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Corona-Virus: Omikron in Düsseldorf vorherrschende Variante

Corona-Pandemie in Düsseldorf : Omikron hat sich durchgesetzt

Forscher der Uniklinik untersuchen bereits seit 2020, welche Virusvariante gerade welchen Anteil an den Neuinfektionen hat. Die Daten zeigen, mit welcher Wucht sich Omikron durchgesetzt hat.

Die Omikron-Variante des Coronavirus (B.1.1.529) ist auch in Düsseldorf längst vorherrschend; sie hat sich schon in der ersten Januarhälfte gegenüber der bis dahin vorherrschenden Delta-Variante durchgesetzt. Welche Virusvariante gerade für welchen Anteil der Corona-Infektionen verantwortlich ist, ist wohl in kaum einer deutschen Stadt so gut und präzise untersucht wie in Düsseldorf. Denn bereits 2020 hatten Virologen und Mikrobiologen der Uniklinik mit der Stadt Düsseldorf ein Forschungsprojekt aufgelegt, bei dem ein signifikanter Anteil der positiven Corona-Abstriche genau sequenziert wird.

Anfangs habe man versucht, täglich etwa 50 Prozent der positiven Ergebnisse zu untersuchen, sagt Torsten Houwaart vom Institut für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene – inzwischen ist das bei der Vielzahl der neuen Fälle aber kaum noch möglich. Rund 15 000 Ergebnisse sind bisher zusammengekommen, täglich werden es mehr. „Diese Daten sind etwas Einmaliges“, sagt Houwaart.

Ein Blick auf die Auswertung offenbart die steile „Omikron-Wand“: Der Anteil dieser Variante an allen Infektionen stieg sogar noch etwas schneller an als zuvor derjenige der seit Sommer 2021 vorherrschenden Delta-Variante. Anfang Dezember meldete die Stadt Düsseldorf den ersten nachgewiesenen Fall, inzwischen nähert sich ihr Anteil den 100 Prozent an, während die vorher vorherrschende Delta-Variante schon wieder fast vollständig verschwunden ist.

Bei der ersten als besorgniserregend eingestuften Variante Alpha (zuerst als „britische Variante“ bezeichnet; in Düsseldorf Mitte Oktober 2020 erstmals nachgewiesen) war der Anstieg noch langsamer und weniger stetig verlaufen. Sie verschwand bis September 2021 quasi vollständig. Die zwischenzeitlich aufgetauchten Varianten Beta und Gamma sind in Düsseldorf nur zu einem sehr geringen Anteil überhaupt ermittelt worden, dann aber schnell wieder verschwunden – kein Vergleich mit der rasanten Durchsetzungskraft, die die steile Omikron-Kurve zeigt.

„Und die Kurve beschreibt ja nur den prozentualen Anteil, aber nicht die absolute Zahl der Infektionen“, betont der Direktor des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum, Jörg Timm. Sonst wäre der Anstieg optisch noch viel steiler: Denn mit der hochansteckenden neuen Variante ist auch die Gesamtzahl der Ansteckungen in Düsseldorf deutlich angestiegen, am Donnerstag wurden 753 Neuinfektionen verzeichnet.

„Es zeigt sich, dass die Variante im Vergleich zu Delta deutlich infektiöser ist, auch in einer grundimmunisierten Bevölkerung“, so Timm. Schon bei Delta habe man geglaubt, dass hinsichtlich der Infektiösität „kaum noch Luft nach oben“ sei – Omikron bewies jedoch das Gegenteil. Und natürlich, sagt Timm, werde es auch in Zukunft weitere Virusvarianten geben, die wiederum die aktuell vorherrschende verdrängen könnten.

Einerseits belegt die aktuelle Situation damit aus Sicht der Forscher, dass man das Virus kaum „von der Erde wegimpfen“ könne, wie es Timm ausdrückt. Dennoch erfüllten die Impfungen einen entscheidenden Zweck, denn sie verhinderten schwere Verläufe und damit auch ein Volllaufen der Intensivstationen in den Krankenhäusern.

„Wir sind nicht an einem Punkt angelangt, an dem wir sagen können, dass wir es jetzt einfach durchrauschen lassen – auch wenn die Forderung jetzt vermehrt zu hören ist“, sagt der Virologe. Eine unkontrollierte Durchseuchung der ungeimpften Bevölkerung würde die medizinischen Systeme über Gebühr belasten: „Und wir haben ja auch noch eine Menge offener Fragen hinsichtlich der Auswirkungen beispielsweise auf Kinder.“

Ein wesentliches Ziel der Sequenzierung ist übrigens die Ermittlung von Infektionsketten in Zusammenarbeit mit dem städtischen Gesundheitsamt – für die die Proben noch weitaus genauer bestimmt werden als hinsichtlich der groben Variante. Das Genom des Virus besteht aus rund 30 000 Basen; und schon wenn nur zwei davon abweichen, lässt sich aus dieser Eigenschaft auf die Verbindung zu einer anderen Infektion schließen, die die gleichen Abweichungen aufweist. „Für das Gesundheitsamt ist das im Zusammenspiel mit der Kontaktnachverfolgung entscheidend“, sagt Jörg Timm. Und so ist es etwa auch denkbar, dass eine Corona-Infektion quasi im Genom gleich die Information beinhaltet, auf welcher heimlichen Party er sich bei wem angesteckt hat.

Aber über diese Aspekte betont Timm, hat die Uniklinik keine Informationen.