Der DSD ist zurück auf der Hockey-Landkarte

Der DSD ist zurück auf der Hockey-Landkarte

Aufstiege, Meisterschaften und die Organisation von großen Turnieren — die Aufbauarbeit trägt endlich Früchte.

Düsseldorf. Es gab Zeiten, da sah es gar nicht gut aus für die Hockeyspieler an der Altenbergstraße in Grafenberg. Kurz vor der Jahrtausendwende war die Zukunft der ganzen Abteilung innerhalb des DSD in der Schwebe. „Wir drohten, den Anschluss total zu verlieren“, erinnert sich Vorstandschef Ulrich Koch. „Hätten wir damals nicht endlich unseren Kunstrasen bekommen, gäbe es beim DSD heute kein Hockey mehr.“

Foto: Horstmüller

Doch der kam, 1999 wurde der neue Platz eröffnet. Für Koch „der Startschuss“ der positiven Entwicklung. „Wir haben eine große Tradition, unser Club ist von 1924, die wollten wir nicht aufgeben. Also haben wir uns hingesetzt und sind das Thema systematisch angegangen. Die Frage war: Wie kommen wir zurück auf die Hockey-Landkarte?“

Mittlerweile ist der DSD zurück. Zwar hinter dem DHC vom Seestern als Nummer zwei der Stadt, aber keinesfalls unbedeutend. Geschafft haben das die Grafenberger mit einem Konzept, das auf zwei Füßen stand: Einerseits ging es darum, den Namen DSD durch die Organisation von „hochkarätigen Veranstaltungen“ (Koch) wieder ins Gespräch zu bringen. Andererseits sollte die Jugendarbeit neu aufgebaut werden, um mit Spielern aus dem eigenen Nachwuchs sportliche Erfolge zu feiern. Die sollten dann wiederum die jüngeren Jahrgänge trainieren.

Die aktuelle Saison ist der beste Beweis dafür, dass das keine falsche Herangehensweise war. Am Wochenende organisierte der DSD mit dem DHC zum vierten Mal den „Four Nations Cup“ — ein Turnier für einige der besten Nationalmannschaften der Welt. Dieses Jahr waren die beiden jüngsten Olympiasieger aus Deutschland und Argentinien dabei.

Bereits in den Monaten zuvor hatten die eigenen Mannschaften für gute Laune an der Altenbergstraße gesorgt: Die A-Knaben (U 14) um den umtriebigen Trainer Holger Muth gewannen zum ersten Mal in der fast 100-jährigen DSD-Geschichte die Deutsche Meisterschaft — auf dem großen Feld und in der Halle. Zudem gab es jüngst gleich drei Aufstiege im Erwachsenenbereich zu feiern Die zweiten Mannschaften schafften sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern den Sprung in die Oberliga, die erste Mannschaft, das Aushängeschild des Clubs, stieg sogar in die 2. Bundesliga auf.

Gelungen ist das Trainer Tobias Bergmann — sein Bruder Uli trainiert die Frauen in der 3. Liga — vor allem mit jungen Spielern aus dem Nachwuchs. Die Mannschaft habe ein „hohes Identifikationspotenzial“, sagt Bergmann, der sich für die 2. Liga dennoch etwas mehr Erfahrung besorgt hat: Roman Gomley, 35 und Rekordnationalspieler Irlands. Geklappt hat das über alte Kontakte — wie so Vieles Im Hockey.

Geld gibt es selbst in der 2. Liga nicht zu verdienen. Zumindest nicht beim DSD. Und dennoch ist der Sprung in die zweithöchste Spielklasse ein Kraftakt. Der Etat für die erste Mannschaft muss verdoppelt werden. Vor allem wegen der weiteren Reisen (teils mit Übernachtungen) kratzen die Ausgaben nun am sechsstelligen Bereich. Das muss ein Amateursportverein erst mal verdienen. Deswegen geht es laut Bergmann in diesem Sommer um mehrere Dinge: „Wir müssen uns nicht nur sportlich, sondern auch organisatorisch und finanziell weiterentwickeln.“ Klinkenputzen ist angesagt. Bei der Stadt, bei Mitgliedern und Sponsoren.

Sportlich ist die Zukunftsplanung einfacher. Beim DSD spielen hunderte Kinder in mehr als einem Dutzend Mannschaften. Nahezu alle Trainer kommen aus dem Verein, die Eltern helfen kräftig mit. „Unser Credo war: Wir fangen bei den ganz Kleinen an und entwickeln uns nach oben. Wir haben viel investiert in die Trainerausbildungen der Jugendlichen. Die machen jetzt die Basisarbeit. Das ging nicht von heute auf morgen, langsam fahren wir aber die Ernte ein“, sagt Vorstand Koch.

Besonders stolz sind sie auf die A-Knaben von Holger Muth. Muth wird selbst von engen Freunden als „bessesen“ beschrieben, aber das darf durchaus positiv verstanden werden. Koch nennt ihn in „die treibende Kraft im Jugendbereich“.

Vor zehn Jahren hatte er die Mannschaft um seinen Sohn Lukas mitgegründet. „Die Grundidee war, etwas ganz Großes zu erreichen“, erinnert er sich. Mittlerweile kann er sagen: „Wir haben noch nie einen Titel verpasst.“ In allen Altersklassen durfte sein Team stets jubeln. Geschafft hat er das mit einer Fokussierung auf Leistungssport. Koordinations- und Athletikübungen standen früh auf dem Plan. Geht es nach Muth, bleibt das Team lange zusammen und spielt 2023 in der Bundesliga.

So weit will Koch nicht gehen. Aber wenn die goldene Generation in vier Jahren in den Männer-Bereich wechselt, soll ihr „als Dank für ihre Leistungen eine Perspektive geboten werden“. Das sollte mindestens die 2. Liga sein. Das sei natürlich dennoch keine Garantie, dass sie alle in Grafenberg bleiben, „denn manche sind im Notizbuch des Bundestrainers angekommen.“

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