Der Fanclub des Balletts am Rhein

Der Fanclub des Balletts am Rhein

Die Ballettfreunde fördern die Compagnie seit 20 Jahren. Jetzt wollen sie das Sponsoring erweitern und Firmen ansprechen.

Oliver Königsfeld ist Betriebsdirektor des Balletts und Geschäftsführer im Vorstand der Ballettfreunde.

Im Vergleich zum Freundeskreis der Oper haben sich die Ballettfreunde spät gegründet. Wie kommt das?

Oliver Königsfeld: 20 Jahre sind keine lange Zeit, waren jedoch sehr intensiv. Als Youri Vamos 1996 als Ballettdirektor nach Düsseldorf kam, regte er an, einen Ballettfreundeskreis zu gründen. In Basel, wo Vamos vorher war, gab es einen solchen Kreis und er hatte gute Erfahrungen damit gemacht. In Düsseldorf hingegen dümpelte das Engagement für das Ballett zu diesem Zeitpunkt noch vor sich hin.

Die Oper hatte aber doch schon einen Freundeskreis.

Königsfeld: Der Freundeskreis förderte zwar beide Sparten, Oper und Ballett, hatte jedoch die Oper im Fokus. Aktivitäten fehlten gänzlich. Im Vordergrund der Ballettfreunde steht, den Kontakt zwischen Künstlern und Publikum auszubauen und die Arbeit des Balletts aktiv zu begleiten. Man kann uns ganz gut mit einem Fanclub vergleichen, der persönliche Bindungen zu den Tänzern hat, sie regelmäßig trifft. Auf diese Weise versteht man nicht nur besser, was sie tun, sondern auch, wer sie sind. Das vermag jene Begeisterung auszulösen, die ansteckt. Vor diesem Hintergrund war es im Jahr der Gründung ideal, dass der frühere Duisburger Oberbürgermeister Josef Krings für den Posten des Freundeskreisvorsitzenden bereitstand. Nicht zuletzt durch seine Ehefrau Claire, die als Tänzerin und als Ballettmeisterin an der Deutschen Oper am Rhein tätig war, war er von jeher eng mit dem Ballett verbunden.

Die Oper wird als illuster wahrgenommen. Als strahlender als das Ballett. Obwohl Martin Schläpfer über Deutschland hinaus als Erneuerer des Balletts gilt und auch in der Musikauswahl außergewöhnlich innovativ ist.

Königsfeld: Der Freundeskreis der Oper gibt sich gern etwas elitär. Wir hingegen möchten das Bodenständige behalten, was auch besser zu den Tänzern passt. Das sind junge Menschen, die Dinge unternehmen wollen. Wir machen Ausflüge und feiern zusammen. Wenn wir für die Ballettfreunde einen Vortragsabend mit einem Choreografen organisieren, gibt es immer eine Probensequenz, so dass die Zuschauer einen sinnlichen Eindruck bekommen und nicht nur rein technisch die Biografien der Künstler kennenlernen.

Wie sieht die Förderung der Ballettfreunde aus? Wie viel Geld steht zur Verfügung?

Königsfeld: Das Fördervolumen beträgt 40 000 Euro im Jahr. Damit werden Weiterbildungsmaßnahmen, etwa Sprachkurse, der Tänzer unterstützt, medizinische Behandlungen und die neue Plattform „Young Moves“, bei der Tänzer ihre Choreografien zeigen. Wir werden allerdings in Zukunft den Fördergedanken stärken und überlegen, ob wir Firmenmitgliedschaften vergeben.

Als Martin Schläpfer mit seinen modernen Werken auf den klassischen Chefchoreografen Youri Vamos folgte, war der Freundeskreis zunächst nicht begeistert.

Königsfeld: Das gilt nur für ganz wenige Mitglieder. Es ist dann erstaunlich gut gelaufen und es war schön zu sehen, wie offen der Freundeskreis ist. Ohnehin sind die Mitglieder vielseitig interessiert und schauen sich bei unseren Ballettreisen auch andere Compagnien an.

Ist Düsseldorf eine Tanzstadt oder eine Möchtegern-Tanzstadt?

Königsfeld: Düsseldorf ist eine Tanzstadt, zeigt es aber zu wenig. Wir haben das Tanzhaus NRW, das es in dieser Form nicht noch einmal gibt, und das Ballett am Rhein. Es wäre schön, wenn wir eine größere Rolle spielen könnten, wenn sich Düsseldorf präsentiert. Längste Theke, Rheinufer, Institute für bildende Kunst — alles schön und gut und wichtig. Aber das Ballett ist längst zu einer Marke geworden, auf die die Stadt stolz sein kann.

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