Cross-Border-Leasing: Noch ist Düsseldorf nicht in Gefahr

Cross-Border-Leasing: Noch ist Düsseldorf nicht in Gefahr

Konzern AIG ist an hiesigen Geschäften nicht beteiligt.

Düsseldorf. Die wundersamen Geldvermehrer sind nervös geworden. Jahrelang scheffelten Kämmerer reichlich Geld mit den so genannten US-Cross-Border-Geschäften, doch jetzt drohen ihnen die hochkomplizierten Vertragswerke um die Ohren zu fliegen. Denn mit dem Finanz- und Versicherungsriesen AIG ist ein Multi ins Trudeln geraten, der viele dieser Leasinggeschäfte absicherte. Da hat Düsseldorf noch einmal Glück gehabt: "Bei keinem unserer Geschäfte ist AIG beteiligt", sagte Kämmerer Helmut Rattenhuber am Freitag gegenüber der WZ.

Seit 2001 mischt die Stadt bei den in tausendseitigen Verträgen fixierten Deals mit. Nur deren Grundprinzip ist einfach: Die Stadt verkaufte Kläranlagen und Kanalnetz für 730 Millionen Euro an einen US-Investor und leaste beides sogleich zurück. Weil der Investor nach amerikanischem Recht damit Eigentümer war, konnte er sein Investment steuermindernd abschreiben. Vom dicken Steuergewinn gab er der Stadt ab. Kurzum: Eine Luftbuchung warf Millionen ab - auf Kosten der US-Steuerzahler.

Völlige Entwarnung aber kann auch Rattenhuber nicht geben, zumal nicht nur AIG wankt: "Ich kann nur sagen: Wir haben die Geschäfte mit Banken gemacht, die noch nicht in Not geraten sind. Was in den nächsten Monaten bei dieser Finanzkrise passiert, weiß keiner." Immerhin mache er sich keine großen Sorgen, "ich glaube, wir haben das ganz gut angelegt".

Gleicher Tenor bei der Rheinbahn, die ihr Schienennetz verkauft und zurückgeleast hat (Wert: 866 Millionen Euro). Sprecher Eckehard Lander: Wir haben denselben Partner wie die Stadt. Im Moment droht da keine Gefahr, wir müssen nichts umschulden."

Andere Städte wie Bochum oder Gelsenkirchen hatten sich diese Woche hilfesuchend an den Bundesfinanzminister gewandt. Vage stellte Berlin daraufhin Hilfe der Kreditanstalt für Wiederaufbau in Aussicht, schreibt den Oberbürgermeistern freilich per Brief ins Stammbuch: "Von den Geschäften hätten die Kommunen Abstand nehmen müssen, weil sich die Risiken aufgrund der Komplexität und langen Laufzeit der Verträge nicht einschätzen ließen."

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