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Büdchentag: Das Büdchen: „Ein Ort für alles, was der Mensch braucht“

Büdchentag : Das Büdchen: „Ein Ort für alles, was der Mensch braucht“

Ein Sozialwissenschaftler erklärt, welche Bedeutung Büdchen für eine Stadt haben.

Alexander Flohé, Lehrender für Stadtforschung an der Hochschule Düsseldorf im Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften, über Büdchen als „Ankerpunkte“ und den Büdchentag.

Herr Flohé, wie erklären Sie sich den Erfolg des Büdchentages?

Flohé: Natürlich schwingt bei dem Erfolg auch ein romantisches Bild mit. Jeder kennt ein Büdchen und verbindet damit besondere Momente: Die erste bunte Tüte, das erste Eis für die Freundin, das Wegbier vor dem besten Konzert aller Zeiten, die Milch für die nächtliche Babynahrung, das nette Gespräch zu morgendlicher Stunde. Aber diese Bilder sind keine verklärenden Bilder — so war es und so ist es noch heute. Die Büdchen haben zudem — neben der rheinischen Tradition, immer auch eine wichtige soziale, sozialintegrierende Funktion in den Städten, in den Stadtteilen. Ein Büdchen ist — etwas pathetisch gesprochen — der Ort für alles, was der Mensch braucht.

Wieso gewinnen Büdchen wieder an Popularität?

Flohé: Mit dem Bedeutungszuwachs von Stadtteilen steigt die Bedeutung von Büdchen als „Ankerpunkte“. Oft ist es ja so: Verschwindet ein Büdchen, (ver)schwinden auch nachbarschaftliche Kontakte. Man findet in den Büdchen einen Ort, wo Nähe möglich, gar gewollt ist. Dies lässt die Wichtigkeit von Büdchen wieder steigen. Man erinnere an die Debatte um den Kiosk-Pavillon auf der Kö. Auch an solchen Debatten zeigt sich, wie wichtig diese kleinen „Ankerpunkte“ sind.

Haben Büdchen auch langfristig eine Chance neben Supermarktketten in der Stadt zu überleben?

Flohé: Die Ausdehnung der Ladenöffnungszeiten sowie neue Konzepte der Supermarktketten stellen sicher einige Probleme für viele Büdchen dar. Aber beispielsweise „Rewe to go“ ist dann doch das austauschbare, sterile Konzept eines verkleinerten Supermarkts. Hier zählt eher das wortlose Kaufen und Zahlen. Im Büdchen dagegen ist man eher Gast. Individualität und Kenntnisse des Stadtteils, der Bewohner sind hier wichtig. Dazu kommt noch die Nähe — Nähe vor Ort und nahe bei den Menschen. Ich glaube, dass der Wert der Büdchen für die Menschen in der Stadt, in einem Stadtteil noch mehr anwachsen wird, weil diese Orte erzeugen auch so etwas wie Heimat.