Düsseldorf-Vennhausen: Der Mann, der die Pritschen baut

Düsseldorf-Vennhausen: Der Mann, der die Pritschen baut

Mit Karneval hat er nichts am Hut: Dennoch stellt Stefan Paschmann das Zubehör für das Prinzenpaar her. Jedes Jahr wieder.

Für das Düsseldorfer Prinzenpaar ist Stefan Paschmann in gewisser Weise unverzichtbar. Dabei hat er mit Karneval eigentlich nicht viel am Hut. „Das ist einfach nicht mein Ding“, sagt er ganz offen. Dennoch widmet er viele Stunden dem Düsseldorfer Karneval. Eine Narrenkappe sucht man bei ihm aber vergebens. „Wenn ich in Stimmung bin, gehe ich zum Rosenmontagszug, ansonsten verfolge ich den aber auch nur im Fernsehen“, sagt der Vennhauser.

Paschmann arbeitet in der Zeit für die närrischen Stadtoberhäupter, in der die Session pausiert. Er stellt die hölzernen Pritschen her, die das Prinzenpaar die ganze Session über begleiten. Was sonst vielleicht wie ein lapidarer Zusatz zum prunkvollen Kostüm des Prinzenpaares wirken mag, ist in Wirklichkeit sehr viel Arbeit.

Alles begann vor mehr als 50 Jahren. Stefan Paschmanns Großvater war einer derer, die den Karneval nach dem Krieg in Düsseldorf wieder aufgebaut haben. Er hatte eine Schreinerei — da lag es nahe, dass er die Pritschen in Eigenarbeit anfertigt. Jedes Jahr aufs Neue. Schon damals sahen die Holzknüppel so aus wie heute. Ein runder Griff, darüber ein länglicher Block aus mehreren Schichten Holz, die in ganz bestimmter Weise übereinander geleimt werden. Vorne eine rote und hinten eine blaue Lackierung im Karo-Muster, auf einer Seite das Foto des Prinzen oder der Venetia. Ihre Funktion war aber ursprünglich eine andere.

„Eigentlich waren die Pritschen Musikinstrumente“, sagt Paschmann. Durch Hohlräume zwischen den einzelnen Holzschichten der Pritschen ergaben sich Töne, wenn man mit der Pritsche in die Hand schlägt. Heute erzeugen die Holzinstrumente keine Töne mehr. Das hat vor allem einen bautechnischen Grund: „Wenn man das Holz lackiert, verzieht es sich sehr schnell“, sagt Paschmann. Deswegen leimt er die Holzschichten so zusammen fest, dass sie schön gerade bleiben — aber eben auch keine Töne mehr erzeugen können.

Sein Vater war es, der die Vorlagen anfertigte, die Paschmann noch heute benutzt. Stefan Paschmann ist gelernter Elektriker und hat das Bauen der Pritschen 2011 von seinem Vater übernommen. „Mittlerweile bin ich warm geworden mit der Arbeit“, sagt er: Mehr und mehr werde das zur jährlichen Routine. Alles beginnt damit, dass er etwa im September die Fotos des Prinzenpaares zugeschickt bekommt, die dann die Pritschen zieren sollen. Dann startet seine Arbeit. Die beginnt schon damit, die Materialien zu beschaffen. „Das Holz für die Pritschen gibt es nicht in einem normalen Baumarkt“, sagt der 53-Jährige. Dazu müsse er in den Holzfachhandel.

Der Griff ist gar aus zwei Hölzern zusammengesetzt, die vor dem Drechseln aneinander geleimt werden. Das alles macht Paschmann größtenteils am heimischen Esstisch in seinem Haus in Vennhausen. Baut er gerade keine Pritschen, sind die Werkzeuge gut verpackt im Keller eingemottet. Die Lackierung sei mit der aufwändigste Teil. Feinsäuberlich muss er ein Rauten-Muster auf beiden Seiten in die obersten Holzschichten schnitzen, dann jede einzelne Raute ausmalen. „Im Prinzip ist das ein Kunstwerk“, sagt er.

Würde er 24 Stunden am Tag arbeiten, bräuchte er pro Pritsche etwa eine Woche. Tatsächlich natürlich viel länger. Für seine Arbeit bekommt Paschmann zwar ein bisschen Geld, aber alleine die Materialkosten sind enorm: Pro Pritsche fallen etwa 90 Euro an. Das Prinzenpaar lernt er übrigens nie kennen — er gibt die Pritschen ab, und dann ist sein Part beendet. „Wahrscheinlich haben sich Prinz und Venetia noch nie Gedanken darüber gemacht, wie viel Arbeit in ihren Pritschen steckt“, vermutet er.

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