Chicago im Düsseldorfer Capitol: Die Show ist der Hit

Musical : Chicago im Capitol: Die Show ist der Hit

Im ausverkauften Theater wird das Ensemble nach der Pemiere mit Jubel gefeiert.

Die grellblonde Roxie Hart oder die herbe Brünette Velma Kelly? Verführerisch lullen beide Tingeltangel-Tänzerinnen ihr Publikum ein. Welche Lady mit langen Beinen und in knapper, schwarzer Revue-Montur ist aber die Favoritin? Schwer zu sagen. Zumal nach der Premiere des Musicals „Chicago“ im ausverkauften Capitol-Theater. Denn beide sind in Topform, wenn sie tanzen, singen und ihre kauzige Gruselgeschichte aus dem Chicago der 1920er Jahre zum Besten geben. Und – zusammen mit weiteren Solisten, Ensemble und einer außergewöhnlichen Big Band – mit Jubel gefeiert wurden.

Die Killer-Queens Velma (Samantha Peo) und Roxie (Carmen Pretorius) sind nämlich nicht nur in Sachen Jazz und Swing Spitze, sie sind zudem beinah perfekte Mörderinnen. All‘ das in englischer Sprache, mit deutschen Untertiteln versteht sich: Es ist die Kopie der Original Broadway-Fassung von 1975 aus der Feder des legendären Autoren-Duos John Kander und Fred Ebb, die jetzt für fünf Tage in Düsseldorf zu erleben ist und Jazz-Nostalgiker ins Schwärmen versetzen dürfte. Legendär sind Kander/Ebb ebenso wie Regisseur und Choreograph Bob Fosse, weil sie einst den Welterfolg „Cabaret“ mit Liza Minnelli herausbrachten und damit eine Fangemeinde rund um den Globus erreichen konnten.

Vorweg: „Chicago“ kann mit „Cabaret“ nicht konkurrieren. Trotz „All that Jazz“, „Razzle Dazzle“, „Cell Block Tango“ und anderer mitreißender Gesangs- und Tanz-Nummern gibt’s hier keinen echten Ohrwurm, mit dem man nach zweieinhalb Stunden nach Hause ziehen könnte. Auch die Handlung flackert eher auf Sparflamme. Egal: Die Show mit überwiegend südafrikanischen Musicalstars und die musikalische Umsetzung der Band unter Bryan Schimmel hat alles für einen Hit. Auch für ältere Musicalfans, die die deutsche Erstfassung mit Anna Montanaro 2001 im Capitol miterlebt haben. Die Darsteller(innen) aus Südafrika mit sinnlich schnurrigem Gesang und kessem, manchmal koketten Spiel wirken wesentlicher authentischer als damals vor 18 Jahren.

Die Funken sprühen im minimalistischen Set: in einer hochgebauten rechteckigen Arena (hier sitzt die Band) geben Velma, Roxie, Fred Casely (Ferdinand Gernandt) und Mama Morton (Ilse Klink) Gas, setzen auf schmusige, dann wieder böse Songs und auf knallige Rhythmen. Schimmels Musical-Orchester haut auf die Pauke, drückt auf Tempo und Präzision, bietet Soundeffekte am laufenden Band. Kein Wunder, dass das Musical bereits von 31 Millionen Besuchern in 36 Ländern gefeiert wurde. Und dass diese Produktion international reüssierte, nach Düsseldorf noch in Berlin und München gastieren wird.

Aber auch Revue- und Moulin Rouge-Fans kommen auf ihre Kosten. Viel nackte Haut und Muskeln zeigen die weiblichen Tänzer und männlichen Athleten unter ihren knappen Reiz-Trikots. Letztere dienen häufig als Rahmen für die beiden schönen Mörderinnen, werfen sich ihnen zu Füßen oder an den Hals. Erotisches Knistern hier, wehende Revue-Federn dort. Auch das passt zum Gangster- und Entertainment-Klischee der US-Metropole Chicago der 1920er Jahre.

Noch bis 30. Juni im Capitol. Tickets ab 27,50 Euro. Tel.: 0211/ 73440

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