wie sie eigentlich ist, nämlich bärenstark“.

Felix Krämer, Chef des Museums Kunstpalast, bestätigt: „Diese Region hat irres Potenzial“. Aber: „Die Institutionen strahlen nicht so, wie man es eigentlich erwarten müsste“. Er erhoffe sich ein größeres bürgerschaftliches Engagement für die Kunst-Institutionen in dieser Stadt. So zähle der Museumsverein des Museums Kunstpalast nur um die 1000 Mitglieder. Das stehe in keiner Beziehung zur Einwohnerzahl der Stadt.

Der Galerist Michael H. Beck betrachtet Düsseldorf als „kunsthändlerisch nicht die stärkste Stadt der Welt“. Bahnbrechende Visionen hat er allerdings nicht. Eine lautet: Mehr Skulpturen im öffentlichen Raum, damit die Stadt attraktiver werde.

Die klarsten Visionen äußerte Starkünstlerin Katharina Sieverding: eine internationale Media Power Station, wo die zeitgenössische Kunst des 21. Jahrhunderts gelagert und präsentiert werden könne an solchen „Lagerräumen“ mangele es in Düsseldorf. Fazit: Die Stärkung der altbewährten Kunstinstitutionen scheint momentan gefragter als originelle Zukunftskonzepte. tf

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