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Der Paul-Spiegel-Platz ist ein „Forum gegen das Vergessen“

Der Paul-Spiegel-Platz ist ein „Forum gegen das Vergessen“

Ehrung: Platz nach verstorbenem Zentralratsvorsitzendem benannt.

Düsseldorf. Für die Anwohner an der Zietenstraße ist es eine Art dejá vu. Vor fast genau einem Jahr fuhren genau wie heute dunkle Limousinen vor der Synagoge der jüdischen Gemeinde Düsseldorf vor. Männer in dunklen Anzügen stiegen aus, das ein oder andere prominente Gesicht war zu sehen.

Vor einem Jahr trugen diese Gesichter allerdings Trauer. Paul Spiegel war kurz zuvor gestorben, seine Freunde, seine Gemeindebrüder und -schwestern, seine Geschäftsfreunde, hohe Politiker nahmen weinend Abschied vom Vorsitzenden des Zentralrats der Juden.

Gestern traf sich fast dieselbe Gesellschaft wieder vor der Synagoge. Der Anlass war dafür erfreulicher: Der Platz vor dem Gotteshaus ist nach Paul Spiegel benannt worden. Seine Frau Gisèle, Gemeindevorsitzender Juan Miguel Strauss und Oberbürgermeister Joachim Erwin enthüllten das Straßenschild. Die jüdische Gemeinde hat ab sofort eine neue Postadresse: Paul-Spiegel-Platz 1.

"Das ist ein bewegender Moment", sagte Dina Spiegel. Ihre Schwester Leonie, die seit dem Tod Paul Spiegels die von ihm aufgebaute Künstleragentur leitet, sprach zu der versammelten Menge: "Ich weiß, wie stolz, glücklich und dankbar mein Vater gewesen wäre."

"So ein Platz, das ist etwas, das bleibt. Wie ein Stein - so heißt es bei uns", erzählte David Goldberg. Der Rabbiner aus Hof war zufällig in Düsseldorf. "Ich fahre für Beschneidungen durch ganz Deutschland." Er freute sich über die Enthüllung. "So ganz Zufall kann es nicht gewesen sein, dass ich heute hier bin", sagte er. Auch die 8. und 9. Klassen des Max-Planck-Gymnasiums waren mit ihrem Religionslehrer gekommen. Ebenso Schriftsteller Ralph Giordano, Polizeipräsident Herbert Schenkelberg, Ex-NRW-Innenminister Burkhard Hirsch, Ex-Ministerpräsident Wolfgang Clement und die aktuellen Landesminister Helmut Linssen und Roswitha Müller-Piepenkötter.

Oberbürgermeister Joachim Erwin nannte den neuen Platz ein "Forum gegen das Vergessen" und würdigte noch einmal Paul Spiegels Verdienste auch um seine Heimatstadt.