Chor wagt sich an den Elias

Chor wagt sich an den Elias

In der St. Antonius-Kirche war eine stimmungsvolle Aufführung des Mendelssohn-Oratoriums zu erleben.

Düsseldorf. Der Clara Schumann Kammerchor hat sich einen Traum erfüllt: ein gewaltiges Werk zu singen, das „Elias“-Oratorium von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Eine Kirche mit der großartigen vielstimmigen Gesangskunst zu füllen, gemeinsam mit einem zweiten Chor, mit Orchester, mit professionellen Solisten. Das braucht viele Proben, viel Organisation, Unterstützer. Was dabei herauskam: eine leidenschaftliche Aufführung auf hohem Niveau, eine Kirche eingetaucht in romantische Klangfülle, ein tief beeindrucktes Publikum.

Das Stück war am Wochenende in der Antonius-Kirche Oberkassel und in der Immaniuskirche Wuppertal zu hören. Der Einsatz war hoch, mit viel Proben und auch finanziellem Engagement verbunden. Um dem Werk, das eine große Besetzung braucht, gerecht zu werden, hat sich der Chor mit dem „amici del canto“ aus Wuppertal zusammengetan und die Kammerphilharmonie Wuppertal als Orchester engagiert.

Die beiden Chöre wirkten an dem Abend in Düsseldorf wie aus einem Guss, meisterten die vielstimmigen Verflechtungen und teils komplexen Harmonien des Werkes engagiert, gefühlvoll und mit großer Sicherheit. Das Orchester kostete die romantische Dramatik in dem Stück mit Leidenschaft und großem Können aus. Besonders bei den zarteren Passagen hätten sich die Musiker jedoch manchmal mehr zurücknehmen müssen. In der Lautstärke, durch den Hall in der Kirche verstärkt, machten sie es den Solisten an einigen Stellen schwer, die vollen Gestaltungsmöglichkeiten auszuschöpfen — zulasten vor allem der leiseren Momente.

Insgesamt gewann das Werk durch die besondere Akustik an Atmosphäre, die Zuhörer erlebten eine Vorführung auf professionellem Niveau, die für Gänsehaut sorgte. Die Künstler gingen in der Komposition um den hin- und hergerissenen Propheten auf, boten all die im Werk steckende Vielfalt: Wut, Verzweiflung, leise Trauer, Unschuld, Besinnung, Glück. Hervorragend waren Bariton Thomas Laske, Julia Reckendrees als Sopran, Anna Bineta Diouf als Mezzo und Martin Logar als Tenor überzeugten, mit Solisten aus den Chören und Béla Elias Scheurmann als Knabe.

Die Zuhörer erlebten den Abend in Düsseldorf als beeindruckend, dankten mit minutenlangem Applaus. Darunter waren auch einige Anwohner, die sonst solche Konzerte eher nicht besuchen. Aber auch Musikkenner kamen, warteten auf ihre Lieblingspassagen. Sie alle dürfen sich auf eine Fortsetzung freuen. Der Chor macht weiter, weitere Großprojekte, große Werke, sollen in Zukunft in jedem Fall kommen.

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