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Deutsche Erstaufführung in Düsseldorf: David Bowie-Musical „Lazarus“: „Wenn er ansetzt, spürt man David Bowie“

Deutsche Erstaufführung in Düsseldorf : David Bowie-Musical „Lazarus“: „Wenn er ansetzt, spürt man David Bowie“

Das Musical „Lazarus“ feiert am 3. Februar in Düsseldorf deutsche Erstaufführung. Matthias Hartmann führt Regie — ein Gespräch.

Düsseldorf. Matthias Hartmann war vor 18 Jahren der Shootingstar der Theaterszene. Intendant in Bochum, Zürich und dann in der Wiener Burg, dem heiligsten Ort deutschsprachiger Schauspielkunst. Doch über Nacht war die steile Karriere des erfolgreichen Publikum-Fängers durch einen Finanzskandal beendet. Der erste, der Hartmann danach eine Regie anbot, war Wilfried Schulz, Hartmanns alter Kollege aus Hamburger Zeiten. Der Düsseldorfer Intendant engagierte ihn auch für das spektakuläre David Bowie Projekt „Lazarus“, das am 3. Februar erstmals in deutscher Sprache aufgeführt wird. Unsere Zeitung sprach mit Hartmann.

Foto: Thomas Rabsch /dpa

Herr Hartmann, Sie präsentieren jetzt mit David Bowies „Lazarus“ ihre dritte Regie in Düsseldorf. 2000 bis 2005 waren Sie Intendant in Bochum. Freuen Sie sich darauf?

Matthias Hartmann: Ja, damals hatte Bochum im alten NRW-Theaterstreit zwischen Ruhrgebiet und Rheinland die Nase vorn, heute hat Düsseldorf das bessere Theater.

Wie erklären Sie sich Ihren Erfolg in Bochum damals und heute hier?

Hartmann: Ich fühle mich mit den Sehnsüchten der Menschen verbunden, möchte mit ihnen Kontakt aufnehmen und sie nicht belehren.

Als Hauptdarsteller, in der Rolle des nicht sterben könnenden ‚Newton’, wählten Sie Hans Petter Melø Dahl. Warum?

Hartmann: Er ist ein vielseitiger, großartiger Künstler, der in der ganzen Welt tourt. Den Norweger mit Wohnsitz in den Niederlanden und seine ‚Needcompany’ kenne ich aus Produktionen während meiner Intendantenzeit in Zürich und an der Wiener Burg. Hans Petter hat seine ganz eigene Stimme, imitiert nicht David Bowie. Aber, wenn er zu den Songs ansetzt, spürt man Bowie.

Ihre erste Begegnung mit Bowie?

Hartmann: Das war während meiner Internatszeit in England. Ich besaß zwar eine Platte von Bowie, hörte aber eher die Beatles. Die Abgründe, in die Bowie damals vordrang, versetzten mich in Angst und Schrecken. Dennoch nahm ich das Angebot von Intendant Wilfried Schulz an, „Lazarus“ zu inszenieren, denn ich hatte durchaus verstanden, dass Bowies Musik aufregend komplex sein kann, die Melodien und Rhythmen sehr anspruchsvoll. Das Ganze will keine gute Kunst sein, ist es aber.

Und die Songs?

Hartmann: Es kommen viele Klassiker wie „Heroes“, „Life on Mars“ oder „Changes“ vor. Daneben gibt es vier Songs — „Lazarus“, „No Plan“, „Killing A Little Time“ und „When I Met You“ — die Bowie eigens für das Musical komponiert hat.

Sie erzählen von Schmerz und haben eine besondere Tiefe. Ist „Lazarus“ überhaupt ein Musical?

Hartmann: Nicht im traditionellen Sinn, wie etwa „Cats“ oder „König der Löwen“, aber das Stück spielt mit dem Genre Musical. Beim ersten Lesen habe ich nur wenig verstanden, denn es gibt kein narratives Bett, in das man sich als Regisseur legen kann. Stattdessen wird in großen, archaischen, assoziativen Bildern von einem Rockstar und Künstler erzählt, der weiß, dass er bald sterben wird.

Wer tritt noch auf?

Hartmann: Da gibt es ein älteres Ehepaar, das die Liebe verloren hat, und ein jüngeres, das seine Verliebtheit und sexuelle Begierde voll auslebt — ihre Welten prallen aufeinander. Daneben gibt es viele Freaks, einen Mörder und eine obsessiv in Bowie alias Newton verliebte Assistentin.

Also doch ein Drama?

Hartmann: Nicht direkt, eher ein Puzzle von Szenen. Ich verstehe „Lazarus“ als ein Requiem von und für David Bowie. Wir sehen, wie sein Verstand zerfällt, wie der Tod immer näher rückt. Denn für Bowie ging es um das Sterben und das große Unbekannte danach: Kurz nach der New Yorker Uraufführung starb er an Leberkrebs.

Hat sich im Text der irische Dramatiker Enda Walsh gegen den Musiker Bowie durchgesetzt?

Hartmann: Nein, Walsh hat sich Bowie ganz ergeben. Genauso wie ich es auch tue. Ich erzähle keine eigene Geschichte wie ich es vielleicht mit einem Shakespeare-Drama oder einer Opern-Inszenierung tun würde, sondern sehe mich als Vermächtnis-Verwalter, als Medium oder Instrument, um die Sache so über die Rampe zu bringen, dass es Bowie gefallen würde. Das ist für mich als Regisseur der Maßstab.

Hätten Sie „Lazarus“ auch an der Wiener Burg herausgebracht?

Hartmann: Wahrscheinlich wäre ich nicht auf die Idee gekommen, denn die kam in diesem Fall von Wilfried Schulz und seinem Team. Schulz war es auch, der mir als erster nach dem Kladderadatsch an der Wiener Burg eine Regie anbot.

Wie haben Sie den Rauswurf aus dem Burgtheater verkraftet?

Hartmann: Aus rechtlicher Sicht bin ich vom Korruptions-Vorwurf befreit, das steht fest. Persönlich muss ich noch lernen, politische Dinge, die entschieden sind, zu verkraften. Ich, der die Korruption aufdeckte, sollte der Sündenbock sein. Versagt haben aber die politischen Aufsichtsgremien. Bis heute jedoch hat sich keiner der Herren bei mir entschuldigt.