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Coronavirus in Düsseldorf: „Die Altstadt ist im Moment praktisch tot"

Coronavirus in Düsseldorf : Wirtin: „Die Altstadt ist im Moment praktisch tot"

Für das öffentliche Leben gelten nun strikte Vorschriften. Düsseldorfer Wirte stehen deshalb vor ungeklärten Fragen und zum Teil vor leeren Lokalen.

Die Temperaturen steigen, die Sonne scheint, der Frühling ist da. Normalerweise füllt sich da die Altstadt auch an normalen Wochentagen. Doch in diesem Jahr ist alles anders. „Die Altstadt ist im Moment praktisch tot. Vor einer Woche hätte ich das noch nicht für möglich gehalten“, sagt Isa Fiedler, die Sprecherin der Altstadtwirte. Nachdem die Stadt beschlossen hat, dass alle Gaststätten, die keine Speisen zubereiten, geschlossen werden müssen, sind fast alle Betriebe an der längsten Theke der Welt dicht. Rund 80 Gastronomen kamen am Sonntag zu einer spontanen Wirteversammlung ins Sir Walter. Auch die meisten Restaurantbesitzer hätten lieber eine klare Regelung, um Schadensersatzansprüche geltend machen zu können.

Bis zum 19. April müssen alle „getränkelastigen“ Betriebe schließen, hat die Stadt angeordnet. Das betrifft Bars, Bierkneipen und Musiklokale. Gastronomien mit eigener Zubereitung von Speisen dürfen weiter öffnen, müssen aber zum Beispiel einen Mindestabstand von 1,50 Metern zwischen den Tischen einhalten, Theken-Situationen sind untersagt. Das finden nicht alle gut. „In Köln wurden auch die Restaurants geschlossen. Das war konsequent“, sagt Isa Fiedler. Auch die Mehrheit der Restaurantbesitzer sprach sich auf der Wirteversammlung für eine Schließungsverfügung aus. Denn nur dann können sie einen Anspruch auf Schadensersatz stellen. Auch dort bleiben zurzeit die Gäste weg. „Man kann nicht mehr wirtschaftlich arbeiten“, erklärt die Sprecherin der Altstadtwirte.

Vieles allerdings ist noch unklar. Die Entschädigung soll über den Landschaftsverband erfolgen. Die Betriebe sollen sechs Wochen lang ihr Personal weiter bezahlen und bekommen die Kosten erstattet. Isa Fiedler: „Wir hoffen, dass alle ihr Versprechen halten.“ Dann habe man Chancen, die Krise mit ein paar blauen Flecken zu überstehen.

Doch noch lange sind nicht alle Fragen geklärt. „Wir wissen zum Beispiel nicht, was mit der Pacht ist. Das sind bei mir 23 000 Euro plus Mehrwertsteuer“, sagt Peter Klinkhammer, Wirt von „Dä Spiegel“ an der Bolkerstraße. Außerdem sei nicht geregelt, was mit den Aushilfen passiert: „In der Woche komme ich mit zwei bis drei Leuten aus, die fest angestellt sind. An den Wochenenden brauche ich zehn.“ Er hofft, dass die Maßnahmen bis zum 19. April Wirkung zeigen, „spätestens bis Anfang Mai“. Dann könne man noch vieles aufholen.

Vor den Ständen auf dem Carlsplatz bilden sich noch Schlangen. Foto: Dominik Lauter

Dramatisch ist die Situation aber nicht nur für die Gastronomen selbst. Wo Live-Musik gemacht wird, sind auch die Künstler betroffen. Enrico Palazzo ist Musiker und Veranstalter, der unter anderem an jedem Donnerstag Akustik-Konzerte im Hühnerstall organisiert: „Ich habe erstmal alle Veranstaltungen bis zum 19. April abgesagt. Das bedeutet für mich einen Verlust im vierstelligen Bereich.“ Für die Künstler, die auf die Gage angewiesen sind, sei das hart. Ob sie eine Chance auf Entschädigung haben, sei im Moment unklar.

