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Das Avantgarde-Archiv bleibt wohl

Das Avantgarde-Archiv bleibt wohl

Die Galerie Remmert und Barth bietet ihre Schätze zum Jungen Rheinland zum Verkauf an. Die Stadt zieht die Reißleine, damit die Sammlung nicht abwandert.

Es war ein Schock, als im Sommer 2007 das Archiv des Galeristen Alfred Schmela ans Getty Research Institute in Los Angeles ging. Er hatte sein Geschäft 1957 mit monochromen Bildern von Yves Klein eröffnet und die wichtigsten Künstler aus der westlichen Welt nach Düsseldorf geholt. Als sich seine Tochter aus dem Rheinland verabschiedete und nach Berlin zog, machte sie den Nachlass zu Geld. Eine Niederlage für die Forschung hierzulande. Das sollte sich nicht wiederholen. Düsseldorf gründete die Zero-Foundation. Doch nun ist erneuter Handlungsbedarf erforderlich.

Herbert Remmert, Galerist

Es geht um rund tausend Dokumente und 250 Kunstwerke zum Jungen Rheinland und damit zur Avantgardekunst zwischen den Weltkriegen. Zwei Jahre lang führten die Galeristen Herbert Remmert und Peter Barth nach eigenem Bekunden Verhandlungen mit dem Museum Kunstpalast, mit dem Ziel, dass die Schätze dort eine Bleibe finden. Das Archiv besteht aus Dokumenten, Katalogen, Archivalien und Briefen sowie einer riesigen Menge an Kunstwerken zu einer einstmals jungen Künstlergeneration, die nach dem Ersten Weltkrieg die hiesige Kunstszene beflügelte. Die Zeitspanne reicht bis zu Beginn der Naziherrschaft, wo die Avantgarde die Stadt und das Land verließ, untertauchte oder unterging.

Der inzwischen pensionierte Museumschef Beat Wismer führte für Düsseldorf die Verhandlungen. Diverse Gutachter wurden eingeholt und das Archiv von einer Werkstudentin minuziös aufgelistet. Vor seinem Ausscheiden sprach Wismer noch mit seinem Nachfolger Felix Krämer. Hierzu Herbert Remmert im WZ-Gespräch: „Krämer bestätigte die Ansicht, das Archiv gehöre ins Museum, zeitlich gesehen zwischen der Düsseldorfer Malerschule und dem Zero-Archiv. Die 1920er Jahre fehlten bislang, nun könne diese Lücke geschlossen werden.“

Doch es kam anders. Krämer stattete den beiden Galeristen von der Mühlenstraße keinen Besuch ab. Einen Gesprächstermin ließ er aus Krankheitsgründen ausfallen, so die Galeristen. Später teilte er sein Desinteresse an dem Ankauf mit. Auf Fragen der WZ erklärte er, sein Haus hätte bessere Archivalien als die Galeristen. Außerdem habe es bei Remmert und Barth einen lebhaften Handel gegeben, so dass die besten Stücke verkauft wurden.

Herbert Remmert, stets zu humorvollen Äußerungen bereit, meint: „Warum soll Krämer etwas von seinem Vorgänger übernehmen, das nicht auf seinem eigenen Mist gewachsen ist? Vermutlich interessiert ihn nicht der alte Kaffee.“

Hinter vorgehaltener Hand heißt es im Kunstmuseum, Krämer scheue einen Ankauf für eine sechsstellige Summe.

Nun ist das Junge Rheinland nicht irgendeine Künstlervereinigung, sondern ein Zusammenschluss vorwiegend von Malern, die mit dem künstlerischen Geist der wilhelminischen Zeit, mit Hurra-Patriotismus und Schlachtfeld-Mythologie brachen. Der Zusammenschluss erfolgte am 24. Februar 1919. Ende 1919 trafen Otto Pankok und Gert Wollheim mit Johanna Ey zusammen. Aus deren Kaffeestube wurde ein Zentrum der neuen Kunst. 1920 erfolgten erste Kontakte zu Otto Dix und Max Ernst. Dix bezeichnete Johanna Ey als „rettenden Engel“.

Herbert Remmert betont: „Unser Wille ist es, dass die Kunst und die Dokumente in Düsseldorf bleiben und nicht nach Amerika gehen.“ Schneller als gedacht reagiert Kulturdezernent Hans-Georg Lohe. Er erklärt: „Wir sind nun mit dem Stadtmuseum im Gespräch. Dort würde man die Archivalien gern übernehmen. Wir holen im Augenblick Gutachten ein, um die Sammlung zu bewerten. Dann gehen wir mit dem Projekt in den Kulturausschuss.“ Eine kluge Entscheidung, denn der inzwischen verstorbene Museumschef des Stadtmuseums, Wieland König, hatte als Erster diese Kunst in ein öffentliches Haus gebracht und gezielt Werke angekauft.

Die Jubiläumsausstellung zum Hundertjährigen des Jungen Rheinland ab 2. Februar 2019 im Kunstpalast am Ehrenhof bleibt bestehen. Sie wird von Key Heymer betreut, der längst zum Fachmann auf diesem Gebiet geworden ist und enge Kontakte zur Galerie in der Altstadt unterhält.