Der Rhein in Düsseldorf: Hoch- und Niedrigwasser sind eine Herausforderung

Hitze : Bei anhaltender Hitze droht Düsseldorf wieder Niedrigwasser

Der Pegel des Rheins schwankt im Laufe des Jahres. Dabei wirken sich Hoch- und Niedrigwasser unterschiedlich auf unsere Umwelt aus.

Der vergangene Sommer ist vielen noch gut in Erinnerung. Hochsommerliche Temperaturen und vor allem wenige Niederschläge von Mai bis Ende Oktober machten vielen Menschen zu schaffen. Aber auch die Natur reagiert auf solch extreme Wetterverhältnisse. Im Rhein herrschte an 100 Tagen im Jahr Niedrigwasser – gewöhnlich sind es im Jahresdurchschnitt 30 Tage. „Es ist normal, dass es mal wenig und mal viel Wasser im Rhein gibt“, sagt Jens Rosenbaum-Mertens vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW. Die trockene Phase im Sommer 2018 sei aber schon sehr lang gewesen. Und nicht nur das: 2018 war das zehnte Jahr in Folge, das zu trocken war. „Es wird immer wärmer und zugleich sinkt der Grundwasserstand“, sagt Rosenbaum-Mertens.

Niedrigwasser bedeute vor allem Stress für Tiere. Das Wasser im Rhein werde bei niedrigem Pegelstand durch die Sonneneinstrahlung wärmer. Zugleich würden die Rückzugsräume für Fische weniger, weil die Fahrrinne enger werde. In längeren Niedrigwasserphasen steige die Konzentration von Schadstoffen. „Wasserlösliche Stoffe wie Salze, Arzneimittel und Mikroschadstoffe werden aus den Kläranlagen in den Rhein gelassen. Bei niedrigen Wasserständen nimmt die Konzentration der wasserlöslichen Stoffe zu“, so der Chemiker und Ökologe.

Für die Schifffahrt gibt es keine behördliche Anordnung, was bei Niedrigwasser beachtet werden muss. „Der Schiffführer muss eigenverantwortlich entscheiden, ob seine Schiffe noch fahren können“, sagt Christian Hellbach vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Köln. Schiffe hätten einen gewissen Tiefgang und je nach Ladung eben mehr, sie könnten sich festfahren. „Bei Niedrigwasser gibt es natürlich die Möglichkeit, Schiffe weniger zu beladen“, sagt Hellbach.

Im vergangenen Jahr konnten die Schiffe deshalb nur ein Fünftel ihrer Ladung aufnehmen. „Manche Unternehmen haben mehrere Schiffe eingesetzt und sind öfter gefahren. Dadurch konnten sie etwa die Hälfte der Ladung transportieren“, sagt Christian Lorenz von der Rhein Cargo, die die Häfen in Köln, Neuss und Düsseldorf betreibt. Engpässe gab es nur bei der Belieferung von Raffinerien mit Mineralöl. Ein großer Teil der Ladung konnte jedoch durch die Verlagerung auf den Schienenverkehr kompensiert werden.

Bei Hochwasser wird ab einem bestimmten Pegel die Schifffahrt eingestellt. „Hochwasseranlagen wie Dämme und Mauern in den Städten müssen geschützt werden“, sagt Hellbach. Diese drohen beschädigt zu werden, weil Schiffe bei der Fahrt Wellen abstoßen. Während des Hochwassers legen die Schiffe in Schutz- und Sicherheitshäfen an.

Für die Umwelt hat ein Hochwasser des Rheins nur wenige Auswirkungen. „Es führt dazu, dass sich Sedimente, also Material, das sich auf dem Boden des Flusses angesammelt hat, wieder in den Fluss zurückgespült wird“, sagt Jens Rosenbaum-Mertens vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz. Das sei aber kein Problem, weil sich die Umweltsituation in den vergangenen 20 bis 30 Jahren verbessert habe.

Hochwasser bleiben also vor allem ein Problem für den Menschen – besonders dann, wenn er oder sie zu nah am Wasser gebaut hat.

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