Der große Streit ums günstige Wohnen

Der große Streit ums günstige Wohnen

Wie teuer darf preisgedämpftes Wohneigentum sein? Die „Ampel“ findet eine Antwort, die viel Kritik nach sich zieht.

Preisgedämpftes Wohneigentum wird teurer. SPD, Grüne und FDP stimmten gestern im Wohnungsausschuss dafür, den Preis in diesem Segment des Handlungskonzeptes Wohnen von 2500 auf 2950 Euro pro Quadratmeter zu erhöhen.

Die Kritik entzündet sich nun nicht etwa daran, dass das zu teuer sei. Im Gegenteil: Die Befürchtung ist nun, dass zu diesen Bedingungen kein Investor preisgedämpfte Eigentumswohnungen baut. Die Stadt hatte mit der Stadtsparkasse Beispielrechnungen durchgeführt und nach Rücksprache mit der Wohnungswirtschaft vorgeschlagen, den Preis auf 3400 pro Quadratmeter festzulegen. Übrigens: Laut Jones Lang LaSalle lag der Median der Verkaufspreise im Eigentumsneubau im frei finanzierten Sektor 2016 in Düsseldorf bei 4680 Euro.

Zum Hintergrund: Das Handlungskonzept Wohnen sieht bei Neubauprojekten 40 Prozent sozial geförderten und preisgedämpften Wohnraum vor. Letzterer ist bislang allerdings nur zur Miete realisiert worden, hier liegt die Obergrenze mittlerweile bei 9,60 Euro. Die im Verkaufssegment veranschlagten 2500 Euro pro Quadratmeter lohnen sich für Investoren offenbar nicht.

Ob sich das durch die jetzige Anpassung ändert, werde der Markt zeigen, sagte Matthias Herz von der SPD. „Aber bei 3400 Euro kann ich nicht mehr von preisgedämpft sprechen. Wie soll sich das eine junge Familie leisten?“ Und Harald Schwenk von den Grünen erinnerte daran, dass sich die Entscheidung am Gutachten des Büros Quaestio anlehne, dass die neue Grenze als Entsprechung zur preisgedämpften Miete ermittelt hatte. „Wir bewegen uns schon am Rand dessen, was als preisgedämpft angesehen werden kann. Und wir müssen als Politik nicht den explodieren Bodenpreisen hinterherhinken.“ Und Sönke Willms-Heyng (FDP) sieht, dass sich Menschen mit mittlerem Einkommen jetzt so gerade noch Eigentum leisten können.

Lutz Pfundner (Linke) hielt dagegen, dass das nicht das vorrangige Ziel des Handlungskonzeptes Wohnen sein dürfe. „Wir brauchen mehr bezahlbare Mietwohnungen, und die würden weniger gebaut, wenn preisgedämpftes Eigentum zu diesen Konditionen realisiert wird.“

Der Hauptkritikpunkt ist allerdings ein anderer. Wohnungsdezernent Christian Zaum: „Investoren werden zu diesen Konditionen wohl nicht bauen.“ Er betonte, wie gewissenhaft die städtischen Ämter mit der Stadtsparkasse Modelrechnungen für unterschiedliche Haushalte durchgeführt hätten. Zudem habe die Politik „eine Chance vertan, auch dem Mittelstand Eigentum zu ermöglichen“. Gewollt sei dies, weil es einen Zusammenhang zwischen Eigentum und sozialer Stabilität gebe.

Auch die CDU mahnte, nicht an der Realität des Marktes vorbei zu entscheiden. Sie schlug eine Staffelung von 3000 bis 3400 Euro pro Quadratmeter, je nach Stadtteil, vor. „Wir wollen das Eigentum für den Mittelstand, aber so finden wir keinen Investor dafür“, sagte Klaus-Dieter Lukaschewski. Und er verwies drauf, dass der Investor für den Bau von 1000 Wohnungen an der Erkrather Straße (Grand Central) so nicht dazu bereit sein werde.

Den Investor, den Lukaschewski da meint, heißt Catella. Tatsächlich sagt Klaus Franken, Geschäftsführender Gesellschafter der Catella Project Management, auf WZ-Anfrage. „Das war ein Beschluss gegen das Eigentum.“ Er kritisiert den fehlenden Mut der Politik. Der Formelkompromiss bringe nichts. „Zu diesen Konditionen bauen wir nur Mietwohnungen.“ Preisgedämpfte Eigentumswohnungen hätten sich für das Unternehmen erst ab einem Quadratmeterpreis von 3400 Euro gelohnt.

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