Bundespräsident Steinmeier lobt die Kunst der DDR und Düsseldorf

Kultur : Steinmeier lobt die Kunst der DDR und Düsseldorf

Der Bundespräsident hat am Mittwoch die Ausstellung „Utopie und Untergang“ im Kunstpalast mit einer bemerkenswerten Rede eröffnet.

Schirmherr wird Frank-Walter Steinmeier schon mal öfter. Im aktuellen Fall aber gibt es gleich zwei persönliche Bezüge, von denen nur einer etwas damit zu tun hat, dass er Bundespräsident ist. Der 63-Jährige hat am Mittwoch die Ausstellung „Utopie und Untergang. Kunst in der DDR“ im Kunstpalast eröffnet. Und in seiner Rede von seinen Jahren in Brandenburg erzählt und von den Bildern, die jetzt im Schloss Bellevue hängen.

Die neue Hängung in der Galerie des Amtssitzes hat Steinmeier erst vor wenigen Tagen eröffnet. Dort sind ausschließlich Bilder aus der DDR zu sehen. Zum nun bald 30. Jahrestag des Mauerfalls „wollte ich daran erinnern, dass der Friedlichen Revolution auch der Eigensinn von Künstlern vorausgegangen ist“, sagte er am Donnerstag im Ehrenhof. Der persönliche Bezug hatte sich in den Jahren ergeben, in denen die politische Heimat des Sozialdemokraten in Brandenburg lag. „Ich habe viele Künstler kennengelernt und vor allem manches darüber erfahren, unter welchen Bedingungen sie in der DDR gearbeitet haben. Das macht einen ein wenig vorsichtiger bei vorschnellen Verurteilungen.“

Der Kunstpalast zeigt in „Utopie und Untergang“ mehr als 130 Gemälde und Arbeiten auf Papier von 13 unterschiedlichen Künstlerinnen und Künstlern. Es ist die erste Überblicksschau in Westdeutschland seit 1989. Das Spektrum der Ausstellung umfasst Werke von den Nachkriegsjahren bis zum Mauerfall.

Die Arbeiten der Künstler aus der DDR neu zu sehen, sich die bisherigen Annahmen mindestens bewusst zu machen, idealerweise sie infrage zu stellen – dieser Wunsch bildete den Kern der bemerkenswerten Rede bei der Eröffnung. „30 Jahre nach dem Fall der Mauer und dem Beginn des freien Austausches und der freien Begegnung zwischen beiden Teilen unseres Landes ist es, wie ich finde, wirklich hohe Zeit für diese Ausstellung hier im Westen. Dass zwischen Ost und West das gegenseitige Verständnis immer noch wachsen muss, das wissen wir. Ich bin sicher, zu diesem besseren Verständnis wird diese Ausstellung ihren Teil beitragen.“

Der Bundespräsident sieht die frühere Rezeption kritisch. Von westdeutscher Seite sei in der Vergangenheit vielleicht zu oft der Fehler gemacht worden, Kunst der DDR allein unter politischen Gesichtspunkten zu betrachten, also sie danach zu beurteilen, ob sie (wiederum nach westdeutschen Maßstäben) systemkonform oder oppositionell war. Auch unter den schweren Bedingungen der DDR und unter dem unzweifelhaften Druck auf jede Art von künstlerischer Arbeit habe sich das Individuum behaupten, habe Kreativität ihre eigenen unverwechselbaren Weg gehen können. „So sind herausragende Kunstwerke entstanden“ – und die Besucher der Ausstellung in Düsseldorf erhielten die Chance, einen neuen, möglichst gerechten Blick darauf zu werfen.

„Wir sollten genau hinsehen, was da entstanden ist“

Steinmeier warb für „große Neugier und gespannte Vorurteilslosigkeit“. Dies gelte auch für die Werke von Künstlern, die der Kulturpolitik der SED nahestanden, die staatliche Kunstdoktrin nicht hinterfragten oder in den Verband Bildender Künstler eintraten, weil sie naiver Weise hofften, so von staatlicher Kontrolle unbehelligt zu bleiben. „Den Hintergrund sollten wir kennen. Dennoch sollten wir auch genau hinsehen, was da entstanden ist, bevor wir vorschnell Bilder selbst als systemkonforme Staatskunst von vorneherein in die Schublade der ,Nicht-Kunst’ stecken.“

Bei den vielen positiven Worten für die Ausstellung und die dort gezeigten Werke gab es am Mittwoch auch noch Lob für die Landeshauptstadt: Düsseldorf sei eine selbstbewusste Stadt der Kunst, sagte der Schirmherr.

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