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Corona treibt die Einführung der digitalen Lernplattform in Düsseldorf voran

Digitalisierung : Corona treibt die Einführung der digitalen Lernplattform voran

Die Lernplattform itsLearning unterstützt Home Schooling. Einige Schulen in Düsseldorf sammeln bereits Erfahrung.

Seit mehr als sechs Wochen sind für die meisten Schüler und Schülerinnen die Schulen noch immer geschlossen. Der Unterricht wird mit mehr oder weniger engagierten Methoden in die Familien verlagert. Dabei hängt es nicht nur von der Schule ab, wie den Kindern Mathe, Deutsch und Englisch beigebracht wird, sondern auch, was einzelne Lehrer sich einfallen lassen. Die einen verschicken Wochenpläne per Mail, andere verteilen persönlich Arbeitsmaterialien und kleine Aufmerksamkeiten, wieder andere drehen ein Video, um ihren Schülern Aufgaben zu erklären. Die vielbeschworene Digitalisierung des Unterrichts wäre jetzt eine enorme Hilfe – in Düsseldorf bekommt sie durch die Corona-Krise einen Schub.

Die Stadt bietet deshalb früher als geplant eine digitale Lernplattform an. Die Plattform mit dem Namen „itsLearning“ wird bereits in Städten wie Bremen und München eingesetzt und ist über Endgeräte wie Tablet-PCs oder Handys nutzbar. Die digitale Plattform ging bereits eine Woche nach der Schulschließung an den Start. Doch wie häufig, wenn es schnell gehen soll, läuft es nicht immer reibungslos: In Düsseldorf gibt es 78 000 Schüler an 150 Schulen. Zusammen mit den Daten der Lehrkräfte müssen etwa 80 000 Datensätze eingepflegt werden.

Mehrere Schulen berichten, dass sie sich in der Warteschleife zur Eingabe der Nutzerdaten befinden - wenn sie überhaupt schon die Einverständniserklärung aller Eltern zur Nutzung der Daten haben. Bis Dienstagmorgen hatten sich nach Angaben des Schulverwaltungsamtes insgesamt 143 Schulen angemeldet, etwas mehr als die Hälfte haben bisher Nutzerdaten hochgeladen. Welche Schule in welchem Umfang die Plattform nutzen, konnte das Schulverwaltungsamt nicht sagen.

Die Chat-Funktion im System erlaube Nachfragen

Eine der ersten Schulen, die itsLearning in der Home Schooling-Praxis einsetzt, ist das Humboldt-Gymnasium Düsseldorf. „Die Plattform ist komfortabel und deshalb gerade für jüngere Schüler geeignet“, sagt die stellvertretende Schulleiterin Sabine Frerking. Die Schüler müssten nicht mehr aus einer E-Mail heraus auf andere Programme zugreifen. In der digitalen Lernplattform ist alles eingebettet: für jede Klasse können Lehrer einen eigenen Kurs anlegen, Arbeitsblätter sowie Audio- und Videodateien einfach integriert werden. Die Chat-Funktion erlaube Nachfragen. Lehrer können Schülern unterschiedliche Aufgaben stellen und Schüler können auf der Plattform zusammenarbeiten. „Das ist gut handhabbar, auch wenn es keinen Vorlauf gegeben hat“, sagt Frerking. Ein Ersatz für Präsenzunterricht sei die Plattform aber nicht.

Das gilt besonders für die Grundschule. „In den Klassen 1 bis 4 brauchen die Schüler noch Unterstützung von den Eltern“, sagt Britta Kuhlen, Leiterin der Heinrich-Heine-Grundschule. Das gelte aber auch für Aufgaben mit Papier und Stift. „Wir sind froh, dass wir die Plattform haben“, sagt Kuhlen. Ihm ist wichtig, dass die Plattform sicher ist und die Daten in der richtigen Cloud landen. Das Kollegium nutze die Funktionen von itsLearning unter anderem um Erklärvideos zu drehen. Am Donnerstag soll eine Konferenzfunktion dazukommen. „Es ist gerade für die jüngeren Schüler wichtig, dass sie ihre Lehrer sehen und hören“, sagt Kuhlen. „Die Plattform eröffnet uns Möglichkeiten, die wir sonst nicht hätten.“ Die Lehrer mussten das neue System erst einmal „durchdringen“, weitere Anfangsschwierigkeiten gab es nach Angaben von Kuhlen nicht.

Corinna Liborius, IT-Beauftragte an der Georg-Schulhoff-Realschule, beobachtet, dass die Lernplattform den Austausch fördert. „Ich habe pro Tag 20 bis 30 Abgaben von Schülern und zahlreiche Nachrichtenchats“, sagt die Lehrerin für Informatik und Mathematik. Als sie vor den Osterferien per Mail kommuniziert habe, kam fast nichts zurück. „Eine E-Mail ist für die Schüler wie für uns ein Tonband“, sagt sie. Im Chat könnten sich Schüler aber auch gegenseitig helfen oder im Englischunterricht mit der ganzen Klasse auf Englisch chatten. Die Plattform eröffnet wahnsinnig Möglichkeiten“, so Liborius, die nicht erwartet hatte, dass „die Lehrer alle mitziehen“.  Zu Anfang habe es etwas gehakt, weil es doch dauerte, die Daten einzupflegen. Aber seitdem die Schule das Programm nach den Osterferien nutze, sei es durch die Decke geschossen. „Es ist viel einfacher als ich gedacht habe.“