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CDU kürt OB-Kandidat Stephan Keller mit 98,2 Prozent

Kommunalwahl in Düsseldorf 2020 : CDU: Traumergebnis für Keller, Alptraum für Gutt

Keller erhielt als OB-Kandidat 98 Prozent Zustimmung, Fraktionschef Rüdiger Gutt aber fiel auf der Ratsliste glatt durch. Bei zwei weiteren Kampf-Kandidaturen siegten mit Annelies Böcker und Hanno Bremer die Kandidaten ihrer Ortsverbände.

Die Düsseldorfer CDU schickt ihren OB-Kandidaten mit kräftigem Rückenwind ins Rennen bei der Kommunalwahl im September: 274 von 279 Stimmen bekam Stephan Keller am Samstagmorgen bei der Vertreterversammlung im Cecilien-Gymnasium. Zuvor hatte der Noch-Stadtdirektor von Köln die Delegierten mit seiner Rede nicht nur überzeugt, sondern begeistert. Und doch war schon kurz danach ein anderer Protagonist das Gesprächsthema Nummer eins: Rüdiger Gutt. Denn der Chef der CDU-Ratsfraktion erlitt bei der Wahl der Ratskandidaten im Wahlbezirk Derendorf-West/Golzheim ebenso überraschend wie deutlich Schiffbruch. 102 Stimmen für ihn, aber 172 für Ratsherrn Reiner Kretschmann.

Für Gutt ist das niederschmetternd, zumal Kretschmann wahrlich kein Politiker ist, der schon mal nachdrücklicher auf sich aufmerksam gemacht hätte. Aber er hatte den Vorteil, der Kandidat zu sein, der auf Ortsverbandsebene nominiert war. Gutt dagegen hatte im Vorfeld zunächst in Grafenberg, wo er wohnt, versucht, das Mandat für den Wahlkreis zu holen, scheiterte dort aber glatt. Und wich nach Derendorf aus, wo er immerhin jahrelang Vorsitzender war. Doch das reichte den Delegierten nicht, zumal Gutt in seiner Vorstellungsrede mit keinem Wort auf die unglückliche Situation einging. Der Ausweg über die Reserveliste dürfte für ihn ausgeschlossen sein. Durchaus möglich ist dagegen, dass Gutt am Montag als Fraktionsvorsitzender im Rathaus zurücktritt. Er selbst zeigte sich schockiert, sprach von „Machtspielchen“, mit denen ihn einige in der Fraktion demontieren wollten.

Auch bei den beiden anderen Kampfabstimmungen setzten sich die Vertreter der jeweiligen Ortsverbände durch – und zugleich jeweils die „Oldies“ gegen zwei Newcomer. In Düsseltal/Flingern Nord schaffte es Annelies Böcker (81) hauchdünn mit 136 Stimmen gegen den Nord-Bezirksbürgermeister Stefan Golißa (41), der 134 bekam. Vor der Abstimmung hatten sich die Parteigrößen Jens Petersen und Sylvia Pantel vehement für Böcker ausgesprochen und gegen den Export-Kandidaten aus dem Norden, was vermutlich am Ende den Ausschlag gab. In Ludenberg/ Grafenberg/ Hubbelrath schaffte es mit Hanno Bremer (75) ein im Osten sehr beliebtes CDU- und Bezirskvertretungs-7-Urgestein gegen den Jung-Unternehmer Missagh Ghasemi (138 zu 128 Stimmen).

In allen anderen 38 Wahlkreise wurde der jeweilige Kandidat friedlich und glatt gewählt. Übrigens: Darunter sind gerade einmal neun Frauen.

Zurück zu Stephan Keller: Der fand in seiner Rede eine die Partei direkt ansprechende Mischung aus Angriffslust gegen den Amtsinhaber, auch wenn er Thomas Geisel namentlich nie nannte. Und einem scharf auf wenige Hauptthemen konturierten Programmteil. Er selbst könne eine Stadt führen, sei aber vor allem ein „Teamplayer“, denn: „Ein Düsseldorfer OB muss starke Integrationskraft besitzen, er muss Dialog können, zuhören – und nicht dauernd hektische Alleingänge starten und sich immer so wichtig nehmen.“ Von wem er sich damit abheben will, muss nicht erläutert werden. Beim Thema Kitas/Schulen/Familien sei Düsseldorf im Grunde nicht weitergekommen als es 2014 schon war. Beim Wohnungsbau mahnte Keller verstärkte Anstrengungen an, sagte aber zugleich: „Das heißt nicht, jede Baulücke zu schließen und jeden Acker zu überplanen.“

Beim Thema Sicherheit und Sauberkeit in der Stadt forderte er eine Verdoppelung des Personals für den Ordnungs- und Servicedienst (OSD). „Bin ich ein Law-and-Order-Mann? Wenn das heißt, dass Regeln und Gesetze beachtet und einzuhalten sind, dann ja.“ Mit solchen Sätzen wärmte er die CDU-Seele besonders.

Auch er wolle natürlich die Verkehrswende, denn Klima- und Umweltschutz gehörten in einer christlichen Partei zur DNA, sagte Keller weiter. Aber nicht, indem man Autofahrern via Umweltspuren einfach Raum wegnehme und sie in Staus schicke, die nur schlechte Luft produzierten. Von Geisel komme in der Verkehrspolitik viel „hohle Rhetorik“, während der OB tatsächlich mit seinem Van einfach die Umweltspur benutze oder bei einer Dienstreise „den Privatjet für angemessen hält“, so Keller, der am Ende noch einmal Tatkraft und Teamgeist beschwor: „Dann werden wir am 13. September gewinnen.“ Man wird sehen.