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Gärten und Äcker in Düsseldorf: Das Leben in den Kleingärten geht still weiter

Gärten und Äcker in Düsseldorf : Das Leben in den Kleingärten geht still weiter

Selbst an dem sonnig-warmen Tag sieht man kaum Menschen in den Düsseldorfer Anlagen. Obwohl man hier den nötigen Abstand zum Nachbarn hat.

Der Stadtverband der Düsseldorfer Kleingärtner hat vorsorglich seine Geschäftsstelle am Stoffeler Kappellenweg für den Publikumsverkehr geschossen. Voraussichtlich bis zum 20. April. „Aufgrund der aktuellen Coronavirus-Situation wollen wir vor allem unsere Mitarbeiter schützen“, sagt Peter Vossen, der erste Vorsitzende des Stadtverbandes. Die Mitgliedervereine würden, um Menschenansammlungen zu vermeiden, natürlich ihre Jahresversammlungen verschieben, auch Vereinsfeste finden ebenfalls nicht statt. Und auch Vossen hat mit seinen Vorstandskollegen abgesprochen, dass sie sich nur noch in wechselnden kleinen Runden treffen, um Aktuelles zu besprechen. Doch, eines betont Vossen: „Das Leben in unseren Gärten geht weiter.“

Wer also eine solche Parzelle in der Landeshauptstadt gepachtet hat, darf sie auch in diesen Pandemie-Tagen nutzen. Die WZ schaute sich am Dienstag im Südpark um, wo es unter anderem mit dem Kleingartenverein der Kriegsbeschädigten Düsseldorf-Oberbilk, den Schrebergärten des Stadtverbandes und dem Kleingartenverein Stoffeln jede Menge Terrain für die Hobbygärtner in der Stadt gibt.

Der Himmel ist wolkenlos, in der Sonne ist es so warm, dass man keine Jacke mehr anziehen muss. Herrlichste Bedingungen für einen Frühlingstag im Nutzgarten. Doch die meisten Parzellen liegen ruhig da, vereinzelt sieht man Sonnenanbeter auf Liegen dösen. Eine Frau harkt das Unkraut aus den Beeten. Zwischen Starenweg und Schwalbenweg auf dem Gelände des Kleingartenvereins Stoffeln hört man die Vögel zwitschern, die Frösche quaken und das leise Rauschen einer Fortuna-Fahne im Wind. Obwohl auch viele Familien hier Parzellen gepachtet haben, sind sie trotz geschlossener Kitas und Schulen ihren Gärten fern geblieben.

So kommt auch Edda Tewes nur kurz auf die Anlage. Sie hat hier als Kind schon viel Zeit verbracht, dort Fahrradfahren gelernt, die Parzelle der Mutter übernommen. Drei Kohlsorten, Mangold, Bohnen, Kohlrabi und Erdbeeren will sie in dieser Saison ernten. „Wir haben sogar noch aufgestockt“, erklärt die 69-Jährige. Doch auf weitere Abstecher in den Garten in den kommenden Tagen will sie verzichten und schon sind wir beim Thema Coronavirus: „Mein Mann ist Hochrisikopatient. Wenn ich mir etwas einfange, ist mein Mann tot“, sagt sie. Sie hat deshalb das größte Verständnis dafür, dass das öffentliche Leben erstmal ruhen muss.

Das haben auch Karsten Faßbender und seine Frau Xiao Su. Der Journalist und die freie Übersetzerin aber genießen den gemeinsamen freien Tag ganz bewusst in ihrem Kleingarten in Stoffeln, den sie seit zwei Jahren bewirtschaften. Faßbender sagt: „Der Kleingarten ist ideal. Wir sind an der frischen Luft, hier ist der Mindestabstand zu anderen Menschen gewährleistet und wir können uns selbst versorgen.“ Der 60-Jährige mäht gerade den Rasen, er ist auf den 300 Quadratmetern für die Bäume und die Blumen zuständig, seine Frau für die vielen Kräuter und das Gemüse.

Wegen des milden Winters hat sogar der toskanischen Palmkohl überlebt und kann geerntet werden. Im kleinen Wild-Bienenhotel herrscht schon Hochbetrieb, die Osterglocken blühen bereits in voller Pracht.

Das Paar, das in Friedrichstadt wohnt, fährt in der Saison fast jeden zweiten Tag mit den Rädern zur Kleingartenanlage und ist begeistert, was alles hier gedeiht, von Zwergnektarinen bis Mirabellen und Kirschen und auch der aus Peking vor 13 Jahren mitgebrachte Straßenhund Chuyi fühlt sich sichtlich in dieser fruchtbaren grünen Oase wohl.

Biergarten-Pächter bangt: Beerdigungscafés abgesagt

Beim Verlassen der Kleingartenanlage Stoffeln treffen wir noch auf Jutta Glöckner, der Frau des Pächters des Biergartens Stoffeln, der zum Kleingartenverein gehört. Auf der Terrasse sitzt gerade mal ein Gast. Die Tische hat der Kellner bereits in einem Abstand von rund drei Metern auseinandergerückt. Glöckner ist beunruhigt. „Wir müssen wahrscheinlich die Pacht weiterzahlen, haben aber zurzeit kaum Gäste.“ Gerade hat wieder eine für eine Beerdigung angekündigte Gruppe abgesagt, da die Beisetzungen ja nur noch in kleinstem Kreis stattfinden dürfen. Auch das gemeinsame Frühstück einer anderen Gruppe einer christlichen Gemeinde kann in ihrem Restaurant nicht mehr stattfinden.

Glöckner arbeitet seit 14 Jahren im Biergarten Stoffeln. Sie findet es nicht gut, dass es keine genauen Angaben für die Gastronomie gibt, wie man sich aktuell zu verhalten hat. Zurzeit öffnet sie ab 11 Uhr und schließt um 18 Uhr. Auch ihr zweites finanzielles Standbein, die Vermietung von Zimmern an Düsseldorfer Messegäste, ist ihr zurzeit vollständig weggebrochen.

Die Idylle, die die Kleingartenanlage beim Rundgang ausstrahlt, ist für manchen in der Coronavirus-Situation trügerisch. Das merkt man, wenn man mit den Menschen spricht. Andere aber können hier in diesen Tagen in Abgeschiedenheit auch wertvolle Kraft tanken.