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Corona verunsichert die Schulgemeinden in Düsseldorf

Corona verunsichert die Schulgemeinden : Düsseldorfer Schulen suchen nach Lösungen

Während viele Lebensbereiche heruntergefahren werden, geht der Schulbetrieb weiter. Doch Dauerlüften in Klassenräumen und fehlender Abstand sorgen für Diskussionen. Die Stadt prüft die Anschaffung von Raumluftgeräten.

Knapp eine Woche nach dem Schulstart ringen Schüler und Lehrer um den richtigen Umgang mit der Pandemie. Während die Infektionszahlen nach oben schnellen und ein teilweiser Lockdown die Stadt und das Land in einen ungewollten Ruhemodus versetzt, soll der Schulalltag möglichst weitergehen. Dabei gibt es offene Fragen. Die Sehnsucht nach präziseren Antworten wächst.

Das Lüften

Dreimal pro Stunde sollen Lehrer und Schüler die Fenster aufreißen. Die meisten tun das auch, um angesichts der Bedeutung von Aerosolen eine mögliche Virenlast niedrig zu halten. Die Kehrseite der Medaille: Es wird kalt in Düsseldorfer Schulen. „Zum Unterrichtsbeginn ist es am wärmsten, mittags herrscht in den Räumen praktisch Außentemperatur“, sagt Sandra Albers. Die Lehrerin an der St.-Benedikt-Hauptschule in Stadtmitte hat deshalb in dieser Woche die Notbremse gezogen und ihren Siebtklässlern Fleecejacken spendiert. Die hängen nun über jedem Stuhl und werden bei Bedarf umgelegt. „Insbesondere für Schüler, die nah am Fenster sitzen, ist es eine Zumutung und der richtige Winter kommt ja erst noch“, sagt die 45-Jährige.

Eine Art Dauerlüften im Winter findet auch Schuldezernent Burkhard Hintzsche nicht optimal. Aktuell testet die Stadt Raumluftgeräte verschiedener Hersteller, die dabei helfen, die Luft in Klassenräumen und Hallen virenfrei zu halten. „Es gibt eine Testinstallation, zudem wollen wir bestehende Anlagen in Sporthallen nachrüsten.“ Der Spitzenbeamte kritisiert, dass Bund und Land noch keinerlei Geräteempfehlungen abgegeben haben: „Wir leisten hier als Kommune Pionierarbeit, dabei gibt es bundesweit etwa 10 000 Schulträger.“

Tatsächlich liegen die Tücken im Detail. „Solche mobilen Geräte kann ich nur aufstellen, wenn sie nicht zu laut sind“, sagt Monika Maraun, die die Paulusschule in Düsseltal leitet. Und Hintzsche ergänzt: „Eine Luft ganz ohne Viren könnte nach Einschätzung von Experten im schlimmsten Fall Allergien auslösen oder sogar das Immunsystem auf Dauer schwächen. Diese Geräte wären ja länger im Einsatz.“

Die Klassengrößen

Dass die Schulen trotz gestiegener Infektionsrisiken keinen neuen Lockdown erleben, wird in den Schulgemeinden einhellig begrüßt. Aber die schlichte Rückkehr in den vorher üblichen Präsenzunterricht mit 30 Jungen und Mädchen in einem Raum sorgt für Unmut. „Wir hatten vor den Sommerferien ein zweigleisiges System entwickelt, bei dem die Klassen geteilt wurden. Die eine Hälfte kam von 8 bis 11, die andere im Anschluss“, erzählt Sandra Albers. Wer nicht vor Ort war, wurde digital und auf Distanz unterrichtet. „Die Lerngruppen waren halb so groß, es gab mehr Abstand und das ist mindestens so wichtig wie das dauerhafte Tragen der Masken. Man fühlte sich sicherer.“

Eine andere Sitzordnung fände auch Melike Marangoz gut. Die 18-Jährige geht in die Stufe Q2 der Dieter-Forte-Gesamtschule in Eller. „Mehr Abstand wäre mir wichtig. Ich fände es besser, wenn wir die Gruppentische durch Sitzreihen oder Einzeltische ersetzen würden“, sagt sie. Einen Wechsel zwischen Präsenz- und Distanzzeiten, um Gruppen zu verkleinern, lehnt sie aber ab. Das sieht ihr Mitschüler Mark Kleinwächter genauso: „A- und B-Wochen funktionieren bei jüngeren Jahrgängen, aber auf der Zielgeraden zum Abi müssen wir in der Schule lernen.“

Eine intensive Debatte um den Schutz vor einer Infektion hält auch Monika Maraun für geboten. „Ich war schon überrascht, als nach einem Corona-Fall in der betreffenden Klasse nur etwa die Hälfte der Eltern ihre Kinder hat testen lassen“, sagt die Pädagogin, die auch Sprecherin der Grundschul-Gruppe in der Lehrergewerkschaft GEW ist. „Lehrer und Schüler wollen sich im Unterricht sicher fühlen.“