Circus Roncalli ersetzt Tiere durch Hologramme

Circus Roncalli ersetzt Tiere durch Hologramme

Ab Ende Mai gastiert der Circus Roncalli in Düsseldorf. Chef Bernhard Paul verzichtet auf lebende Tiere in der Manege - aus Tierschutzgründen.

Bernhard Paul war mit seinem Zirkus und in seinen Gedanken schon immer ein wenige seiner Zeit voraus. Wohl auch ein Grund dafür, warum er mit seinen Shows so erfolgreich ist. Das neue Programm, mit der der 70-Jährige seit März auf Tour ist, "Storyteller: Gestern-Heute-Morgen“, verzichtet komplett auf lebende Tiere. Schon bei der letzten Tour gab es nur noch eine Nummer mit Pferden und Ponys. „Es ist eine Entscheidung für den Tierschutz. Es entspricht auch einfach nicht mehr dem Zeitgeist, Tiere in der Manege auftreten zu lassen“, sagt der Zirkusdirektor.

Aber der Schwerpunkt lag bei Roncalli auch noch nie auf den klassischen Tiernummern. „Bei uns standen immer Clowns und Gefühle im Vordergrund.“ Auf Pferde braucht man aber nicht ganz zu verzichten. Es treten Menschen in Pferdekostümen auf und mit einer kleinen technischen Sensation gibt es Pferde als Hologramme zu bewundern. „Dafür haben wir elf Hochleistungsbeamer mit einer Leistung von 88 000 Pixel angeschafft. Zum Vergleich: Ein Full HD Fernseher hat etwa 1980 Pixel“, erklärt der PR-Chef Markus Strobl.

(Quincy Azzario verbiegt in der Vorstellung ihren Körper. Foto: Roncalli)

Als Einknicken vor der Tierschutzorganisation Peta will Paul die Maßnahme aber nicht verstanden wissen. „Es ist meine eigene Entscheidung. Und an einigen Standorten haben wir einfach nicht genug Platz, um Tiere zu halten.“ Aber weil er ein Mann klarer Worte ist, hat er noch kritische Worte für Peta übrig. „Sie halten dauernd Schilder mit ’Zirkus ist Tierquälerei’ hoch. Das ist völliger Blödsinn und hat ungefähr die gleiche Qualität, als würden Schilder mit der Aufschrift ’Jeder Ausländer ist kriminell’ in die Luft gehalten.“

Aber auch in einer anderen Beziehung wird der Zirkus in der Zukunft neue Maßstäbe setzen und auf Nachhaltigkeit setzen. Plastikbesteck und —geschirr wird komplett aus dem Zirkus verbannt und gehört der Vergangenheit an. Auch im Catering hat sich einiges getan. Zwar gibt es auch noch die klassische Bratwurst, aber auf der Speisenkarte stehen auch vegane und vegetarische Gerichte. „Die normale Cola gibt es zwar auch noch. Aber nur auf Nachfrage.“

Am 25. Mai ist die große Premiere. Bis zum 24. Juni werden an 23 Spieltagen insgesamt 45 Shows gespielt. Doch schon am 17. Mai beginn der Aufbau und die Zirkuswagen, unter denen sich auch wieder viele historische Wagen befinden, machen sich bereits am 21. Mai auf den Weg von Köln nach Düsseldorf. 134 Erdnägel, je vier Kilogramm schwer und 120 cm lang werden für das Zelt in den Boden geschlagen. Damit hält es Windgeschwindigkeiten bis 150 km/h aus. 1499 Menschen passen pro Vorstellung hinein. Beleuchtet wird es mit über 10 000 Glühbirnen. Fünf Kilometer Kabel, drei Kilometer Wasserleitung und 1,5 Kilometer Abwasserschläuche werden verlegt. 120 Mitarbeiter beschäftigt der Zirkus.

Das Programm kann sich sehen lassen. Paul verspricht magische Momente. Mike Chao wird das Publikum mit Fingerfertigkeiten begeistern und das inzwischen legendäre Duo Vik und Fabrini zeigt was passiert, wenn ein Bühnenzauberer auf eine menschgewordene Puppe trifft. Für Comedy sorgen Robert Wicke und Kai Eickermann.

(Bernhard Paul mit seiner Entdeckung, Clown Chistirrin (r.) aus Mexico, und seiner Verlobten Ghylaine. Foto: Andreas Krüger)

Pauls Neuentdeckung Chistirrin aus Mexico verkörpert als Clown eine Mischung aus Till Eulenspielgel und Max und Moritz. Mit seiner frischen Art erobert er die Herzen des Publikums. Kong Haitao ist die akrobatische Sensation und der Goldmedaillengewinner beim 39. internationalen Nachwuchsfestival „Cirque de Damain“ in Paris.

Karten für den Cirkus Roncalli kosten zwischen 14,20 und 73,60 Euro.

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