Der Koloss von Düsseldorf: Schmäke macht den Herkules

Der Koloss von Düsseldorf: Schmäke macht den Herkules

Die Kunstgießerei Schmäke arbeitet an ihrer größten Plastik. Der griechische Sagenheld wird 18 Meter groß.

Düsseldorf. Herkules - er gilt als Symbol für Größe, Kraft und Mut. Da müssen auch jene mithalten, die sich ständig um ihn scharen. "Das wird noch eine Riesenaufgabe", meint Karl-Heinz Schmäke, in dessen Kunstgießerei in Oberbilk die mächtige Statue des Künstlers Markus Lüpertz gerade zusammengeschweißt wird.

Wohin mit dem Held der griechischen Mythologie, wenn er zusammengesetzt ist - 18 Meter hoch und 28 Tonnen schwer? Ein Statiker will am 7. September auf dem Firmengelände im Industriegebiet unter den Augen von Lüpertz die Standfestigkeit des Helden überprüfen.

Danach muss ein Bauschlosser noch die stählernen Innereien des Giganten richten. Doch auf dem Hof des Unternehmens in Oberbilk kann der Riese dann in voller Größe nicht mehr abgelegt werden. "Dank Oberbürgermeister Dirk Elbers haben wir es geschafft, rechtzeitig weiteres Firmengelände gegenüber zu bekommen."

Das brach liegende Areal hinter einem Fußballplatz von DSC Victoria wird in diesen Tagen vorbereitet. Anschließend wird es eingezäunt, eine Halle soll nicht errichtet werden.

Die Frage des letzten Lagers in der Landeshauptstadt vor dem großen Einsatz von Herkules in Gelsenkirchen ist also geklärt. Dennoch liegt der weitere Weg der wuchtigen Skulptur dem 66-jährigen Schmäke schwer im Magen. Nur mit industrieerprobtem Gerät kann das Kunstwerk Mitte November an seinen Bestimmungsort gebracht werden.

"Der Tieflader darf nur nachts fahren. Ampeln, Verkehrsschilder und Leitplanken müssen für den Transport abgeschraubt werden. Ich bin jetzt schon ein bisschen nervös", erklärt der Kunstgießer. Aufgeregt muss er eigentlich nicht sein: War nicht Herkules selbst der hohen Kunst des Wagenlenkens mächtig? Einen besseren Beifahrer kann es also gar nicht geben.

Zudem ist Schmäke nicht unerfahren mit Plastiken der Kategorie Super-XXL. Eine, die er zusammen mit dem Wuppertaler Künstler Tony Cragg auf die Beine gestellt hat, wäre sogar am Ende der Fertigstellung übereinandergestapelt noch größer gewesen: Drei einzelne, zwölf Meter lange Säulen für die olympischen Winterspiele 2006 in Turin.

Diesmal entsteht das gesamte Kunstwerk in Oberbilk. Für den 7.September werden Beine, Rumpf und Kopf miteinander verschweißt. Und mit der Auferstehung des Riesen aus Stahl und Aluminium steht ein Rekord der Kunstgießerei: "Das ist die größte zusammenhängende Skulptur, die jemals hier angefertigt wurde", sagt Schmäke, der neben Cragg bereits mit renommierten Künstlern wie Per Kirkeby, Bert Gerresheim und dem verstorbenen Jörg Immendorff zusammengearbeitet hat.

Mehr von Westdeutsche Zeitung