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Düsseldorf: Der Jurist und die bildende Kunst

Düsseldorf : Der Jurist und die bildende Kunst

Im Oberlandesgericht werden die Bilder von Ernst Jürgen Kratz gezeigt. Er hatte es dort als Richter in einem Prozess auch mal mit Kunst zu tun.

Jurist ist er. Durch und durch: er war Richter am Oberlandesgericht, von 1985 bis zu seiner Pensionierung sogar Vizepräsident im Prachtbau der Justiz. Aber Ernst Jürgen Kratz ist auch als Künstler tätig, von Kind auf. „Ich habe gemalt und aquarelliert, bevor ich schreiben konnte“, erzählt er unserer Zeitung.

Der Anlass: Im lichtdurchfluteten Glas-Foyer in der ersten Etage des Gerichtsgebäudes auf der Cecilienallee 3 hängen 50 seiner neuen Arbeiten auf Papier und Leinwand. Die Ausstellung, mit der die heutige Präsidentin Anne-José Paulsen ihrem Vorgänger ermöglicht - ein Geschenk zu Kratz’ 80. Geburtstag - ist tagsüber zu bewundern. Eintritt frei heißt, es im Oberlandesgericht. Voraussetzung: Die Kunstinteressierten legen an der Pforte ihren Personalausweis vor.

Von Weitem erinnern die Arbeiten des Seniors an Klötze, Quader und Blöcke mit rostiger Oberfläche. Steht man direkt davor, wachsen die Umrisse wie ein Relief aus der Bildfläche heraus. „Ein buntes Gemisch aus vielen Materialien“, schmunzelt Ernst Jürgen Kratz, der seit Jahrzehnten in seinem Atelier (in seinem Haus) mit Stoffen experimentiert, um seine Objekte auf Papier und Leinwand möglichst plastisch, wie eine Skulptur, wirken zu lassen.

Er verwendet neben zahlreichen metallischen Partikeln auch Schmirgelpapier. Dadurch schimmern die häufig rostbraunen Oberflächen. Auf der anderen Seite sieht man zarte, minimalistische Aquarelle - mit farbigen Linien, die wie in einem Wirbel nach oben gezogen werden. Als Zeichner mit schnellem Zugriff zeigt sich der Jurist auf seinen Karikaturen: Hier nimmt er das Dasein der Richter auf die Schippe. Mit viel Humor: zwar nicht garstig, aber verständnisvoll und hintergründig.

Warum und wie kam nun der 1935 in Düsseldorf geborene Ernst Jürgen als Kind schon zur Kunst? Wegen einer Tuberkulose musste er bis zum 13. Lebensjahr in einem Schweizer Sanatorium verbringen und dort zur Schule gehen. Den Lehrern fiel auf, wie Kratz sich erinnert, „dass ich gut malen konnte“. So trug seine künstlerische Betätigung zur Genesung bei. Er muss wohl ein guter Schüler gewesen sein, ging durch ein Auslandsstipendium für ein Jahr in die USA und bestand, nach seiner Rückkehr, 1954 als Klassenjüngster das Abitur am Lessing-Gymnasium, fünf Jahre später dann sein erstes juristisches Staatsexamen.

Und das obwohl er sich sein Studium selbst verdienen musste, u.a. als Haus-Lehrer. Kratz war von der schnellen Sorte. Fand sogar neben Studium und Lehrer-Job noch Zeit zum Malen. Dank eines weiteren Stipendiums war er zudem stets auf Achse in europäischen Metropolen und arbeitete in Bonn als Reiseführer für amerikanische Touristen. Ein Wunder fast, dass der weltoffene Kratz nebenbei auch noch sein Studium beendete.

Zufall war, dass er als Richter es mit der Kunst zu tun bekam. Als Richter in der berühmten Schadensersatz-Klage um die Fett-Ecke von Joseph Beuys in der Kunstakademie, die 1986 nach Beuys’ Tod irrtümlich in einem Abfalleimer gelandet war. „Sie kam unter einer Käseglocke auf den Richtertisch.“ Er erinnert sich genau. Auch an die 40 000 Mark, die das Land NRW in einem Vergleich (an dem Kratz mitgewirkt hatte) zahlen musste. Das Geld ging an die von Beuys gegründete ‚Partei für direkte Demokratie’. Details, die der kunstsinnige Richter auch nach 30 Jahren nicht vergessen hat.

Auch persönlich hatte er den Filz- und Fett-Künstler mal kennengelernt. Was er von ihm hielt? „In der Malerei fand Beuys zu neuen Dimensionen und brach mit Traditionen. Das war damals fällig.“