Uerige-Baas Michael Schnitzler bewahrt erst einmal die Ruhe: „Zum Glasverbot habe ich sieben Seiten von der Stadt bekommen. Bisher habe ich noch nichts Schriftliches. So lange läuft der Betrieb normal weiter.“ Er will abwarten, was in den nächsten Tagen beschlossen wird.

„Wir haben merkliche Einbußen“, berichtet Tanja Herenda. Sie ist die Chefin der „Kasbah“. Im Café nahe dem Rheinufer ist ein freier Platz oft hart umkämpft. Seit Ende der vergangenen Woche merke man allerdings die Auswirkungen des Coronavirus. „Noch haben wir geöffnet“, sagt Herenda. Wie lange das so bleibt, wisse sie aber nicht. Sie richte sich dabei nach den Beschlüssen des Hotel- und Gaststättenverbandes. „In diesen Zeiten müssen alle Gastronomen stark sein.“ Schön sei allerdings die Solidarität unter den Gastronomie-Besitzern. „Man hilft sich gegenseitig.“

Erste Konsequenzen zog die Bäckerei Hinkel nahe des Carlsplatzes. Zwei Hinweisschilder an der Tür weisen die Kunden auf eine neue Regelung hin: Der Verkaufsbetrieb wird von nun an in zwei Schichten geregelt. Eine 30-minütige Pause am Vormittag dient dem Wechsel. Gründe dafür seien die Eindämmung der Krankheit und die Aufrechterhaltung der Lebensmittelversorgung. Zudem sollen die „Arbeitsplätze gesichert werden“.

Nicht ganz so beengt geht es auf dem Carlsplatz zu. Maral Rosenbaum arbeitet in der Berliner Ecke auf dem Carlsplatz. „Wir haben hier schon frühzeitig Einweghandschuhe bestellt“, erzählt sie. Der Beweis folgt: fünf Packungen mit jeweils 200 Handschuhen lagern im Schrank. Der Stand wird vorerst weiterhin geöffnet bleiben, immerhin gehöre der Imbiss zur Versorgung der Bevölkerung, so Rosenbaum.

Das Café „Kasbah“ hat seit Ende der vergangenen Woche rückläufige Besucherzahlen. Das gute Wetter lockte dennoch einige ins Café. Foto: Dominik Lauter

Auch an den anderen Ständen auf dem Carlsplatz unterhält man sich über das Thema, das das öffentliche Leben momentan so drastisch einschränkt. „Wie läuft es?“, fragt eine Kundin zur Begrüßung die Verkäuferin eines Blumenstandes. Im Laufe des Gesprächs zeichnen sich auf beiden Seiten Sorgenfalten auf der Stirn ab. Auch Ingrid Waludis unterhält sich viel mit ihrer Kundschaft. Ihr Obststand ist gut gefüllt, berühren sollen die Kunden die Ware allerdings nicht mehr. Das dürfe nur noch sie selbst mit ihren Handschuhen.

An der Hunsrückenstraße sind die Folgen des Virus zu spüren, zum Beispiel in der Casita Mexicana und bei der Kaffee-Kette Woyton. Beide Betriebe seien laut eigenen Angaben aktuell weniger stark besucht. Daher wurden auch die Öffnungszeiten deutlich verkürzt. In der Regel sind während der Mittagszeit beide Betriebe gut gefüllt, allerdings sieht es seit dem Wochenende anders aus.

Diese Erfahrung teilt der Schichtführer der dortigen Filiale der Fast-Food-Kette Burger King. Im Vergleich zu den vorherigen Wochen habe die Besucherzahl stark abgenommen. Das mache sich bereits bei den Umsätzen bemerkbar. Zu den Stoßzeiten seien rund 70 Prozent weniger Besucher da als üblich, sagt er.

An anderer Stelle wirkt sich der Frühling positiv aus. Das gute Wetter lockt die ersten in die Eis-Cafés oder ans Rheinufer. Bei „Dean & David“ gibt es seit dieser Woche Außenplätze, sie alle sind besetzt. In der Pizzeria Lupo hat man ebenfalls alle Hände voll zu tun, wie einer der Kellner schnell erklärt – bevor er die nächsten Pizzen aushändigt.