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Der Geist von Mutter Ey lebt wieder auf

Der Geist von Mutter Ey lebt wieder auf

Die Galerie im „Mutter Ey-Café“ wird zum ersten Mal bespielt: von zwei Künstlerinnen.

Johanna Ey zählt zu den berühmten Frauen Düsseldorfs. Sie avancierte von der Bäckerin zur „Mutter“ der rheinischen Kunst-Avantgarde. Als Galeristin förderte sie viele internationale Karrieren, etwa von Otto Dix oder Max Ernst. Ihr mäzenatischer Geist soll nun wieder aufleben. Seit letztem Jahr wird die Kunstpatronin mit einem großen Denkmal-Projekt im Andreas Quartier geehrt: mit einem Platz, einer Skulptur von Bert Gerresheim und dem „Mutter Ey-Café“. In der ersten Etage des Cafés befindet sich eine Galerie. Sie wurde nun mit der Ausstellung „Mutter Ey lebt!“ eingeweiht.

Foto: Thomas Frank

Meral Alma, Nachwuchskünstlerin

„Hier sollen im Sinne von Mutter Ey Nachwuchskünstler alle drei Monate kostenlos ihre Bilder ausstellen können“, erläutert Wolfgang Rolshoven, der Chef der „Düsseldorfer Jonges“. Eine vierköpfige Jury wählt die Künstler aus. Dazu zählt auch der Schrottkünstler HA Schult, der die Ausstellungen kuratiert. Die Auftakt-Schau bestreiten zwei Künstlerinnen: die Malerin Meral Alma, die jüngst an der Kunstakademie ihren Abschluss absolvierte, und die Fotografin Wanja Richter-Koppitz.

Verblüffend, dass letztere mit ihren 77 Jahren als Nachwuchskünstlerin präsentiert wird. „Wir wollten eigentlich vom Leiter der Kunstakademie, Karl-Heinz Petzinka, Nachwuchskünstlerinnen haben. Der hatte aber keine Zeit“, erklärt Rolshoven. So habe man improvisiert.

Doch wenn die Schau auch nur teilweise „Nachwuchskunst“ zeigt, lohnt sich ein Besuch. Da ist der Bilderkosmos von Meral Alma: bunt, expressiv, flüchtig, comichaft, grotesk. Etwa ihr monumentales Panorama „Ratinger Straße Urban Life“. Es zeigt etliche Szenen, die Alma tagtäglich auf der „Ratinger“ beobachtet hat. Ein streitendes Liebespaar, Musikanten, tanzende Menschen oder sich anfauchende Katzen. Die Akteure erscheinen als Schemen, Comic-Strichmännchen oder groteske Wesen.

Alle Szenen spielen sich in Bildkästen ab. Wahrnehmungssplitter, die Meral Alma zu einer Collage des urbanen Lebens zusammengefügt hat. Schnell, spontan, ohne Vorzeichnung, direkt auf die Leinwand, oft auch übermalt. Ebenso sehenswert: Almas „Königin“ vor dem Fenster der Galerie. Krone auf dem Haupt, die Augen geschlossen, in sich gekehrt. In lichtdurchlässigem Blau, Gelb, Rot und Schwarz auf Acrylglas gemalt, strahlt sie in den Raum. Richtig pastose Farbexplosionen hat Alma mit ihren „Punks“ kreiert. Köpfe in Cartoon-Optik mit knallig bunten Irokesenschnitten. „Der Punk steht für das Rebellische, für Freiheit, das eigene Bewusstsein. Um das einzufangen, habe ich keine Pinsel verwendet, sondern die Farbe auf die Leinwand geschmissen“, kommentiert Alma.

In den Bildern von Wanja Richter-Koppitz geht es hingegen ruhiger zu. Ihre Spezialität: übermalte Foto-Collagen. Mit absurden Szenen. Etwa vom Berliner Mauerfall. Ein Mann blickt durch einen Mauerspalt, in der Hand ein Hämmerchen. Es wirkt so, als habe er damit die wuchtige Mauer aufgeschlagen. Ob er nach Osten oder Westen blickt, bleibt unklar. Über ihm schwebt jedenfalls eine Gehhilfe. Ein Zeichen für die „hinkende“ Einheit?

Richter-Koppitz zeigt aber auch experimentelle Fotos zu Joseph Beuys, dem Heinrich Heine-Grab und von sich selbst: Ein Selbstporträt, zusammenmontiert aus zwölf Körperteilen, die sich nicht harmonisch ineinanderfügen wollen. Die erste Schau im „Mutter Ey-Café“ macht ihrer Namenspatronin alle Ehre!