Der kuriose Sport mit Hundeschädel

Der Sport, der Passanten oft gleichzeitig verwirrt und neugierig macht, heißt Jugger, und er wird immer beliebter. Zweimal in der Woche kämpfen junge Menschen auf den Rheinwiesen um einen Tierkopf aus Schaumstoff.

Der kuriose Sport mit Hundeschädel
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„Die Jugger“ ist ein dramatischer Endzeitfilm von 1989. In einer zerrütteten Welt spielt Rutger Hauer Jugger. Gemeinsam mit seinem Team kämpft er in einem brutalen Sport mit eisernen Stangen und einem Hundeschädel um seinen Lebensunterhalt. Auch in Düsseldorf wird Jugger gespielt. Doch statt eines postapokalyptischen Gladiatorenkampfs gibt es auf den Rheinwiesen einen dynamischen Sport — mit Taktik, Teamplay und sogar internationalen Turnieren.

Am Rheinpark nahe der Theodor-Heuss-Brücke in Düsseldorf (Foto) wird häufiger Jugger gespielt. Archivfoto

Am Rheinpark nahe der Theodor-Heuss-Brücke in Düsseldorf (Foto) wird häufiger Jugger gespielt. Archivfoto

Foto: Zanin

Der moderne Sport Jugger verbindet Elemente aus Fechten und Rugby miteinander. Zwei Mannschaften zu je fünf Spielern treten gegeneinander an. Vier der Spieler tragen die gepolsterten Stangen, so genannte Pompfen. Der fünfte Spieler ist der Läufer, er darf als einziger den Spielball, den Jugg, tragen. Seine Aufgabe ist es, den Jugg in das Nest - oder Mal - der gegnerischen Mannschaft zu stecken und so einen Punkt für sein Team zu erzielen. Damit ihm das gelingt, müssen ihm seine Pompfer vorher den Weg durch das gegnerische Team freikämpfen. Wer getroffen wird, kniet sich hin und darf für eine gewisse Zeit nicht am Spiel teilnehmen.

Während im Jugger-Film die Kämpfe sehr brutal sind, gibt es im Sport strenge Regeln: Die Pompfen sind gepolstert, Treffer am Kopf oder an den Händen sind verboten. Um den sportlichen Charakter der modernen Jugger hervorzuheben, wird bewusst vermieden, die Pompfen wie Waffen aussehen zu lassen.

Einige Teams spielen mit neutralen Bällen, andere haben noch - in Anlehnung an den Film - einen Hundeschädel aus Schaumstoff. Die Jugger stellen ihre Spielgeräte selbst her. Gebaut werden sie aus Bambus, Glasfaser-Rohren, Schaumstoff zur Polsterung und viel, viel Klebeband.

Das offizielle Regelwerk gibt genau vor, wie die verschiedenen Arten von Pompfen auszusehen haben: Die einhändige Kurzpompfe ist 85 cm lang, Der Q-Tip, der tatsächlich aussieht wie ein riesiges Wattestäbchen, misst genau zwei Meter. Außerdem ist da noch die Kette, ein Ball, der an einem langen Seil geschwungen wird.

Vor 25 Jahren wurde Jugger in Berlin und Hamburg zum ersten Mal als echter Sport gespielt. Inzwischen gibt es fast 130 Teams in Deutschland - und außerdem in Irland, Spanien, Australien und anderswo. Viele Vereinsnamen sind Wortwitze mit „Jugg“. So gibt es die „Flying Juggmen“ aus Bonn oder „Jugg the Ripper“ aus Hagen. Im März 2017 wurde in Düsseldorf das Team „Blackthorn“ gegründet. Inzwischen hat der Verein etwa 15 aktive Mitglieder, zum Großteil Studenten zwischen 20 und 25. Trainer ist Damjan Stojkovski, der den Sport in Irland kennen gelernt hat. Ihn beeindruckt neben dem sportlichen Aspekt auch die soziale Komponente: „Die Jugger sind so offen und warmherzig. Ich war mal auf einem Turnier in Spanien, wo ich keine Unterkunft hatte. Dann hat mich ein wildfremder Spieler bei sich aufgenommen, und ich habe ein paar Tage bei ihm und seiner Familie gelebt“.

Beim Jugger spielt das Fairplay eine große Rolle. Da es nur um das Berühren des Gegners mit der Pompfe geht, werden die einzelnen Manöver sehr schnell ausgeführt. Es gibt zwar Schiedsrichter, doch es ist oft schwer, von außen festzustellen, welcher Spieler zuerst getroffen hat. Daher müssen die Jugger sich auf die Fairness ihrer Gegner verlassen, und das klappt gut. Auch deswegen ist bei dem Sport das Soziale sehr wichtig.

Die Jugger sind deutschlandweit vernetzt. Wer schon länger dabei ist, kennt die anderen Teams, auf Turnieren wird gemeinsam gegrillt und man erzählt sich die Heldentaten der Spieltage. „Die Atmosphäre ist schon etwas Besonderes, und man lernt überall neue Leute kennen“, sagt Jorid Werner, eine der Spielerinnen von Blackthorn. Gemeinsam mit ihrem Team trainiert sie zweimal in der Woche auf den Rheinwiesen. Damjan Stojkovski kümmert sich um Fitness, Teamplay und die Technik mit den verschiedenen Pompfen. Turniere sind die Highlights für die Jugger. Im Sommer finden sie überall in Deutschland statt. Doch Stojkovski hat für sein Team größere Pläne: „Wir bauen unsere Fitness auf, verbessern unser Zusammenspiel - und im Juni geht es für ein internationales Turnier nach Schweden“.

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