Der apokalyptische Auftritt von Motorpsycho im Düsseldorfer Zakk

Der apokalyptische Auftritt von Motorpsycho im Düsseldorfer Zakk

Bei ihrem Konzert in Düsseldorf hat die Band aus dem norwegischen Trondheim Stile vereint und Grenzen überschritten. Eindrücke von einem heißen und lauten Abend.

Düsseldorf. Alles an diesem Abend, an diesem Auftritt, an dieser Band ist irgendwie, nun ja, apokalyptisch im Sinne von: Gleich könnte die Welt mit einem letzten Grummeln einfach in sich zusammenfallen. Oder babylonisch im Sinne von: alle Sinne gleichsam verwirrend wie verzückend. Motorpsycho aus dem norwegischen Trondheim haben ja nicht umsonst auf dem Cover ihrer aktuellen Platte „The Tower“ diesen Turm zu Babel platziert. Kleiner Tipp: Im großen-Vinylformat kommt dieses Bild noch beeindruckender rüber, weil es einen fast erschlägt.

So wie es an diesem Abend im Zakk, beim exklusiven Außer-der-Reihe-Auftritt, die Musik tut. Die Musik inmitten dieser unfassbaren Hitze. An dem bislang heißesten Tag des Jahres, der drinnen im Club noch ein bisschen heißer ist als draußen, wabern die psychedelischen Elemente in den Arrangements dieser Tonkünstler um die Rauschebart-Konstanten Hans Magnus Ryan an der Gitarre sowie Bassist und Sänger Bent Saether besonders flirrend und die Luft flimmern lassend durch den Raum.

Wenn Motorpsycho spielen, dann flöten Flöten, türmen sich gigantische Gitarrenwände auf, wird das Keyboard zum Labor der Mellotron-Samples und der Bass zum unablässigen Wummer-Gewehr. Manchmal sogar im Verlaufe eines einzelnen viertelstündigen Songs. Und beizeiten, so meint man, könnte es nicht mehr allzu lange dauern — und Crosby, Stills, Nash & Young krachten mit einem Ufo durch die Wand und stiegen aus und entzündeten ein kleines aber verdammt helles Feuerchen zum folkigen Drumherumsitzen vor der Bühne. Ganz zu schweigen von diesem sich mitunter zu einer Orgie des Fingerflitzens auswachsenden Gegniedel, das Ryan da auf seinen sechs Gitarrensaiten abzieht, um das Zusammenkrachen des eben noch so schön dastehenden Motorpsycho-Turmes der Wohlmelodie zu befeuern und zu feiern.

Jazz, Rock mit einem „Prog-“, „Post-“, „Garage-“ oder „Desert-“ davor, Country, Metal, die 60er Jahre, die Gegenwart — Motorpsycho kennen keine Grenzen. Und diese Grenzenlosigkeit zelebrieren sie mit Wonne und wehender Mähne und Schweißtropfen, die sie von sich schleudern. So haben sie es nicht umsonst und grundlos zur Kultband gebracht, die bei denen, die eben nicht nur „Best of“-CDs daheim im Regal stehen haben, unantastbare Künstler für exzessive Kopfhörer-Abende, wonnevolle Arrangement-Studien und überhaupt die Ewigkeit sind.

Zugegeben: Hier und da ist der Sound ein wenig zu sehr Brei und Matsch. Aber geschenkt: Wenn Motorpsycho die Menschen später in diese noch immer unfassbar heiße Nacht und Parallelwelt vor der Türe entlassen — geplättet und körperlich gerade vom imaginären Drehwolf aus Schwitzigkeit und ausuferndem Rock in die Mangel genommen -, dann weiß jeder, der da war, was sie 2016 meinten, als sie ihr damaliges Album „Here Be Monsters“ tauften: Motorpsycho sind ein Monster. Eines, das die Zuhörer mit der Riesenpranke packt, durchschleudert und anbrüllt — und sie am Ende mit Wuschelfell und dickem Schmatzer doch feste umarmt.

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