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Düsseldorf: Christopher Street Day: Bunte Party mit ernstem Anliegen

Düsseldorf : Christopher Street Day: Bunte Party mit ernstem Anliegen

Tausende CSD-Teilnehmer haben mit einem Umzug für mehr Toleranz demonstriert. Auch die Kirchen waren präsent.

Düsseldorf. Am Wochenende gehörte das Rheinufer ganz der homosexuellen Szene. Von Freitag an sorgte der 12. Christopher Street Day für Aufsehen — und somit für genau das, was sein Anliegen ist. „Wir wollen zeigen, dass wir überall sind, dass wir uns nicht verstecken müssen“, sagt Organisator Kalle Wahle.

Und das CSD-Wochenende war eines mit vielen kleinen Sensationen. Das fing schon am frühen Freitagabend an, als der Startschuss zum bunten Treiben in der katholischen Josephskapelle gegeben wurde. „In den vergangenen Jahren habe ich mich nicht mal getraut, daran zu denken, in einer katholischen Kirche zu beginnen“, sagt Wahle. Doch durch den Abschied Kardinals Meisners in Köln habe sich einiges verändert. „Das freut uns natürlich sehr.“

Nicht die einzige Veränderung zu den Vorjahren. Beim CSD im vergangenen Jahr hatte Thomas Geisel — damals noch OB-Kandidat — öffentlich versprochen, in diesem Jahr die Regenbogenflagge am Rathaus zu hissen. Sein Versprechen hielt er und ging sogar noch weiter. Eine große Regenbogenfahne tragend ging er sogar selbst bei der Großdemonstration am Samstag mit — mittendrin zwischen zahlreichen Schwulen, Lesben und Transsexuellen.

Ebenfalls mittendrin: die Besucherinnen Jenny Neumann und Diana Redlich aus Düsseldorf. Sie finden toll, was beim CSD geschieht, gehen gerne bei der Demonstration mit. Und wollen allen zeigen, dass es ihnen ganz egal ist, wen ein Mensch liebt. „Das ist eine wichtige Botschaft, für die es sich lohnt, auf die Straße zu gehen“, sagt Neumann.

„Solange das noch nicht vollends in den Köpfen angekommen ist, werden wir weiter demonstrieren.“ Erstmals war in diesem Jahr auch die evangelische Jugendkirche mit zwei Vertretern bei der Demo dabei. „Wir wollen zeigen, dass auch wir offen, bunt und aufgeschlossen sind“, erklärt Cedric Watermann das Anliegen.

So viele Teilnehmer wie noch nie kamen zu Demo, zu den rund 20 angemeldeten Gruppen gesellten sich kurzerhand noch weitere dazu. Da passte es gut, dass die Marschroute durch die Innenstadt in diesem Jahr länger als sonst war. Vom DGB-Haus an der Friedrich-Ebert-Straße aus ging es über die Kö hin zum Johannes-Rau-Platz.

Dort, auf der Rheinwiese und vor der Hauptbühne, sind die drei Tage traditionell ganz unterschiedlich gestaltet. Während am Freitagabend und am gesamten Samstag das bunte und fröhliche Treiben im Vordergrund stand, wurden am Sonntag auch ernste Worte mit der Politik gewechselt. Neben zwölf Vertretern aus Bundes- und Landtag war auch Bürgermeisterin Klaudia Zepuntke als Vertreterin der Ampel-Koalition gekommen und sprach mit Kalle Wahle über Wünsche und Anliegen der Düsseldorfer Homosexuellen.

Ein schwul-lesbisches Begegnungszentrum wünschen sich viele Homosexuelle in der Stadt — denn das gibt es mit dem Puls an der Corneliusstraße bislang nur für Jugendliche. „Auch für Erwachsene wird ein solcher Ort dringend benötigt“, sagt Wahle.

Insgesamt war das CSD-Wochenende eine bunte Party mit einigen ernsten, politischen Akzenten. Und nicht zuletzt mit vielen starken Künstlern auf der Bühne. So war die schottische Sängerin Horse McDonald aus ihrem Heimatland eingeflogen und setzte kurz vor Ende des CSDs am Sonntagabend noch ein starkes Zeichen, als eine kleine Gruppe Jugendlicher vor der Bühne gegen die bunte Veranstaltung rebellierte. „Wenn euch das hier nicht passt, dann geht bitte einfach. In Düsseldorf ist kein Platz für Diskriminierung“, sagte die trotz gebrochenen Armes stimmgewaltige Sängerin.