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Cyberkrimianlität: Drastische Zunahme bei Online-Betrug

Cyberkrimianlität: Drastische Zunahme bei Online-Betrug

Die Zahl der Anzeigen in Düsseldorf ist in den vergangenen zwei Monaten in die Höhe geschnellt.

Düsseldorf. Robert Schulz (Name geändert) war geschockt, als er seinen Kontostand sah: Kurz zuvor waren von seinem Girokonto mehrere tausend Euro Richtung England überwiesen worden. Der 57-jährige Düsseldorfer hatte keine Ahnung, wie die Überweisung zustande gekommen sein konnte.

Cyberkrimianlität: Drastische Zunahme bei Online-Betrug
Foto: Melanie Zanin

Doch dann fiel ihm eine E-Mail ein, die er kurz zuvor empfangen hatte. Es war eine Rechnung seines Telekommunikationsanbieters über 137 Euro, wie im Anschreiben stand. Robert Schulz hatte sich über den hohen Betrag gewundert und auf den Anhang geklickt, um die Rechnung zu sehen. Und so fing er sich einen Trojaner ein, eine für ihn unsichtbare Schadsoftware.

Bei seinem nächsten Online-Banking konnten sich dadurch Betrüger in die Kommunikation mit der Bank einklinken. Als Schulz seine Tan eingab, merkte er nicht, dass er damit eine riesige Summe verlor. Was ihn wenig trösten wird: Er ist bei weitem kein Einzelfall.

Wie am Mittwoch berichtet, häufen sich bundesweit die Fälle — auch in Düsseldorf. In den vergangenen Wochen sind die Zahlen in die Höhe geschnellt. Waren im Vorjahr noch rund 15 Anzeigen pro Monat der Normalfall, hat die Düsseldorfer Polizei seit Anfang Mai etwa 120 Anzeigen registriert. Einer von ihnen ist Wolfgang Harste, der eine Rechnung — angeblich von der Telekom — bekam und misstrauisch wurde. Die Methode war dieselbe wie bei den meisten anderen jüngsten Fällen, wie Polizeisprecher Marcel Fiebig erläutert: „Über die Anhänge werden Trojaner verschickt, beim nächsten Online-Banking schalten sich die Täter dann zwischen Bank und Kunden.“

Was der Grund für die jüngst so auffällige Zunahme an Fällen in Düsseldorf ist, dafür hat die Polizei zwar keine eindeutige Erklärung. Allerdings ist zu beobachten, dass die gefälschten E-Mails heute deutlich professioneller gemacht sind. Oft waren sie früher schon auf den ersten Blick wegen der Häufung von Fehlern als Fälschungen zu erkennen. Inzwischen wirken diese Sendungen auch vom Layout her deutlich authentischer.

Deshalb gelten laut Marcel Fiebig für Computernutzer vor allem zwei Verhaltensregeln: Sie sollten sehr gut überlegen, bevor sie Anhänge öffnen. Und ein Antiviren-Programm installiert haben.

Sollte jemand aber doch Opfer solcher Betrüger werden, ist die Rechtslage nicht eindeutig. Die Bank sei nicht automatisch haftbar, je nachdem wie fahrlässig der Kunde sich verhalten habe, sagt Stadtsparkassensprecher Gerd Meyer: „Wir prüfen das, kommen aber in der Regel zu einer kundenfreundlichen Entscheidung.“