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Der Düsseldorfer Hof war beim Feiern einfach spitze

Der Düsseldorfer Hof war beim Feiern einfach spitze

Prunk: Karneval, Wasserfeste auf dem Rhein und das große Halali zu Pferde: Jan Wellem war kein Kind von Traurigkeit.

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p class="text"><strong>Düsseldorf. Zur Übernahme der Regierungsgeschäfte in Jülich-Berg im August 1679 kam Johann Wilhelm - damals Kurprinz und eher ein kleines Licht auf der politischen Bühne Europas - noch auf geliehenen Schiffen. Als 24 Jahre später Jan Wellems Neffe Karl auf seiner Reise nach Spanien, wo er zum König gekrönt werden sollte, in Düsseldorf Station machte, reiste er auf einer kurfürstlichen Prunkjacht weiter. Zu Fuß gehen oder per Wagen nach Heidelberg oder Neuburg reisen musste Jan Wellem dennoch nicht. Die kurz zuvor auf der Amsterdamer Werft fertiggestellte Jacht war schon seine dritte. 1611 sollte eine weitere Jacht folgen.

Neue Prunkkutschen für den Wasserweg waren heiß begehrt

Mit den schlichten Transportschiffen, auf denen selbst königliche Häupter noch 100 Jahre früher reisten, hatten diese Schiffe kaum noch etwas gemeinsam: Um 1680 waren in Amsterdam so genannte Statenjachten entstanden, mit denen die Fürsten im wahrsten Wortsinn Staat machen konnten. Sie bestachen durch eine komfortable und luxuriöse Ausstattung und waren innen wie außen reich mit Schnitzereien verziert. Ihr großer Vorteil: Die kleinen und wendigen Segelschiffe kamen mit nur wenig Besatzung aus. Hochseetauglich waren sie zwar nicht, aber für Reisen auf dem Fluss oder entlang der Küsten nahezu ideal. Auch für Wasserfeste auf dem Rhein waren sie zu gebrauchen. Jan Wellem gehörte zu den ersten, die sich eine solche Jacht zulegten. Im Schifffahrtsmuseum ist ein nach Originalplänen gebautes Modell dieses Typs zu bewundern.

Zu Karneval war immer Party im Düsseldorfer Schloss

Dass dem angehenden König von Spanien eine Jacht seines Onkels geliehen wurde, war damals eine Selbstverständlichkeit. Denn Luxus war nicht Selbstzweck, sondern ein Fundament der politischen und sozialen Ordnung dieser Zeit. "Behauptung der Herrenstellung durch Massensuggestion" nennen das die Psychologen.

Der Düsseldorfer Hof war landauf landab für seine Prachtentwicklung berühmt. "Hier ist wahrlich kein notleidender Hof", schrieb Kurfürstin Anna Maria Luisa schon kurz nach der Hochzeit an ihren Florentiner Onkel. Allerdings mit der leisen Kritik, dass man wohl in diesen notleidenden Zeiten zuviel ausgebe. Schließlich befand man sich mitten im pfälzischen Erbfolgekrieg.

Eller Hätte Jan Wellem länger gelebt, wäre auch Schloss Eller eine glanzvolle Zukunft beschieden gewesen: 1711 tauschte der Kurfürst den verwahrlosten Rittersitz gegen ein Anwesen in Aachen, um es zu einem Jagdschloss im Stil von Benrath auszubauen. Aber auch daraus wurde nichts, denn fünf Jahre später starb Jan Wellem.