Der Ehrenhof glänzte mit Animation in der Nacht der Museen

Kunst : Nacht der Museen: Der Kunstpalast wird zur Leinwand

22 000 Gäste strömten nonstop in die Häuser und ließen sich auf die große Zahl von Angeboten ein.

22 000 Besucher stürmten vor allem die Museen bei der Nacht der Museen am Samstag. Die U-Bahnen aus Krefeld und Neuss waren schon eine Stunde vor Beginn dieser Kultveranstaltung überfüllt. Schüler und Studenten überboten sich im Wettlauf von einem Standort zum anderen. Kulturdezernent Hans-Georg Lohe meinte, er habe selten so viel Jugend gesehen. Die Gäste kannten sich in der Altstadt gut aus. Im Zweifelsfall wählten sie die Rheinbahnbusse, die im Drei-Minuten-Takt hielten.

Ein Lächeln für die redenden Maschinen als Alleinunterhalter

Da die Kunstsammlung geschlossen blieb, war der Grabbeplatz wie verwaist. Lediglich die Kunsthalle lud zu den redenden Maschinen des Andreas Fischer im ersten Obergeschoss. Aus Abfallrohren, einem ausrangierten Lampenschirm und zahllosen Kabeln bestand die Installation des Künstlers, zu der er absurde Texte wie „Sieh zu, mein Guter. Geht es dir wieder gut?“ abspulen ließ. Immer wíeder bildeten sich Trauben von Gästen, die schmunzelnd da standen und staunten.

Viel Geduld für das Nachtgespenst im Schifffahrtsmuseum

Wer in der Altstadt blieb, musste sich in der Regel mit langen Wartezeiten begnügen. Am Kit und sogar vor dem Schifffahrtsmuseum am Burgplatz bildeten sich lange Schlangen, die durch Nadelöhre geschleust wurden. Am Burgplatz suchten Kinder nach dem Nachtgespenst der Jacobe von Baden.

Diva im Cabrio und hopsende Mädchen vor dem Bildschirm

Im Filmmuseum schoben sich die Gäste nach oben, während ihnen von dort ebenfalls Menschenmassen entgegenkamen. Dennoch bot dieses Haus so viele Filmtricks, dass die Gäste die Enge in Kauf nahmen. Wie eine Filmdiva saß Ulrike Mann im Cabrio und fühlte sich wie in Hollywood, denn der Highway war ein Endlosband als Rückprojektion, gekoppelt mit ihrem eigenen Porträt am Lenker. Sie selbst filmte die Szene mit ihrem Handy. Nur der Maler Paul Maciejowski saß enttäuscht auf einem Stuhl. Dem Künstler hatte man sein prächtiges Landschaftsbild durchbohrt und auch noch ein Schild mit dem Hinweis auf die Sonderausstellung geklebt. „So geht man doch nicht mit einem Original um“, stöhnte er.

Percussion im orientalischen Sound betört die Zuhörer

Musik spielte gleichsam die erste Geige im Ehrenhof. Im NRW-Forum reagierten selbst Künstler wie Mischa Kuball und Christine Erhard begeistert über den Oriental Electronic Sound. Thomas Klein, Gründungsmitglied der Band Kreidler, musizierte mit dem syrischen Musiker Shadi Al Housh, dem einstigen Ensemblemitglied im Opernorchester von Damaskus. Inzwischen in Deutschland, gilt er als Meister der orientalischen Fingerpercussion.

Niederknien vor dem Nagelfeld des Zero-Künstlers Uecker

Den Vogel aber schoss der Kunstpalast ab, obwohl das hohe, mehrstöckige Foyer zunächst so viel Suppengeruch aus der Cafeteria verbreitete, dass mancher Gast zunächst zurückschreckte. Doch insgesamt wirkte das Haus auf die Neugierigen wie eine Wunderkammer. Im Zero-Raum gingen die Besucher spontan in die Knie, als der Bewegungsmelder ansprang und Günther Ueckers Nagelfeld unter dem Strahl eines Scheinwerfers plötzlich rotierte. Sie zückten spontan ihre Handys, um die Szene festzuhalten. Vor Gert Wollheims Gemälde „Abschied von Düsseldorf“ untersuchten sie die rote Blutspur auf dem gelben Kleid der Frau und lachten sich kaputt über das komische Hündchen im Bild. Im Rubenssaal verharrte eine Frau aus Hilden wie gebannt vor dem Rückenakt der „Frau des Kandaules“ aus dem Bild des Hendrik van der Neer. Doch das viele Kunst-Gucken strenge auch an. Vor allem die männlichen Begleiter hockten wie angegossen auf den Sitzmöbeln.

Der Ehrenhof präsentierte sich wie ein Freiluft-Paradies

Der Ehrenhof wirkte aber ebenso großartig als Außenraum. Hier konnte man lustwandeln, beim Essen zwischen Currywurst und Brezeln wählen, auf dem Brunnenrand nicht nur Bier, sondern auch ein Gläschen Wein schlürfen. Am späten Abend aber setzte eine spektakuläre, interaktive Außenprojektion ein, die aus dem Zwischentrakt ausgestrahlt wurde. Wie unterm Schleier eines Feuerwerks verwandelte eine Event-Agentur die Fassade im Kunstpalast in ein bengalisches Feuer. Arno Brekers Liegende, die normalerweise auf dem Dach des Palastes in Steingrau erstarrt ist, begann plötzlich feuerrot zu lodern. Begeistert wurden unzählige Handys gezückt.

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