Das tragische Ende einer großen Liebe

Das tragische Ende einer großen Liebe

Rentner wollte seine kranke Ehefrau erlösen und brachte sie um.

Düsseldorf. Mit einem Spezialgriff, den er bei den DDR-Grenzsoldaten gelernt hatte, brachte Rentner Ludwig H. (71) seine 65-jährige Ehefrau um. Seit Dienstag muss er sich wegen Totschlags vor dem Landgericht verantworten. H. schilderte, wie er seine Ursula kennenlernte, erzählte von 35 glücklichen Jahren, bis zu der Nacht im September 2012, als er keinen anderen Ausweg mehr wusste.

Als junger Mann war der gelernte Zimmermann aus der DDR in den Westen geflüchte, er fasste hier schnell Fuß. Er erinnert sich noch an den Tag, als er seine Ehefrau bei einer Zugfahrt von Minden nach Düsseldorf kennenlernte. Es war Liebe auf den ersten Blick, 1967 wurde geheiratet, im gleichen Jahr kam der Sohn zur Welt, wenig später die Tochter. „35 Jahre war alles in Ordnung“, so Ludwig H., das Ehepaar war im Kegelclub und im Kleingartenverein aktiv, hatte viele Freunde und keine finanziellen Sorgen.

Vor zwölf bis dreizehn Jahren gab es das erste Anzeichen, dass mit Ursula H. etwas nicht stimmte, offenbar litt sie an Depressionen. Dass sie die mit Alkohol bekämpfte, fand Ludwig H. erst heraus, als seine Frau nachts auf der Toilette zusammenbrach — die Enkeltochter hatte sie gefunden.

Den Schnaps hatte sich die gelernte Krankenschwester heimlich besorgt. Von da an ging es gesundheitlich bergab, Ursula H. zog sich immer mehr zurück, wollte keine Freunde mehr sehen. Einen schweren Armbruch ließ sie nicht behandeln, weil sie panische Angst vor Ärzten hatte. Später fiel sie beim Gehen immer wieder hin. Der Angeklagte: „Wir haben in der ganzen Wohnung Kissen geklebt, damit sie sich nicht verletzt.“

Zuletzt musste der Rentner seine große Liebe füttern und waschen, praktisch rund um die Uhr für sie da sein. Das einzige Vergnügen des Paares: eine Stunde am Tag wurde Mensch-ärger-dich-nicht gespielt, auch am Abend des 12. September 2012. Ludwig H. war inzwischen völlig überfordert: „Es ging nicht mehr, es musste etwas geschehen.“ Gegen 23.15 Uhr entschloss sich H., den tödlichen Griff anzuwenden, der nach wenigen Sekunden zur Bewusstlosigkeit und nach fünf Minuten zum Tod führt. Nach dem letzten Atemzug seiner Ursula sagte er: „Mein Schatz, ich komme gleich nach.“

Doch es gelang ihm nicht, sich selbst das Leben zu nehmen. Nach mehreren Versuchen rief der Rentner die Polizei: „Ich habe meine Frau erlöst.“ Der Prozess wird Mittwoch fortgesetzt.

Mehr von Westdeutsche Zeitung