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Der Schützenkönig aus dem Lostopf

Der Schützenkönig aus dem Lostopf

In drei Stadtteilen wurde am Wochenende gefeiert. Dabei spielte das Wetter vor allem am Sonntag nicht mit.

Am Wochenende feierten in drei Stadtteilen die Schützen ihr Fest. In Benrath, Kaiserswerth und Derendorf wird der neue Regimentskönig gesucht.

Foto: sergej lepke

So ein Pech aber auch - da hatten sich die Ehrengäste auf der nördlichen Terrasse des Benrather Schlosses versammelt, der alte und der neue Bezirksvorsteher Heinz-Leo Schuth und Karl-Heinz Graf, seinen Stellvertreter Udo Skalnik sowie viele andere, und dann fing es an zu regnen. Der Schützenzug mit rund 800 Teilnehmern zog ohne Parade vorbei, die Ehrengäste wurden eingesammelt, dann ging es direkt ins Zelt.

Foto: sergej lepke

Große Enttäuschung bei dem amtierenden Königspaar Dirk und Steffi Drunkemöller, dem neuen Bezirkskönigspaar Alex Ruscht und Sabine Fuhrmann aus Unterbach, das am Samstag im Benrather Rathaus gekrönt wurde, sowie dem neuen Klompenkönigspaar Lars Schulte und Coco Brand. „1992 war das letzte Mal, dass die Parade abgesagt werden musste“, weiß Schützensprecher Frank Moser. Eine Stunde später kam die Sonne wieder hervor, aber niemand zog zurück zum Schloss. Alle Regularien fanden stattdessen im Zelt statt, auch der spannendste Teil vom Sonntagnachmittag, denn in Benrath wird der neue König quasi aus der Lostrommel gezogen.

Foto: Sergej Lepke

Die Siegeskrone erringt dort nicht der beste Schütze, der König wird durch ein kompliziertes Rechenverfahren aus der Zahl der Schüsse auf den Königsvogel und der Anwärter ermittelt. Die Zahl der Kandidaten war zwar recht überschaubar, immerhin war eine Auswahl vorhanden.

Der Glückliche ist nun mittlerweile doppelter König, vor einigen Tagen wurde Arno Wünsche (56) König der Hubertuskompanie, jetzt bekommt er auch die Schützenkrone. Offizielle Krönung ist am Montag, neuer Regimentsprinz ist Angelina Kleefisch.

Statt wie bisher von Samstag bis Dienstag zu feiern, begannen die Schützen schon am Freitag mit ihrem Klompenball. Weil aber parallel zum geplanten Klompenumzug der Anpfiff zum Viertelfinale war, wurde der Zeitplan etwas umgestellt: Der Umzug startete eine Stunde früher, danach wurde im Zelt gemeinsam mit der deutschen Mannschaft gefiebert und der 1:0-Sieg dann ausgiebig gefeiert.

Das Wetter macht in diesen Tagen auch den Schützen in Kaiserswerth das Leben schwer. Beim Abholen der Fahnen am Samstagabend fing es plötzlich stark an zu regnen und die Schützen wurden ziemlich nass.

„Doch zum Glück hatte Hermann Josef Schmitz, der Pfarrer der St.-Suitbertus-Basilika, ein Einsehen und hat für uns die Kirche geöffnet“, sagte Klaus Peters, der stellvertretende Vorsitzende der St.-Sebastianus-Bruderschaft. So konnte der Zapfenstreich im Trockenen abgehalten werden, und beim Verlassen der Kirche schien sogar wieder die Sonne. Bei der Parade am Sonntag zogen dann mehr als 200 Schützen durch den Stadtteil, begleitet von vier Musikgruppen, der Gastbruderschaft aus Lohausen und den Angermunder Fahnenschwenkern.

Am Montag ab 11.30 Uhr wird auf dem Festplatz der neue Regimentskönig gesucht, der das amtierende Königspaar Norbert und Christel Reckels ablösen wird. „Erstmals wird in diesem Jahr wieder auf einen Hochschießstand geschossen“, freute sich Peters. Der alte ist vor einigen Jahren bei einem Pfingststurm umgekippt und wurde nun ersetzt.

800 Schützen in fünf Bataillonen zogen am Sonntag von Derendorf nach Mörsenbroich, darunter die Marine-Kompanie unter Kapitänleutnant Friedhelm Timmermann, die zu ihrem 60-jährigen Bestehen zwei Gastkompanien mitbrachte. Dem Zug gingen kuriose Geräusche voraus, denn die Klänge der fünf Musikzüge mischte sich mit dem Wiehern von 65 Reitpferden und dem metallenen Geräusch von zwölf Kutschen.

Die schönsten Blumenhörner fuhren die Ersten Jäger in einem Wägelchen mit sich, darunter ein teures Gesteck für rund 150 Euro. Die St. Paulus-Kompanie machte es sich preiswerter. Ihre weißen Lilien waren zwar gleichfalls eine Pracht, aber aus Kunststoff.

Angeführt wurde der Festzug vom Oberst Jürgen Pagel und seinen drei Adjutanten auf Kaltblütern, darunter Janine Piepel hoch zu Ross. Für Heinz-Willi Lang war es das erste Derendorfer Schützenfest als Chef. Er nahm es gelassen, gehört er doch seit 60 Jahren zum Verein. Dieselbe Gelassenheit strömte das amtierende Regimentskönigspaar Peter und Karin Battel aus. Er war schon 1992 Regimentskönig in Rath und begleitete seine Frau in Rath, wo sie im Vorjahr die Platte heruntergeholt hatte. Sie, im langen grünen Ballkleid und ein silbernes Krönchen im Haar, war in der letzten Session sogar Stadtkönigin.

Die Zugstrecke der Derendorfer ist mit vier Kilometern recht lang. Dennoch gaben weder Emil (4) noch Oskar (9) Justenhoven aus der St.-Stephanus-Kompanie auf. Sie setzten noch nicht einmal ihren schwarzen Zylinder ab. Wie die gesamte Gesellschaft trugen sie Schirme mit sich, die sich bei den Regenschauern bewährten. Am Samstag war der Regen allerdings so heftig, dass das Feuerwerk ohne die synchronisierte Musik auskommen musste.